Verbraucherschützer enttäuschtBericht: Schufa arbeitet mit unsichtbaren Bonitäts-Scores

Wer einen Kredit braucht, schaut oft mit Anspannung auf seinen Schufa-Score. Der sollte seit dem März eigentlich für jeden nachvollziehbar sein. Jetzt legen Recherchen offen, dass es dabei mehrere Haken gibt.
Die Auskunftei Schufa hat vor einigen Jahren eine "Transparenzoffensive" ausgerufen und als bisherigen Höhepunkt im März 2026 einen neuen Schufa-Score veröffentlicht. Dieser bewertet die Wahrscheinlichkeit, zu der ein Verbraucher seine Schulden begleichen wird. Das Versprechen der Schufa: Anders als bei vorherigen Scores der Schufa können Verbraucher alle Kriterien und ihre Gewichtung sehen. So könnten sie mit richtigem Verhalten dazu beitragen, dass ihr Score sich verbessert und sie dadurch bessere Chancen auf einen Kredit oder einen Mobilfunkvertrag haben.
Im Rahmen dieser "Transparenzoffensive" sei über Monate hinweg der Eindruck erweckt worden, dass es künftig nur noch einen Schufa-Score geben werde. Das ist aber nicht der Fall, wie Recherchen von "Süddeutscher Zeitung" und NDR jetzt zeigen. Internen Unterlagen zufolge bietet die Schufa den Banken und Unternehmenskunden schon seit Sommer 2025 mit dem Hypothekenscore mindestens einen weiteren Score an. Dieser kommt offenbar bei langfristigen Hypotheken-Geschäften zum Einsatz und wird anders berechnet als der neue Schufa-Score. In der App sehen die Verbraucher diesen Score aber nicht, kritisierte die Zeitung. Breit kommuniziert habe die Schufa dieses Instrument und seine Kriterien oder Gewichtung auch noch nie.
Zusätzlich können den Recherchen zufolge Firmenkunden auch Informationen über Verbraucher kaufen. Diese fließen dann theoretisch in die Entscheidungen über Kredite oder Verträge ein. Die Menschen sehen dann in der App einen Score, der aber womöglich nicht die Grundlage für die Entscheidung bei Banken oder anderen Großkunden ist.
Verbraucherschützer zweifeln am Transparenzgewinn
Kritik gibt es an dem Vorgehen vor allem von Verbraucherschützern. Claudio Zeitz-Brandmeyer, Referent bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) stellt sich die Frage, wo der Transparenzgewinn der Schufa-Offensive liege, wenn es neben dem neuen Score auch weitere Scores gebe, die der Verbraucher nicht kenne. "Wir hätten erwartet, dass die Schufa darüber öffentlich spricht und transparent informiert", sagte er dem Blatt. "So könnte man den Eindruck gewinnen, dass da wieder etwas im Verborgenen stattfinden soll."
Die Schufa selbst zeigte sich auf Anfrage von NDR und SZ irritiert. Man habe nie kommuniziert, dass es nur einen Score gebe. Das Ziel sei es immer gewesen, dass aus rund 50 Bonitätsscores nur "wenige übrigbleiben". Der neue Schufa-Score solle dabei der zentrale Score sein, der bis 2028 für gut 80 Prozent der Scores stehen soll. Daneben aber werde es voraussichtlich einen Hypothekenscore, sowie Chancenscores, Inkassoscores und B2B-Scores geben, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Dass der Hypothekenscore heute schon eingesetzt wird und etwa dreihundertmal die Woche übermittelt wird, bestätigt das Unternehmen. Das ist vergleichsweise wenig, der neue Schufa-Score wird etwa dreihunderttausendmal die Woche ausgeliefert.
Sobald der neue Hypothekenscore am Markt für Immobilienkredite relevant für Verbraucher wird, werde die Schufa auch diesen Score mit allen Kriterien in der SchufaDIe -App ausweisen und erläutern, hieß es auf Anfrage. Auch, dass einige Großkunden aggregierte Bonitätsinformationen kaufen können, bestätigte die Schufa und nannte Beispiele, betonte aber auch: "Banken und andere Unternehmen entscheiden nach ihren internen Richtlinien und Kriterien, ob und zu welchen Konditionen sie einen Kreditvertrag anbieten." Wie die zusätzlichen Informationen bei beispielsweise Banken oder Unternehmen verwendet würden, könne die Schufa nicht sagen, deshalb könne sie darüber auch keine erweiterte Auskunft geben.