Ratgeber

170.000 auf dem Konto Darf Falschüberweisung behalten werden?

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Ungerechtfertigt bereichern darf man sich nicht.

(Foto: imago stock&people)

Wer nicht nur aus Jux und Tollerei arbeitet und auch über kein Vermögen verfügt, für den mag es ein Traum sein: Plötzlich finden sich ohne eigenes Zutun 170.000 Euro auf dem Konto. Bevor das Geld verjubelt wird, sollte nachfolgendes Urteil gelesen werden.

Was für eine schöne Vorstellung: Statt der üblichen Flaute ist das Konto plötzlich prall gefüllt. Nur - woher kommt das Geld? Stellt sich nämlich heraus, dass weder ein reicher Onkel noch die Eltern oder auch sonst wer für den Geldsegen verantwortlich ist, sondern der Betrag fälschlicherweise dort gelandet ist, ist die Zeit zum Handeln gekommen.

Was auch nachfolgender Fall nahelegt: Als ein 30-jähriger Mann im Juli 2019 auf seine Kontoauszüge schaute, staunte er nicht schlecht: Er hatte eine Überweisung von 170.000 Euro erhalten, die eigentlich nicht für ihn bestimmt war. Statt sich bei der Bank zu melden und diese über das Versehen zu informieren, gab er einen Großteil des Geldes aus. Was keine gute Idee war. Denn aus dem entsprechenden Urteil des Landgerichts Hannover geht hervor, dass der Mann das Geld an die Bank zurückzahlen muss.

92.000 Euro verprasst

Was ihm nicht leicht fallen dürfte. Denn nach Angaben des Gerichts soll er allein vom 24. bis 27. Juli 2019 etwa 92.000 Euro ausgegeben haben. 3600 Euro fielen demnach für Hotel- und Mietwagenkosten an, 15.000 Euro verspielte er im Kasino, 18.500 Euro gab er im Bordell aus und 50.000 Euro wurden ihm gestohlen. Das Gericht wies darauf hin, dass der Mann von Anfang an mit einer Rückzahlung habe rechnen müssen, und verurteilte ihn denn auch zur Rückzahlung des vollständigen Betrages.

Die Fehlüberweisung hatte der Mann Mitte Juli erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sei seine Lebensgefährtin bei der Bank angestellt und in der Auszahlungsabteilung tätig gewesen. Nach Angaben des Geldinstituts ergaben interne Ermittlungen und eine Auswertung der elektronischen Überweisungsdaten, dass die Frau die Überweisung veranlasst hatte; das Geld sei eigentlich als Baufinanzierung für einen Bankkunden vorgesehen gewesen.

Kontostand regelmäßig prüfen

Fazit: Wer fälschlicherweise einen Geldeingang auf seinem Konto bemerkt, darf diesen nicht einfach behalten und ausgeben. Allgemein gilt: Der Absender des Geldes hat einen Herausgabeanspruch (Paragraf 812 des Bürgerlichen Gesetzbuches), was bedeutet, dass sich der Empfänger des Geldes "ungerechtfertigt bereichert" hat und auf Kosten eines anderen etwas ohne rechtlichen Grund erhalten hat. Wenn das Geld schon ausgegeben ist, kann man sich auf die "Entreicherung" berufen. Die ist gegeben, wenn der Empfänger das Geld unmittelbar ausgibt. Die wird jedoch in der Regel vor Gericht nicht anerkannt. Fazit: Das Geld muss so oder so zurückgezahlt werden. Gleiches gilt übrigens auch, wenn das Geld von bekannter Stelle kommt, beispielsweise vom Arbeitgeber. Hat der versehentlich bei der Überweisung des Gehalts eine 0 rangehängt, muss die Differenz zum eigentlichen Lohn herausgerückt werden.

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Da hilft es auch nichts zu behaupten, der Irrtum sei gar nicht bemerkt worden. Zum einen wird dies im Zweifelsfall kein Gericht glauben, und zum anderen sind Kontoinhaber sogar dazu verpflichtet, ihren Kontostand regelmäßig auf die Richtigkeit zu überprüfen. Kommt der Kunde dem nicht nach und übersieht beispielsweise den unverhofften Geldsegen, kann die Bank sogar Schadenersatz fordern. Denn in diesem Fall wurde die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Geldinstitut verletzt.

Wer eine Überweisung nicht bemerkt, etwa weil es sich um einen nicht besonders hohen Betrag handelt, macht sich aber nicht automatisch strafbar. Das Geld muss jedoch zurückgezahlt werden, wenn dies gefordert wird - es sei denn niemand fragt danach. Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre. Wer bemerkt, dass ihm ungerechtfertigt Geld überwiesen wurde, kann den Betrag entweder zurücküberweisen oder auf dem Konto belassen, bis von der Bank um das Einverständnis zur Rückbuchung gebeten wird.

Quelle: ntv.de, awi