Ratgeber

Nur drei halten langfristig trocken Funktionsjacken versagen im Test

imago53368760h.jpg

Stundenlange Regenwanderungen sollten mit Funktionsjacken kein Problem sein.

(Foto: imago stock&people)

Alles wird schlechter, zumindest wenn man sich die Qualität von Funktionsjacken anschaut. Regendicht und atmungsaktiv soll das liebste Kleidungsstück der Deutschen sein, doch im Test wird kaum ein Modell diesen Ansprüchen gerecht.

Stundenlang durch Wind und Wetter stapfen und dabei angenehm trocken bleiben – Funktionsjacken sollen genau das ermöglichen. Die meisten kommen freilich über Einsätze beim Stadtbummel oder Gassigehen nicht hinaus. Und das ist vielleicht auch ganz gut so, denn um die Qualität der teuren Alleskönner ist es nicht gut bestellt. Von 14 Funktionsjacken, die nun die Stiftung Warentest untersucht hat, konnten nur zwei Modelle überzeugen.

Wichtigstes Prüfkriterium war natürlich die Funktion. Um Regendichte und Atmungsaktivität zu prüfen, nutzten die Tester einen gläsernen Regenturm, in dem stündlich 450 Liter Wasser pro Quadratmeter auf eine lebensgroße Puppe mit Feuchtesensoren niederprasselten. Unter der jeweiligen Jacke trug die Puppe ein langärmliges Baumwollshirt. Normalerweise wird regendichte Arbeitskleidung unter diesen Bedingungen überprüft, der Vorteil am extremen Belastungstest ist, dass Schwachstellen schon in kurzer Zeit erkennbar werden.

Waschen zerstört den Regenschutz

Die erste Stunde im künstlichen Regen überstand immerhin die Hälfte der Jacken gut oder sehr gut. Bei der günstigen Columbia Pouring Adventure meldeten die Feuchtigkeitssensoren allerdings schon nach fünf Minuten das erste Leck, nach einer Stunde war das Baumwollhemd vorne nass. Auch bei der Drawa von Maier Sports, Vaudes Furnas Jacket II und der Mc Kinley Kumasi von Intersport gab es größere nasse Flecken. Das muss nicht an der Imprägnierung liegen, sondern ist oft der Verarbeitung und Konfektionierung geschuldet. Oft dringe Regen durch nicht ausreichend abgedeckte Reißverschlüsse oder durch schlecht oder gar nicht abgeklebte Nähte, schreibt "Warentest".

Regenturm_3-gross.jpg

Oft sah die Unterbekleidung nach einer Stunde so aus.

Mängel bei der Imprägnierung traten dann beim zweiten Regentest sehr deutlich zutage. Nach der ersten Regenrunde wurden alle Jacken fünfmal gewaschen. Dabei folgten die Tester den Empfehlungen der Hersteller und versuchten, die Imprägnierung durch Wärme im Wäschetrockner oder beim Bügeln zu reaktivieren. Geholfen hat das wenig. Nur 3 der 14 Modelle schafften es wenigstens "befriedigend" durch den zweiten Starkregen: Jack Wolfskins Shelter Jkt, Schöffels Easy L II und der Testsieger, die teure Astral III von Haglöfs für 360 Euro. Die mit 340 Euro ebenfalls nicht ganz billige Patagonia Piolet hingegen schnitt zwar beim ersten Test noch sehr gut ab, versagte dann aber beim zweiten Durchlauf. Bei einigen Modellen waren nach einer Stunde zwei Drittel des Shirts durchnässt.

Qualität lässt nach

Auch die dichteste Jacke nutzt natürlich wenig, wenn man darunter zu sehr ins Schwitzen kommt. Die Atmungsaktivität der Jacken haben die Tester mithilfe von Wasserdampf ermittelt. "Sehr gut" waren die Modelle von Haglöfs, Schöffel und Patagonia, die günstige Columbia-Jacke schnitt als einzige "gut" ab. In den Jacken von Maier Sports und Northland dürften Wanderer dagegen auch ohne Regen schnell nass werden, hier kam so gut wie keine Feuchtigkeit nach außen durch.

Der neue Test bestätigt Pessimisten: Früher war vielleicht nicht alles besser, die Qualität der Outdoorjacken aber schon. 2004 fielen bei gleichen Prüfbedingungen nur 20 Prozent der Kandidaten durch, 2012 schon 60 Prozent. Diesmal waren es 80 Prozent. Möglicherweise ein Zeichen dafür, dass inzwischen mehr bei der Verarbeitung gespart wird. An der Art der Imprägnierung hat sich derweil nicht viel geändert, die meisten Hersteller setzen nach wie vor auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Mit dem grünen Image der Outdoormarken ist das schwer zu vereinbaren, denn PFC sind kaum abbaubar und reichern sich in der Umwelt und in Organismen an. Viele Hersteller arbeiten derzeit an Alternativen.

Und welche Jacke soll man nun nehmen? Wer das nötige Kleingeld mitbringt, ist mit dem Premium-Textil von Haglöfs gut bedient, es war auch mit Abstand der haltbarste Kandidat im Test. "Gut" schnitt ansonsten nur das Schöffel-Modell ab. "Atmungsaktiv, komfortabel und weitgehend dicht", so das Urteil der Tester über die 180-Euro-Jacke. In der gleichen Preisklasse spielt die die Jack Wolfskin Shelter. Sie ist nicht ganz so atmungsaktiv, war ansonsten aber ebenfalls passabel.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema