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Tenhagens Tipps Geldanlegen lohnt sich wieder

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Bei Zinsen von 1,6 Prozent oder mehr macht Sparen langsam wieder Spaß.

imago/CHROMORANGE

Anleger freuen sich dieser Tage schon fast, dass sie Banken für ihre Einlagen nichts bezahlen müssen. Die Zinsen für Tages- und Festgeld sind in den letzten Jahren schließlich auf ein klägliches Niveau zusammengeschrumpft. Rechtzeitig zum Weltspartag hat Finanztip-Chefredakteur Tenhagen gute Nachrichten.

n-tv.de: Sparer können sich aktuell wieder über etwas steigende Zinsen freuen. Wieso eigentlich? Der Leitzins ist doch unverändert.

Hermann-Josef Tenhagen: Die Konkurrenzsituation hat sich verändert. Wir erleben derzeit, wie Anbieter aus dem Ausland auf den Markt strömen, die aus unterschiedlichen Gründen das Geld der deutschen Sparer gut brauchen können. Das sind zum Beispiel niederländische Leasinggesellschaften, die genauso wie deutsche Autobanken feststellen, dass das Spargeschäft eine gute Möglichkeit zur Refinanzierung ist. Außerdem merken französische Großbanken, dass auf diesem Markt ein bisschen was zu gewinnen ist. Einigen deutschen Großbanken geht es derzeit ja nicht so gut und die Sparkassen und Volksbanken sind dabei, ihre Kunden mit schlechten Zinskonditionen zu vergrätzen. Jetzt wittert die Konkurrenz eben ihre Chance und schlägt zu.

Die neuen Wettbewerber stoßen in die Lücke zwischen den Konditionen der deutschen Banken und Sparkassen und den Angeboten aus Bulgarien oder Portugal, die vielen Sparern zu riskant sind. Dazwischen kann ein niederländischer Konzern oder eine französische Großbank mit deutscher Tochter durchaus reüssieren.

Und mit welchen Zinsen kann man aktuell rechnen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Beim Festgeld sind 1,6 Prozent für ein Jahr drin. Soviel bietet derzeit die französische CA Consumer Finance, die zur Crédit Agricole gehört. Man muss aber mindestens 5000 Euro anlegen. Für zwei Jahre gibt es 1,7 Prozent, für drei Jahre 1,9 Prozent. Es ist ganz interessant, sich mal den Hintergrund dieser  Bank anzuschauen: Die CA Consumer Finance gehört zur Crédit Agricole und das ist eine der größten Genossenschaftsbanken Frankreichs. Mit ihrer Tochter Credit Plus vergibt die Bank schon länger Privatkredite in Deutschland. Jetzt soll offenbar auch die Anlagenseite bedient werden.

Die besten Tagesgeldkonditionen gibt es im Moment bei den Autobanken. Die Volkswagen Bank und die Audi Bank  zahlen Neukunden 1,25 Prozent ab dem ersten Euro. Die Wüstenrot Bank ist mit 1,11 Prozent dabei. Alle drei garantieren die Konditionen aber nur für vier Monate, danach sollte man wechseln, weil der Zins auf Niedrigniveau abfällt. Hat man darauf keine Lust, guckt man sich lieber bei den niederländischen Banken um. Moneyou, Leaseplan und NIBC Direct verzinsen mit 0,95 bzw. 0,90 Prozent (www.finanztip.de/tagesgeld/ ). Ohne langfristige Garantie, aber dafür könnte der Zins auch längerfristig in diesem Bereich bleiben. Zumindest ist es unwahrscheinlich, dass er plötzlich in den Keller rauscht.

Wie sicher sind denn solche Angebote?

Bevor wir bei Finanztip Angebote empfehlen, prüfen wir zweierlei. Zum einen: wie ist die Bank bzw. ihr Mutterkonzern geratet? Und zum anderen: Trauen wir dem jeweiligen Land zu, dass es einen Bankencrash allein tragen könnte? Sowohl bei den Niederländern als auch  bei den Franzosen halten wir die Sicherungssysteme für stabil genug, dass sie die Entschädigungen zahlen könnten. Bei einer portugiesischen oder bulgarischen Bank könnte das schon schwieriger sein. Da gibt es zwar den politischen Willen, die gesetzlich vorgeschriebenen 100.000 Euro abzusichern. Wenn es aber hart auf hart kommt und mehrere Banken stürzen, würden die Systeme womöglich an ihre Grenzen geraten.  Und dann könnte es eben länger dauern, bis man sein Geld zurückbekommt.

Je länger man sich bindet, desto höher ist der Zins. Welche Laufzeiten empfehlen Sie derzeit?

Ich persönlich würde jetzt im Augenblick eher bei 24 Monaten aufhören, weil man nicht so genau weiß, wie es mit den Zinsen weitergeht. 1,7 Prozent sind auch schon ganz ordentlich im Vergleich zu den letzten Monaten. Man kann natürlich mischen und einen Teil als Tagesgeld anlegen und den Rest mit unterschiedlichen Zinsbindungen festlegen. Sparer sollten ja ohnehin streuen und nicht alles auf eine Karte setzen.   

So ein Kontowechsel ist ja immer mit etwas Mühe verbunden. Wann lohnt sich das?

Das ist eine Frage der Bequemlichkeit. Bei einer höheren Anlagesumme kann man in vier Monaten schon mal den Gegenwert eines Abendessens in einem nicht ganz schäbigen Restaurant herausholen. Ist Ihnen das die Sache wert, dann nur zu. Der Aufwand ist ja überschaubar.

Richtig interessant ist die Sache für Kunden mit sehr schlecht verzinsten Konten. Viele Banken und Sparkassen zahlen nur 0,05 oder 0,02 Prozent. Bei eine Anlagesumme von 100.000 Euro gibt das gerade mal 20 bis 50 Euro Zinsen im Jahr. Bei 0,9 Prozent wären es nach einem Jahr schon 900 Euro. Und das macht dann schon einen deutlichen Unterschied. Selbst wenn man nur 1000 Euro auf dem Konto liegen hat, steht man um fast 9 Euro besser da. Damit kommt man immerhin zur nächsten Frittenbude. 

Übrigens haben manche Sparkassen und auch einige Banken bei kleineren Summen eine interessante Alternative zu renditearmen Festgeldkonten: Sogenannte Führerscheinkonten für Kinder und junge Leute. Diese Konten sind oft ganz gut verzinst, manchmal sind sogar zwischen 1,5 und 2,5 Prozent drin, bei 2000 oder 3000 Euro ist allerdings Schluss. Für Eltern, die noch einen Tausender zur Verfügung haben, kann das eine ganz gute Variante sein. Das Geld gehört dann anschließend allerdings dem Nachwuchs, geschenkt ist geschenkt.

Tagesgeld und Festgeld - hier geht's zum Vergleich

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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