Ratgeber

Teils 50 Euro zu wenig Hartz IV reicht oft nicht für Strom

Manche Kunden der FlexStrom-Gruppe bekommen noch Geld. Sie werden nun vom Insolvenzverwalter angeschrieben. Foto: Kai Remmers

Bei Nachforderungen in Höhe von 100 bis 200 Euro müssen Verbraucher diese Rechnungen zunächst bezahlen.

(Foto: dpa)

Hartz-IV-Bezieher erhalten ab diesem Jahr ein paar Euro mehr. Alleinstehende kommen so auf insgesamt 416 Euro. Davon sind 35,05 Euro für Strom vorgesehen. Blöd nur, dass die wirklichen Stromkosten diesen Betrag übersteigen, wie die Verbraucherzentrale NRW beklagt.

"Telefon, Gas, Elektrik - und unbezahlt, das geht auch", sang einst sang Herbert Grönemeyer. Nur leider irrt hier der Musiker. Wer nicht zahlt, dem wird der Strom abgestellt. Bei Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, übernimmt das Jobcenter die Kosten: in Form einer Pauschale, die im Regelsatz von derzeit 416 Euro im Monat (für Alleinstehende) in Höhe von 35,05 Euro enthalten ist.

Doch das ist viel zu wenig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) beklagt. Denn die Lücke zwischen Bedarf und Pauschale sei noch größer, als bisherige Berechnungen vermuten lassen, betont nun das Projekt der Verbraucherschützer "NRW bekämpft Energiearmut".  

"Schon bei durchschnittlichem Energieverbrauch und Durchschnittspreisen reicht die aktuelle Pauschale nur selten", erklärt Projektleiterin Stephanie Kosbab. Dies sei im Prinzip bekannt. "Menschen mit wenig Geld brauchen aber nicht automatisch wenig Strom - im Gegenteil: Gerade von ihnen verbrauchen manche schon deshalb relativ viel, weil sie zum Beispiel alte, ineffiziente Geräte nicht ersetzen können."

Deckungslücke steigt drastisch

Dies zeigen umfangreiche Auswertungen der Projektarbeit. Das Projekt hat seit Ende 2012 mehr als 5200 Haushalte beraten. Nach den dabei gemachten Erfahrungen liegen die bereinigten Mittelwerte der Verbräuche deutlich über denen des allgemeinen deutschlandweiten Stromspiegels. "Setzt man realistische Stromverbräuche an statt den allgemeinen Durchschnitt, wächst die monatliche Deckungslücke erheblich. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind und Durchlauferhitzer beträgt sie dann zum Beispiel nicht mehr rund 22 Euro - was auch schon viel ist -, sondern mehr als 50 Euro", berichtet Kosbab.

Eingepreist sei in beiden Zahlen bereits die Erfahrung, dass die meisten beratenen Haushalte Strom aus der teuren Grundversorgung bezögen. Ein eigenständiger Wechsel in günstigere Tarife übersteige in manchen Fällen die Planungskompetenzen der Betroffenen und sei etwa mit nachteiligen Schufa-Einträgen auch nicht immer ohne weiteres möglich. "Die eigenen Einflussmöglichkeiten vieler Betroffener sind sowohl beim Preis als auch beim Stromverbrauch eng begrenzt. Deshalb muss bei den Pauschalen dringend nachjustiert werden, um langfristigen Verschuldungen bei Energieversorgern mit Sperren und Zusatzkosten vorzubeugen."

Die Verbraucherzentrale NRW plädiert dafür, künftig bedarfsgerechtere Pauschalen anhand mittelpreisiger Grundversorgungstarife und der Durchschnittsverbräuche gemäß Stromspiegel zu kalkulieren. "Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung", so Kosbab.

Quelle: n-tv.de, awi

Mehr zum Thema