Ratgeber
Renditejäger müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit den Zinsen auch das Risiko steigt.
Renditejäger müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit den Zinsen auch das Risiko steigt.(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)
Montag, 30. Oktober 2017

Geldanlage und Zinsen: Brauchen wir einen Weltspartag?

Von Max Herbst

Für viele Bankkunden beginnt der Grusel schon am Tag vor Halloween - dann nämlich, wenn sie am Weltspartag ihre Erträge betrachten. Der Ärger über die niedrigen Zinsen ist verständlich. Und doch ist die Idee des Sparens so aktuell wie eh und je.

Eines gleich vorweg: Es heißt Weltspartag und nicht Weltzinstag. Entsprechend geht es beim 30. Oktober vor allem darum, das Sparen – also das Schaffen von finanziellen Rücklagen – ins Bewusstsein zu rücken. Und das ist nach wie vor wichtig.

Eine andere Frage ist die nach dem Spaßfaktor des Sparens. Denn die Nullzins-Politik der EZB und der meisten Banken führt dazu, dass die einmal geschaffenen Rücklagen kaum noch Erträge einbringen. Laut Bundesbankstatistik beträgt die Durchschnittsverzinsung von täglich verfügbaren Geldanlagen bei allen deutschen Banken nur noch 0,03 Prozent. Die FMH-Finanzberatung kommt bei den 625 von ihr ausgewerteten Banken sogar nur auf einen Mittelwert von 0,024 Prozent. Zwar haben 338 der betrachteten Banken noch ein Tagesgeldangebot, aber leider zu null Prozent Zinsen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Dennoch gibt es weiterhin Geldhäuser – darunter vor allem Direktbanken wie Consorsbank oder ING-DiBa -, die bereit sind, Sparen (zumindest vorübergehend) zu belohnen. Üppig sind die Zinsen zwar auch hier nicht, aber eben doch ein Vielfaches von 0,03 Prozent: Wer monatlich 100 Euro spart, kann am Jahresende in jedem Fall mehr als 1200 Euro auf dem Konto haben. Einen Überblick über die Angebote bietet der FMH-Tagesgeldrechner.

Zugegeben: Der Effekt wird dadurch gemildert, dass die Inflation von fast zwei Prozent die Kaufkraft reduziert. Doch auch dann steht 1200 angesparten Euro zu null Prozent Zinsen noch immer ein Wert von 1176 Euro Kaufkraft gegenüber. Außerdem kommen auch wieder Zeiten, in denen sich sparen richtig lohnt – inklusive Zins- und Zinseszins-Effekt. Wer diesen Effekt erleben oder die mögliche Steuer oder Inflationsrate in seine Anlageüberlegung einbeziehen will, kann dazu den FMH-Renditerechner nutzen.

Langfristige Planung lohnt sich – auch und gerade beim Sparen

Wie dieser Effekt sich bemerkbar macht, lässt sich aktuell beim Fondssparen beobachten. Es lohnt sich also, diese Variante etwas genauer zu betrachten, zumal der Weltspartag ja nicht nur das Sparen auf Sparbuch und Tagesgeldkonten bewerben will. Wer per Fondsparen monatlich 100 Euro abzweigt, hat nach zehn Jahren stolze 15.502 Euro auf der Habenseite, wenn der Fonds zum Beispiel fünf Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Und dieses Szenario ist keineswegs unrealistisch.

Noch deutlicher wird die Differenz zwischen konventionellen Tagesgeldanlagen und dem Fondsparen auf lange Sicht. 20 Jahre null Prozent Zinsen bringen unserem Traditionssparer (ohne die Inflation zu berücksichtigen) gerade einmal 24.000 Euro. Bei der Durchschnittsverzinsung der vergangenen 20 Jahre (1,86 Prozent) wären es immerhin 29.043 Euro. Der Fondssparer bringt es sogar auf 40.754 Euro, wenn er fünf Prozent Rendite schafft. Hier sieht man sehr gut, was das langfristige Sparen und eine gezielte Anlageüberlegung ausmachen können.

Renditejäger müssen sich aber immer im Klaren sein, dass mit den Zinsen auch das Risiko steigt. Normalerweise jedenfalls. Zugegeben: Wenn eine deutsche Bank aufs Tagesgeld ein Prozent Zinsen zahlt und die andere null Prozent, dann hat dies nichts mit Risiko zu tun, sondern nur mit den Gewinnabsichten der Bank. Wenn es aber bei einer durchschnittlichen Geldanlage ein Prozent Zinsen gibt und selbst ein risikoarmer ETF-Fonds nur bis zu fünf Prozent Rendite verspricht, dann ist es schwer vorstellbar, dass eine als "absolute sicher" angepriesene Geldanlage "acht Prozent oder mehr erwirtschaftet". Vielmehr steht zu befürchten, dass Anleger hier hohes Risiko eingehen – und das hat mit dem Gedanken des Weltspartags nichts mehr zu tun: Der nämlich soll zum soliden Sparen anhalten und nicht zum Spekulieren verleiten.

Tipp: Auch wenn Kapitallebensversicherungen und Bausparkassen sich konservativen Sparern gerne als gute Geldanlage empfehlen, ist von einem Abschluss abzuraten. Die Abschlusskosten und Provisionen sind so hoch, dass man in den ersten Jahren nur den Vertreter bezahlt. Zudem sind die Produkte extrem unflexibel, so dass der Sparer in Notsituationen nicht auf sein Erspartes zugreifen kann.

Quelle: n-tv.de

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