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Die Strompreise sind seit 2005 um durchschnittlich 51 Prozent gestiegen.
Die Strompreise sind seit 2005 um durchschnittlich 51 Prozent gestiegen.(Foto: imago/Christian Ohde)
Mittwoch, 20. September 2017

Regelsatz reicht nicht: Hartz IV: Zu wenig Geld für Strom

Hartz-IV-Bezieher sollen von 2018 an mehr Geld bekommen. Der Regelsatz für Alleinstehende steigt dann um wenige Euro. Dumm nur, dass schon jetzt die Stromkosten den dafür vorgesehenen Betrag übersteigen. Und die Preise für Energie klettern weiter.

Die Hartz-IV-Regelsätze werden zum kommenden Jahr erhöht. Für Alleinstehende bedeutet dies eine Erhöhung um 7 auf 416 Euro im Monat. Für Paare wird die Leistung um 6 auf 374 Euro pro Person erhöht. Für Strom sieht der Gesetzgeber einen monatlichen Betrag von 35,09 Euro vor. Zu wenig, wie Berechnungen des unabhängigen Verbraucherportals Verivox zeigen.

Gemäß dem Verbraucherpreisindex des Portals zahlt ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden (kWh) aktuell im Durchschnitt 486 Euro pro Jahr für Strom. Das entspricht einer monatlichen Belastung von 40,50 Euro. Damit übersteigt der Bedarf den künftigen Regelsatz schon jetzt um 15 Prozent. In der Grundversorgung belaufen sich die Stromkosten eines Einpersonenhaushalts derzeit auf 531,96 Euro pro Jahr oder 44,33 Euro pro Monat. Das sind 26 Prozent mehr als im Regelsatz vorgesehen.

Quelle: Verivox
Quelle: Verivox

Dabei ist die Kluft zwischen Bedarf und Regelsatz regional unterschiedlich. So zahlt ein Einpersonenhaushalt in Brandenburg für die Grundversorgung durchschnittlich 583 Euro und damit knapp 39 Prozent mehr als der Regelsatz. Dahinter folgen Mecklenburg-Vorpommern (35 Prozent) und Thüringen (31 Prozent). Am geringsten ist die Differenz in Bremen (17 Prozent).

Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 wurde der Regelsatz schrittweise um rund 21 Prozent angehoben (von 345 auf 416 Euro). Die Strompreise haben sich im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 51 Prozent verteuert, in der Grundversorgung sogar um 65 Prozent.

Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass Stromkunden sich in den kommenden Jahren auf höhere Rechnungen einstellen müssen. Die Stromnetzbetreiber haben massiv ihre Preise erhöht und begründet dies mit den Folgekosten der Energiewende. Dies schlägt sich am Ende auch auf die Stromrechnung durch.

Grundsätzlich könnten Hartz-IV-Empfänger mit einem Anbieterwechsel ihre Kosten senken. Doch viele Stromanbieter prüfen vor Vertragsabschluss die Bonität der Kunden und behalten sich vor, die Belieferung abzulehnen. Damit bliebe den ärmsten Verbrauchern ein zentraler Weg zu sinkenden Stromkosten versperrt. Sie müssen in der Grundversorgung verharren und zahlen dort die höchsten Strompreise.

Quelle: n-tv.de