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Kasse machen mit Dispozinsen Die meisten Kunden zahlen zu viel

Die wenigsten Bankkunden wissen genau, was es sie kostet, wenn das Girokonto ins Minus rutscht. Und das liegt auch an den Banken: Die meisten von ihnen rufen immer noch Dispozinsen von weit über 10 Prozent auf - wollen aber nicht darüber reden. Besonders happig sind die Gebühren bei Geldinstituten auf dem Land.

Viele Banken und Sparkassen in Deutschland machen immer noch mit überteuerten Dispozinsen Kasse. Das moniert die Stiftung Warentest,  die erneut die Konditionen von mehr als 1500 Instituten unter die Lupe genommen hat. Im Schnitt liegen die Zinsen demnach bei 11,31 Prozent. Das sei zwar weniger als bei der letzten großen Untersuchung im vergangenen Oktober, aber immer noch viel zu teuer, so die Tester. Schließlich kämen die Banken derzeit so billig wie nie an Geld: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt bei 0,5 Prozent und der 3-Monats-Euribor, zu dem sich Banken unter­einander Geld leihen, belief sich im Juli 2013 auf gerade mal 0,22 Prozent. Dispozinsen von mehr als zehn Prozent hält "Finanztest" deshalb für überteuert.

Die "größten Abzocker" unter den Banken und Sparkassen seien oft kleine Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen, stellt Hubertus Primus fest. Viele von diesen Geldhäusern nutzten "ihre Vormachtstellung in ländlichen Regionen aus und verlangen einen Zinssatz von 13 Prozent und mehr, wenn ein Kunde sein Konto überzieht", so der Vorstand der Stiftung Warentest. 119 der 1538 überprüften Geldhäuser rufen demnach Dispozinsen über 13 Prozent auf. Am meisten kassieret demnach die Volksbank Feldatal in Hessen mit 14,75 Prozent. Die Targobank verteidigt mit 14,06 Prozent ihren Titel als teuerste Großbank.  

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Deutschlands teuerste Banken.

(Foto: Stiftung Warentest)

Ein Trost: Hier wissen die Kunden wenigstens, worauf sie sich einlassen, denn die Targobank veröffentlicht die Informationen im Internet. Fast alle teuren Volks- und Raiffeisenbanken betrieben dagegen Geheimniskrämere i und wollten die Konditionen auch auf Anfrage nicht angeben. Doch auch bei vielen anderen Instituten bekam "Finanztest" keine Antwort auf die simple Frage nach dem Dispozinssatz. Nur 413 Geldhäuser nannten ihre Zinssätze "ohne Umschweife", weitere 519 wollten ihre Konditionen zwar nicht der Stiftung Warentest verraten, dort half aber ein Blick auf die Website weiter. Bei 606 Instituten mussten sich die Tester über die Preisaushänge in den Filialen informieren. Und in 26 Fällen ließen sich die Konditionen nicht einmal vor Ort in Erfahrung bringen.

Dass Transparenz hilft, zeige der Vergleich mit 2012, so Primus: "Die Banken, die transparent vorgehen, haben meist ihre Zinsen gesenkt." Bei der letzten Untersuchung hätten 64 Banken einen Zinssatz von unter 9 Prozent gehabt, diesmal würden schon 94 Banken einen Zinssatz von 8,5 Prozent und niedriger aufrufen. "Diese Zahlen zeigen, dass es kein Hexenwerk für die Banken ist, einen Dispozinssatz deutlich unter 10 Prozent anzubieten."

Insgesamt ermittelte "Finanztest" Zinsunterschiede von mehr als zehn Prozent zwischen Deutschlands Banken und Sparkassen. Vorbildlich günstig ist der Dispo demnach bei der VR-Bank Uckermark-Randow, die 4,2 Prozent verlangt - allerdings nur bei ihrem Konto "Komfort Plus". Mit 5,25 Prozent für alle Kunden, die ihr Konto online führen, ist die Deutsche Skatbank am günstigsten. Zinsen unter acht Prozent bieten ansonsten noch die Direktbanken DAB, 1822direkt und DKB. Auch unter den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gibt es einige günstige regionale Anbieter.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte inzwischen ein Eingreifen des Gesetzgebers:  „Diese Exzesse müssen endlich unterbunden werden, Dispozinsen sind gesetzlich zu deckeln“, so vzbv-Vorstand Gerd Billen. Zudem sollten Bankinstitute verpflichtet werden, Verbrauchern, die den Dispo länger als nur übergangsweise nutzen, Angebote für preisgünstige Umschuldungen in Ratenkredite zu unterbreiten.

Günstiges Girokonto finden

Quelle: n-tv.de, ino/AFP

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