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Sturz eines Radfahrers Haftung auch bei "berührungslosem Unfall"

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Alle Verkehrsteilnehmer haben eine Sorgfaltspflicht.

(Foto: imago stock&people)

Es wird viel gestritten auf deutschen Straßen. Nicht selten geraten Radler und Autofahrer aneinander. Auch materiell. In Form eines Unfalls. Manchmal ist dazu noch nicht mal eine Berührung nötig und der PKW-Besitzer trotzdem in der Pflicht.

Ein Autofahrer haftet auch dann für den Sturz eines Radfahrers, wenn der Radler nicht beim Ausweichmanöver selbst stürzt, sondern erst beim Wiederauffahren auf den befestigten Weg. Nach einem Urteil des Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt ist das Wiederauffahren auf den ursprünglichen Weg noch Teil des durch den Pkw ausgelösten Ausweichmanövers (Az.: 16 U 57/18).

Was war passiert?

In dem verhandelten Fall befuhr ein Fahrradfahrer einen etwa 2 m breiten befestigten Feldweg. Dort kam ihm ein PKW entgegen. Der Radler wich dem Wagen auf den unbefestigten und zum Unfallzeitpunkt matschigen Seitenstreifen nach rechts aus. Die beiden Verkehrsteilnehmer fuhren berührungslos aneinander vorbei. Beim Versuch, unmittelbar nach dem Passieren wieder auf den befestigten Weg aufzufahren, stürzte der Radfahrer. Er zog sich mehrfache Verletzungen zu und begehrt neben dem Ersatz entstandener Heilbehandlungskosten sowie der Fahrradreparatur Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 10.000 Euro.

Das OLG verurteilte den Autofahrer dazu, 50 Prozent des entstandenen Schadens zu zahlen. Obwohl es sich um einen "berührungslosen Unfall" handelte, ist der Sturz dem PKW-Fahrer zuzurechnen. Letztlich liege ein insgesamt missglücktes Ausweichmanöver vor, das der Betriebsgefahr des Fahrzeugs zuzurechnen sei. Denn der Sturz erfolgte im nahen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang mit dem Entgegenkommen des Autos. Das Wiederauffahren des Radlers auf den befestigten Radweg ist als Teil des Ausweichmanövers zu bewerten, so das Gericht.

Dass auch dem Radfahrer eine 50-prozentige Haftung zugesprochen wurde, begründete das OLG damit, dass dieser die Möglichkeit gehabt hat, sein Fahrrad anzuhalten und das Auto passieren zu lassen. Zudem habe der Radler beim Wiederauffahren auf den Radweg unter Berücksichtigung der matschigen Verhältnisse nicht die gebotene Sorgfalt walten lassen. 

Quelle: n-tv.de, awi

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