Ratgeber

Mineralöl in Neutrogena & Co. Diese Lippenpflegestifte sind "sehr gut"

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In manchen Lippenpflegestiften sind Paraffine enthalten.

(Foto: imago/Westend61)

Raue, trockene und rissige Lippen sind unangenehm. Nicht nur beim Küssen. Um dem entgegenzuwirken, schmieren sich viele Menschen ihre Lippen mit Pflegestiften ein. Was aber in einigen Fällen unterlassen werden sollte. Denn Heavy User verspeisen unbeabsichtigt vier Stifte im Jahr, wie Öko-Test berichtet.

Weich und geschmeidig sollen sie sein, die Lippen. Um dies zu erreichen, werden Pflegeprodukte auf den Mund geschmiert. Diese enthalten unter anderem Öle und Wachse, um das Einsatzgebiet geschmeidig zu halten. Doch viele Produkte enthalten auch Paraffine - ein Abfallprodukt aus der Erdölindustrie. Da wundert es kaum, dass diese Kosmetika mitunter auch problematische Mineralölbestandteile aufweisen, wie Öko-Test berichtet.

Zwar sind Lippenpflegestifte kein Lebensmittel. Aber es wird durch regelmäßiges Auftragen dennoch viel davon verschluckt. Bis zu vier Stiften werden derart ungewollt im Jahr verspeist. Deshalb sollte Lippenpflege ungiftig und frei von problematischen Stoffen sein. Das Verbrauchermagazin hat in seiner aktuellen Januar-Ausgabe 20 Lippenpflegeprodukte zu Preisen von 0,47 bis 8 Euro untersucht.

Mineralöle waren lange Usus

Mineralöle waren lange herkömmlicher Bestandteil von Lippenpflegeprodukten. Hierzu zählen beispielsweise gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH), aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) und Paraffine. Da sich diese Stoffe allerdings durch Verschlucken in den Organen anreichern und teilweise sogar krebserregend sind (MOAH), verzichten viele Konzerne auf Mineralöle. Vollständig verbannt aus der Herstellung sind sie allerdings noch nicht.

Chemische UV-Filter oder Stoffe, die Produkte vor Reaktionen mit Sauerstoff schützen sollen, werden mit hormoneller Wirksamkeit in Verbindung gebracht und könnten die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Hierzu gehören Stoffe wie Ethylhexylmethoxycinnamat oder Butylhydroxytoluol (BHT).

Die Liste von Duftstoffen in der Lippenpflege, die allergische Reaktionen hervorrufen können, ist lang. Im diesjährigen Test wurden Isoeugenol und Hydroxycitronellal nachgewiesen. Ersteres gilt als besonders potentes Allergen. Doch auch auf unbedenkliche Stoffe können empfindliche Personen reagieren: Citral, Geraniol, Citronellol oder Farnesol sind in fast jeder Lippenpflege enthalten.

Auch synthetische Polymere (Kunststoffverbindungen) sind häufig Bestandteil von Lippenpflegerezepturen. Noch ist unklar, was diese im Körper bewirken. Trotzdem weist Öko-Test auf diese Stoffe hin, da sie für die Umwelt schwer abbaubar sind.

Elf sind "sehr gut"

Von 20 getesteten Lippenpflegestiften schnitten 11 mit der Note "sehr gut" ab, von denen 8 Naturkosmetika sind. Folgende Lippenpflegestifte sind unbedenklich: "Alterra Lippenpflege Bio-Kamille" von Rossmann (1,19 Euro), "Bee Natural Lippenbalsam Kokos Vanille", DM (2,95 Euro), "Elkos Face Lippenpflege" von Edeka, sogar im Doppelpack (0,59 Euro), "Eos Moisture Lip Balm Hit Happy Herb", DM (5,95 Euro), "Kneipp Lippenpflege Wasserminze Aloe Vera" bei DM und Rossmann (4,95 Euro) und "Dr. Hauschka Lippengold", ist mit 8 Euro der teuerste unter den Getesteten, kommt dafür aber ohne extra Verpackung aus.

Produkte der Firmen Lavera, Logona, Sante und Weleda schnitten ebenfalls mit der Bestnote ab. Der beliebte "Labello Original Pflegestift" schnitt mit der Note "gut" ab: Mittlerweile ist der zwar mineralölfrei, allerdings wurde der hormonell wirksame Stoff BHT nachgewiesen.

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Dass ein etablierter Markenname und ein überdurchschnittlicher Preis nicht unbedingt für einwandfreie Inhaltsstoffe stehen, zeigt sich auf den letzten Plätzen des Lippenpflegetests. Mit "mangelhaft" schneiden der "Blistex Daily Care" und der "O´Keeffe´s Lip Repair unparfürmierter Lippenbalsam" ab. Der "Blistex Daily Care" enthält einen Stoff, der hormonell wirksam ist und der Stift von O'Keefe's ist zwar unparfümiert, enthält dafür aber Paraffine. Noch schlechter abgeschnitten haben "Bebe Classic Lippenpflege", der "Carmex Classic Moisturing Lipbalm" und die "Neutrogena Lippenpflege" (alle drei "ungenügend"). Alle drei enthalten das krebserregende Mineralöl MOAH und Paraffine. Der Stift von Neutrogena dazu hormonell wirksame Stoffe.

Naturkosmetik oft die bessere Wahl

Findet sich keine Lust oder Zeit, die Inhaltsstoffe auf der Verpackung zu studieren, sollten natürliche Pflegestifte den konventionellen vorgezogen werden. Bei diesen Produkten sind die Inhaltsstoffe meist unbedenklich, wie der diesjährige Öko-Test zeigt: Acht von neun getesteten Naturpflegestiften schnitten mit der Bestnote ab. Allein der "Alverde Lippenpflege Calendula" schneidet bloß mit "befriedigend" ab, da der Stoff Isoeugenol nachgewiesen wurde, der allergische Reaktionen hervorrufen kann.

Quelle: ntv.de, awi