Ratgeber
Öko-Test empfiehlt regionale Gänse aus Freilandhaltung.
Öko-Test empfiehlt regionale Gänse aus Freilandhaltung.(Foto: imago/localpic)
Donnerstag, 23. November 2017

Federvieh im Test: Gans fies?

Auch wenn es viele nicht hören wollen: In wenigen Wochen steht Weihnachten vor der Tür. Und dann landet nicht selten eine Gans auf dem Tisch, gebraten. Öko-Test hat schon mal einen Bissen des potenziellen Festtagsschmauses auf die Gabel genommen.

So um die fünf Millionen Gänse landen zwischen Mitte November und Weihnachten in deutschen Backöfen. Für viele ist der Vogel untrennbar mit dem Fest zur Geburt Jesu verbunden. Doch bevor das Federvieh hungrige Bäuche füllt, ist erst einmal der Gänse-Magen dran - per Stopf-Mast. Zumindest oft dann, wenn die Tiere aus Belgien, Ungarn, Frankreich, Bulgarien und Spanien kommen. Und das ist Quälerei. Die allerdings nur die männlichen Küken trifft - die weiblichen landen gleich im Schredder, wie Öko-Test berichtet. 

Die Überlebenden wachsen hingegen auf engstem Raum ohne Tageslicht auf. Sie bekommen Kraftfutter und dürfen sich nur wenig bewegen. Durch die schnelle und unnatürliche Zunahme deformieren sich die Knochen, die Tiere haben Gelenkschmerzen bei jedem Schritt. Ein Federkleid trägt die Gans nicht, auf ihrer Haut zeugen Verletzungen davon, dass ihr Arbeiter die Federn brutal in Akkordarbeit herausgerissen haben. Die Federn werden an die Daunenindustrie verkauft. Eigentlich ist Lebendrupf in der EU verboten, wird aber nach wie vor praktiziert.

Die Stopfmast ist in fünf EU-Ländern sogar offiziell erlaubt. Bei dieser wird den Tieren mehrfach am Tag ein Rohr tief in den Schlund gerammt, durch das mit Druckluft Maisbrei und Fett in den Magen gepumpt wird – viel mehr, als sie jemals natürlich essen könnten. Nach rund 15 Wochen hat der Albtraum für die Tiere ein Ende. Dann wird geschlachtet. Obwohl das die wohl grausamste Form der Tierhaltung innerhalb der EU ist, ist sie in Ländern wie Spanien, Frankreich, Bulgarien und Belgien unter dem scheinheiligen Deckmantel der "Tradition" verbreitet. 

Öko-Test rät deshalb vom Kauf von Gänsen aus diesen Ländern mit einer Ausnahme ab und empfiehlt regionale aus Freilandhaltung, am besten aus ökologischer Haltung. Diese hatten wenigstens ein einigermaßen gutes Leben – auch wenn es nicht mal 30 Wochen lang war und beim Schlachter endete.  

Zugreifen können Schlemmer demnach bei der "Bio-Gans mit Innereien frisch" und der "Gans frisch H.Kl.A" von Bioland und der "Deutsche Bio-Freilandgans frisch" von Demeter. Alle drei wurden für "sehr gut" befunden, kosten aber auch zwischen knapp 80 und 100 Euro. Mit rund 40 Euro sind immerhin noch drei für "gut" bewertete Gänse zu haben. Als da wären: "Junge polnische Bio Hafermast-Gans aus Freilandhaltung", "Dithmarscher Geflügel Junge Deutsche Gans aus Freilandhaltung" und "M. Claßen Junge Weidemastgans".

Die deutlich günstigeren Vögel von Aldi (Nord und Süd) und Lidl erhielten ein "ausreichend", aber wenigstens bleibt auch diesen Tieren genau wie allen zuvor genannten Lebendrupf und Stopfmast erspart.

Quelle: n-tv.de