Ratgeber

Die 25.000-Euro-Frage Branchen entscheiden bei der Aktienanlage

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Entscheidend für den Anlageerfolg ist, ob die derzeit herrschenden Rahmenbedingungen erhalten bleiben oder ob sich das Umfeld wieder ändert.

(Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong)

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An den Aktienmärkten zeigt sich derzeit ein ungewöhnliches Bild: Die Börsen in Europa laufen besser als an der Wall Street. Anleger sollten sich davon nicht irritieren lassen. Das liegt an den unterschiedlichen Branchengewichtungen.

Wann hat es das schon einmal gegeben? Der deutsche Aktienindex Dax startet mit einem Plus von rund acht Prozent ins neue Jahr und lässt damit den S&P 500, der die 500 größten in den USA börsennotierten Unternehmen umfasst, deutlich hinter sich. Der amerikanische Standardwerteindex legt seit dem Jahresanfang "nur" um circa vier Prozent zu. Der Euro Stoxx 50 hat im neuen Jahr einen ähnlichen Turbostart wie der Dax hingelegt und verzeichnet seit dem Jahreswechsel ein Plus von fast acht Prozent (Stand: 17.1.2023). Der Anstieg entspricht in etwa dem Zugewinn, den Aktien historisch betrachtet in einem ganzen Jahr erzielen, der zwischen sieben und acht Prozent liegt.

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Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und ist für die Anlegestrategie verantwortlich.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach den Ursachen für diese eher seltene Outperformance. Kommt Europa besser durch die sich abzeichnende Rezession? Wohl kaum. Die USA zählen zu den Exporteuren von Öl und Gas. Hier macht sich die Energiekrise sehr viel weniger bemerkbar als im von Öl- und Gasimporten abhängigen Europa. Dadurch sind die Energiepreise in den Vereinigten Staaten auch sehr viel niedriger als auf dem alten Kontinent, was sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen positiv auswirkt.

Grund für die Outperformance

Der Grund für die Outperformance ist die unterschiedliche Branchengewichtung. Der Euro Stoxx 50 umfasst zahlreiche Banken und Rohstoffwerte. Diese profitieren vom aktuellen Umfeld. Nachdem es wieder positive Zinsen gibt, verdienen die Kreditinstitute richtig Geld. Die Deutsche Bank hat beispielsweise 2022 das beste Vorsteuerergebnis in einem dritten Quartal seit 2006 erzielt.

Der Einlagensatz bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beläuft sich mittlerweile wieder auf zwei Prozent. Die Banken können also zumindest vor Abzug der Inflation wieder risikolos Renditen einstreichen, wenn sie überflüssige Liquidität bei der EZB parken. Auch bei der Vergabe von Unternehmens- oder Hypothekenkrediten arbeiten die Banken wieder profitabel.

Bei den Rohstoff-Produzenten ist es das immer noch hohe Preisniveau, das sich positiv bemerkbar macht. Zwar sind die Preise für Öl, Gas und verschiedene Industriemetalle aufgrund der sich abzeichnenden Rezession seit ihren Hochs spürbar gefallen, doch preiswert sind sie noch lange nicht.

Techwerte drücken Wall Street

In den USA dominieren dagegen die großen Technologieunternehmen die marktführenden Aktienindizes. Und die laufen zurzeit gar nicht gut. Aktuell leiden sie vor allem unter dem nachlassenden Wachstum. Dazu kommen noch die gestiegenen Zinsen, die den Wert künftiger Gewinne sinken lassen, was auf die Unternehmensbewertungen drückt.

Jetzt ist allerdings nicht der Blick in den Rückspiegel entscheidend, sondern der in die Zukunft. Entscheidend ist, ob die derzeit herrschenden Rahmenbedingungen noch eine Zeit lang erhalten bleiben oder ob sich das Umfeld wieder ändert.

Bei den Zinsen ist das derzeitige Niveau für eine Rezession eigentlich zu hoch. Allerdings ist es gar nicht sicher, dass die großen westlichen Volkswirtschaften schrumpfen. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs geht mittlerweile davon aus, dass Europa 2023 an einer Rezession vorbeikommt und hier die Wirtschaft wächst. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass sich China von seiner Null-Covid-Strategie verabschiedet hat und seine Wirtschaft wieder hochfährt. Bleibt eine Rezession aus, könnten die Banken auch weiterhin von dem gestiegenen Zinsniveau profitieren.

China ist auch der Hauptgrund dafür, warum das Umfeld für Rohstoffwerte vorerst positiv bleiben dürfte. Die Volksrepublik war vor Corona für rund die Hälfte der weltweiten Kupfernachfrage verantwortlich und zählte mit Japan und Südkorea zu den drei größten Importeuren von Flüssiggas (LNG). Auch bei anderen Rochstoffen spielt China eine entscheidende Rolle. Mit dem Reopening der dortigen Wirtschaft dürfte die Nachfrage nach Kupfer, Gas und Co. wieder spürbar zunehmen.

Schwierige Angebotsseite

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass ein guter Teil der russischen Öl- und Gasproduktion nicht den Weltmarkt erreicht. Der Westen boykottiert weitgehend die Energierohstoffe aus Russland. Und ein Umleiten nach Asien gelingt nur zu einem gewissen Teil, weil dort die Pipeline-Infrastruktur fehlt. Und im Westen haben die Rohstoffkonzerne zu wenig Geld in die Suche und Erschließung neuer Vorkommen investiert. Das alles könnte zu Angebotsdefiziten führen und die Rohstoffpreise unterstützen.

Bei den Techwerten gilt es zu differenzieren. Schwierig bleibt es für die Unternehmen, die maßgeblich mit Werbung ihr Geld verdienen. Denn die Firmen streichen reflexartig die entsprechenden Budgets zusammen, wenn die Wirtschaft nicht mehr nachhaltig wächst. Die Aussichten für Geschäftsmodelle, die einzigartig und schwer kopierbar sind, dürften sich dagegen wieder aufhellen.

Die 25.000-Euro-Frage

In diesem Umfeld könnten Anleger beispielsweise 25.000 Euro wie folgt investieren:

Aktuell eigenen sich defensive Dividendenaktien sehr gut, da sie sich in einem Umfeld mit hoher Inflation und hohen Zinsen gut schlagen. Auch europäische Unternehmensanleihen bieten derzeit Zinsen von mehr als drei Prozent bei einer Laufzeit von bis zu drei Jahren und einer guten Bonität.

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Schließlich sollte Gold in keinem Depot fehlen. Historisch und über längere Zeiträume betrachtet, stieg der Wert des Edelmetalls meistens zwei Prozentpunkte stärker als die Inflation. Es gibt somit kaum ein Investment, das besser für den Werterhalt geeignet ist.

Über den Autor: Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und ist hier für die Anlegestrategie verantwortlich.

Quelle: ntv.de

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