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Einst ein bomben Geschäft - heute ein Belastung: alte Lebensversicherungen.
Einst ein bomben Geschäft - heute ein Belastung: alte Lebensversicherungen.(Foto: imago/Christian Ohde)
Mittwoch, 29. November 2017

Keinen Käufer gefunden : Ergo bleibt auf Lebensversicherungen sitzen

Ob sich Lebensversicherungen für Kunden rechnen, ist die eine Sache. Die andere ist, dass Altverträge die Bilanzen der Versicherer belasten. Was der Zinsflaute geschuldet ist. Doch so einfach sind die Altlasten nicht loszuschlagen, wie auch Ergo erfahren muss.

Sechs Millionen alte Lebensversicherungsverträge wollte die Düsseldorfer Ergo-Versicherung gerne loswerden. Denn auch diese Assekuranz leidet wie viele Mitbewerber unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Ihnen fällt es zunehmend schwer, die Zinsen für die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Was einst ein Bomben-Geschäft für die Konzerne war, ist im derzeitigen Zinsumfeld eine Belastung geworden. Ob sich die Policen für die Kunden rechneten, bezweifelten Verbraucherschützer schon immer.

Doch ungeachtet dessen: So einfach ist ein Verkauf nicht und so bleibt Ergo auf den alten Verträgen sitzen und hat die Suche nach einem Käufer vorerst abgeblasen. Laut Ergo-Chef Markus Rieß spiegelten die bisherigen Angebote den derzeitigen "Wert des Bestandes sowie dessen Wertentwicklungspotenzial (...) nicht angemessen wider". Ergo wird daher seine klassischen Lebensversicherungsbestände weiterhin unter eigener Regie verwalten.  Rieß hatte vor zwei Monaten die Sondierung nach einem Käufer von Verträgen gestartet, die einst unter den Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria-Versicherung verkauft wurden.

Der Bund der Versicherten (BdV) sah diese Entwicklungen in der Branche mit Besorgnis und warnte vor den Folgen für die Kunden. "Wenn ein Investor diese Bestände kauft, dann tut er das mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Das geht aber nur, wenn er den Versicherten möglichst viele Überschüsse vorenthält und in die eigene Tasche steckt", äußerte sich BdV-Chef Axel Kleinlein. Etwas gelassener sah die Sache Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) : "Die Frage, ob Kunden bei Abwicklern geringere Überschüsse erzielen, gleicht einem Blick in die Glaskugel".

Wie hoch die Überschussbeteiligung tatsächlich ausfallen, darüber entscheiden die Anbieter jedes Jahr je nach Wirtschaftslage und Anlagestrategie neu. Zusammen mit dem vom Bundesfinanzministerium festgelegte Garantiezins ergibt beides die laufende Verzinsung der Verträge.

Quelle: n-tv.de

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