Ratgeber

Auftraggeber und Ausreden Das Einmaleins für Freelancer

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Vor dem Leben als Freelancer heißt es erst einmal: eine Geschäftsidee entwickeln und einen Business-Plan erstellen.

(Foto: imago/Westend61)

Sich unvorbereitet selbständig machen, kann eigentlich nur schiefgehen. Wer bestimmte Grundregeln befolgt, entgeht aber den größten Fallstricken.

Das Leben als Freelancer stellt sich so mancher viel schöner vor als das Angestelltenverhältnis. Als Illustrator, Gestalter oder Programmierer etwa hat man ja alle Freiheiten, oder? Zu Hause in Jogginghose gemütlich ein paar Aufträge bearbeiten, dann mit Freunden zum Kaffee treffen und zu Feierabend noch ein paar Mails beantworten. Wer sich als Freiberufler behaupten will, muss aber sich und seinen Arbeitsalltag besonders gut organisieren. Diese Punkte sollten Freelancer dabei beachten:

Konzept machen und Businessplan erstellen

Vor dem Leben als Freelancer heißt es erst einmal: eine Geschäftsidee entwickeln und einen Business-Plan erstellen. Grundlegende Fragen sind etwa: Gibt es eine Nachfrage? Habe ich mit meiner Geschäftsidee ein Alleinstellungsmerkmal, oder gibt es Mitbewerber? Welche finanziellen Investitionen muss ich tätigen, um meine Pläne realisieren zu können - und wie komme ich an das Geld?

Sowohl Geschäftsidee wie auch Business-Plan sollten mit einem Gründungsberater diskutiert werden. "So kann ich Feedback erhalten, ob die eigene Geschäftsidee tatsächlich tragfähig ist", sagt Andreas Lutz. Er ist Vorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) mit Sitz in München.

In vielen Bundesländern wird eine Gründungsberatung bezuschusst. Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann zudem einen Gründungszuschuss beantragen.

Das Geld im Blick behalten

Wer sich selbständig macht, benötigt in aller Regel in der Anfangsphase Geld. Denn es dauert eine Weile, bis das Geschäft einen Gewinn abwirft. Kapitalgeber können zum Beispiel Banken sein. Grundlage für das Gespräch mit einem Bankberater ist ein Finanzplan, in dem angehende Selbstständige detailliert ihre voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben sowie ihren Finanzbedarf auflisten.

"In vielen Fällen bietet es sich an, erst einmal im Nebenerwerb mit der beruflichen Selbständigkeit zu starten", rät Hamid Rezai vom Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. So kommt durch die hauptberufliche Tätigkeit Geld in die Kasse, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Zugleich können sie im Nebenerwerb testen, ob ihr Geschäftsmodell tatsächlich ankommt und sich unter dem Strich rechnet.

Für Selbstständige kann es sinnvoll sein, neben einem privaten Girokonto auch ein Geschäftskonto einzurichten. Darauf sollte sich eine größere Summe befinden - mindestens drei der im Businessplan kalkulierten Monatsnettoverdienste.

Der Grund: "Man muss immer damit rechnen, dass man zwar arbeitet, aber der Kunde nicht sofort zahlt", sagt Sebastian Baum vom Fachverband Gründung, Entwicklung und Nachfolge im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Auch im Fall einer Auftragsflaute ist es gut, wenn Selbständige über finanzielle Reserven verfügen, um ihre laufenden Unkosten zu bestreiten.

Rechtzeitig Auftraggeber suchen

"Mit der Akquise von Aufträgen sollte so früh wie möglich begonnen werden", rät Lutz. Nicht selten sei der letzte Arbeitgeber oder einer dessen Konkurrenten der erste größere Auftraggeber. In einem solchen Fall heißt es aber: Aufpassen und sich noch weitere Auftraggeber ins Boot holen. Sonst könnte ein Gründer auf Dauer als arbeitnehmerähnlich und damit scheinselbständig gelten - und wäre dann Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Um Auftraggeber zu finden, kann es hilfreich sein, Branchenveranstaltungen zu besuchen und auf Messen zu gehen. "Ein Vorteil ist auch, wenn Selbständige über ein möglichst weites Netzwerk verfügen", sagt Rezai. Ebenfalls wichtig ist ein eigener Online-Auftritt, um für potenzielle Kunden auffindbar zu sein. "Für einige Berufe gibt es auch Plattformen im Internet, über die Aufträge akquiriert werden können", so Rezai.

Terminfristen halten und Ausreden vermeiden

"Eine To-do-Liste für jeden Tag, welche Vorhaben konkret Priorität haben und welche nur bei einem Zeitüberhang angegangen werden, ist das A und O für jeden Selbständigen", erklärt Baum.

Zeichnet sich ab, dass sich die Abgabe oder Fertigstellung eines Projekts verzögert und damit Terminabsprachen mit dem Kunden nicht eingehalten werden können, sollten Selbständige umgehend handeln. Sie können zum Beispiel prüfen, ob mit Überstunden, Wochenendarbeit oder mit Unterstützung von befreundeten Kollegen eventuell doch noch eine fristgerechte Abgabe oder Fertigstellung möglich ist.

Eine andere Option: Dem Kunden so früh wie möglich Bescheid sagen, dass man einige Zeit länger braucht als geplant. Dabei sollte man durchaus ehrlich die Gründe für die Verspätung benennen. "Allzu oft sollte man allerdings fest vereinbarte Abgabe- oder Fertigstellungstermine nicht verschieben", rät Baum. Sonst wirkt ein Selbständiger schnell unglaubwürdig und unseriös - und verliert so vielleicht einen wichtigen Auftraggeber.

Quelle: ntv.de, Sabine Meuter, dpa