Ratgeber
Freitag, 24. Juli 2015

Wer wo was bezahlen soll: Das sind die absurdesten Bankgebühren

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

25 Euro für die Dienste eines Schalterbeamten, 15 Euro im Monat für ein leistungsschwaches Girokonto: Deutsche Banken werden immer erfinderischer, wenn es darum geht, ihren Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

(Foto: dpa)

"Wir bieten mehr als Geld und Zinsen." Mit diesem Slogan warben die Volks- und Raiffeisenbanken in den 1980er-Jahren – und bis heute hat die Aussage nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. Die Genossenschaftsbanken, aber auch viele Sparkassen beweisen eine fast unerschöpfliche Kreativität, wenn es darum geht, fremden wie eigenen Kunden absurde Gebühren abzuverlangen.

Nehmen wir zum Beispiel die Sparkasse Oberpfalz Nord. In ihrem Einzugsgebiet, unweit der tschechischen Grenze, sollte man sehr genau überlegen, wann und vor allem wie häufig man einen Bankautomaten oder eine Filiale aufsucht. Der Grund: Selbst Stammkunden berappen ab der sechsten Bargeldaus- oder Einzahlung pro Monat 40 Cent. Und zwar sowohl am Schalter als auch am Automaten.

Dass es anders geht, zeigt der Giro-Vergleich der FMH-Finanzberatung. Leider gibt es aber noch eine Vielzahl von Geldhäusern, die ihre Kunden mit absurden Gebühren belasten.

Oberbayerischer Erfindungsreichtum

Auch die Vereinigten Sparkassen im Landkreis Weilheim sind ausgesprochen einfallsreich, wenn es um das Generieren neuer Einnahmequellen geht. Sie verlangen bei ihrem "S-Giro Standard" für fast alle Leistungen ein Entgelt. Dass die Bank von ihren Kunden ohnehin schon 4,95 Euro im Monat einstreicht, und zwar für das Privileg, dort ein Konto zu besitzen? Egal. In Weilheim schafft man es, selbst für Online-Buchungen am heimischen PC 19 Cent zu verlangen. Am SB-Terminal fallen sogar 25 Cent je Buchungsvorgang an.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Und die Liste der Absurditäten geht noch weiter: Wer als Inhaber das "S-Giro-Standard"- Kontos den Geldautomaten für Ein- und Auszahlungen nutzt, wird jeweils mit 49 Cent belastet. Wer mit seinem Begehr auf Ein- oder Auszahlung auch noch einen Schaltermitarbeiter behelligt, zahlt 69 Cent pro Vorgang. Selbst das Einrichten oder Ändern einer SEPA-Lastschrift ist bei den Vereinigten Sparkassen im Landkreis Weilheim nicht für lau zu haben: Der Kunde bezahlt dafür drei Euro.

Zwar haben die Bayern auch noch andere Angebote in ihrem Portfolio. Das Online-Konto zum Beispiel kommt ohne Kontoführungsgebühr aus. Wirklich günstig ist es trotzdem nicht. Denn im Gegenzug verlangt die Bank für fast alle Transaktionen eine Gebühr von 95 Cent – darunter auch die Geldauszahlung an der Kasse und die SB-Terminalnutzung.

Bleibt das "S-Giro Premium" für Erwachsene. Der Name ist Programm – zumindest, was die Kosten angeht. Die belaufen sich auf stolze 14,95 Euro. Monatlich. Dafür bekommen Kunden eine kostenlose Kreditkarte mit individuellem Motiv und dürfen kostenlos Geld abheben und einzahlen. Ganz ohne Zusatzkosten mag man aber auch die Premium-Kunden nicht davonkommen lassen: Dauerlastschriften einrichten und ändern werden mit drei Euro zusätzlich berechnet. Pro Vorgang, versteht sich.

Einkommensabhängige Gebühren

Auf den ersten Blick fast schon wohltuend sind da die Entgelte, die die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien von ihren Kunden verlangt. Für das Girokonto fallen pro Monat 3,90 Euro an. Auf den zweiten Blick allerdings zeigt sich: Die Bank langt – ausgerechnet bei Geringverdienern – deutlich heftiger zu. Die besagten 3,90 Euro gelten nämlich nur, wenn auf dem Konto jeden Monat mindestens 1250 Euro eingehen. Liegt der Betrag darunter, verdoppelt sich die Gebühr.

Der Fairness halber sei jedoch angemerkt: Der Dispozins von 8,51 Prozent ist bei den Lausitzern erfreulich niedrig und auch, dass Jugendliche auf ihre Ersparnisse (bis zur Höhe von 500 Euro) zwei Prozent Zinsen bekommen, verdient Lob.

Fremdkunden hingegen sollten sich von der Bank fernhalten. Zumindest, wenn sie Geld loswerden wollen. Der Grund: Die Bank bietet an, auch Münzgeld von Fremdkunden anzunehmen. Und zwar ab einem Betrag von einem Cent. Die Gebühren für diesen Service sind allerdings stolz. Zwei Prozent zahlen die Betroffenen – mindestens aber 20 Euro. Ob man so die Straßenmusikanten abschrecken will, bleibt das Geheimnis des Geldhauses.

Drückerkolonne in Brandenburg

Ebenfalls interessant ist das Marketing-Konzept der Sparkasse Barnim. Die Brandenburger werben mit verschiedenen FlatRate-Konten. Deren Inhaber, so das Versprechen, kann kostenlos all seine Bankgeschäfte verrichten und zahlt dafür, je nach Modell, 5,55 Euro oder 3,33 Euro. Die FlatRate-Zero kommt sogar ganz ohne Gebühr aus.

Ein tolles Angebot – wäre da nicht das Problem, dass man der Bank dafür das sogenannte Bank Cross-Selling erlauben muss. Konkret bedeutet das: Um in den Genuss des vermeintlich preiswerten Girokontos zu kommen, müssen Kunden mindestens einen Altersvorsorgevertrag mit mindestens 50 Euro Beitrag pro Monat unterschreiben oder vier Produkte aus drei Bereichen der sogenannten Lebenspyramide des Sparkassen Finanzkonzeptes. Vermutlich ist das teuerste Girokonto noch lukrativer als die Sparkassenprodukte.

Auch die Volksbank Donau-Iller Bank eG lässt sich von ihren Kunden die Bargeldein- und Auszahlung bezahlen. Am Schalter werden 50 Cent, am Geldautomaten 30 Cent pro Vorgang fällig. Dass fast alle Dienstleistungen der Bank etwas kosten (zum Beispiel 10 Cent für die Online-Überweisung und 50 Cent für den beleghaften Auftrag) versteht sich von selbst.

Bleibt die KSK Saale-Orla. Wer von diesem Geldhaus als Nichtkunde Bargeld ausgezahlt haben möchte, wird mit einem Prozent des Betrages, mindestens aber mit 25 Euro belastet. Im Südosten Thüringens scheinen Schalter-Mitarbeiter ganz besonders teuer zu sein.

Quelle: n-tv.de