Ratgeber

Widerliche Sensationslust Ist Gaffen strafbar?

Befremdlich: Kommt es zu einem Unfall oder einer sonstigen Tragödie, findet sich oft schnell eine Meute ein, die das Unglück anderer bestaunt oder sich sogar daran erfreut. Oft genug wird ein Rettungseinsatz dadurch behindert. Doch derartiges Verhalten ist keine Bagatelle.

imago56144726h.jpg

Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat.

(Foto: imago stock&people)

Vielleicht ist es dem einen oder anderen gar nicht bewusst: Dennoch findet sich bei Unfällen oder gewaltsamen Ereignissen schnell eine Menge an Leuten an, die das vermeintliche Schauspiel bestaunen. Natürlich nur dann, wenn keine Gefahr für das eigene Leib und Leben droht. Egal, ob schwerer Verkehrsunfall oder brennendes Flüchtlingsheim - nichts scheint manchen Menschen tragisch genug zu sein, um nicht den eigenen Alltag mit der Betrachtung des Vorfalls etwas zu beleben. Doch seine Sensationslust mit dem Unglück anderer zu befriedigen, ist keine Bagatelle, sondern im günstigsten Fall eine Ordnungswidrigkeit.

Besonders dramatisch ist das Gaffen dann, wenn dadurch der Einsatz von Rettungskräften verzögert wird und Verletzten erst verspätet oder gar nicht mehr geholfen werden kann. Denn hier zählt oft jede Sekunde. Dennoch haben die Helfer oft genug Schwierigkeiten, sich durch eine Meute Sensationslustiger zu kämpfen.     

Dabei sind alleine für das teilnahmslose Gaffen Bußgelder in Höhe von bis zu 1000 Euro vorgesehen. Wird beispielsweise der Seitenstreifen auf der Autobahn blockiert, so dass der Rettungswagen nicht durchkommt, werden 20 bis 25 Euro fällig. Wer, um ein Unglück besser sehen zu können, beim Fahren plötzlich seinen Wagen abbremst und es so zu einem Auffahrunfall kommt, muss mit einer Haftung rechnen.

Aber auch eine Strafbarkeit wegen unterlassener Hilfeleistung ist nicht auszuschließen, selbst dann nicht, wenn bereits Rettungskräfte vor Ort sind. Dies kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden. Durch die besondere Abart, das Unglück auch noch via Handyfotos zu dokumentieren, werden zudem auch die Persönlichkeitsrechte der verunfallten Menschen verletzt. Denn wer Fotos oder Videos anfertigt, die die Hilflosigkeit einer anderen Person festhalten, begeht eine Straftat (Paragraf 201a Strafgesetzbuch). Dabei müssen die Aufnahmen noch nicht einmal veröffentlicht werden.   

In der Praxis kommen Gaffer aber oft genug ohne Strafe davon. Zu viel Eile ist oft geboten, zu unübersichtlich die Situation, zu groß die Meute und zu wenig Ordnungskräfte sind meist im Einsatz, um die Sensationslustigen dingfest zu machen. 

Quelle: n-tv.de, awi