Ratgeber

Tenhagens Tipps Ist der Griechenland-Urlaub in Gefahr?

imago50613792h.jpg

Zu schön, um fernzubleiben - Griechenland.

Griechenland ist wunderschön und hat für Urlauber viel zu bieten. Grund genug also für Millionen Menschen, das Land zu besuchen. Eigentlich. Denn die die Krise verunsichert viele Hellas-Fans. Ob die geplante Reise trotz aller Probleme dennoch angetreten werden sollte und worauf zu achten ist, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: Sollte man angesichts des drohenden Grexits noch nach Griechenland fahren?

Hermann-Josef Tenhagen: Ja. Aber es gilt natürlich ein paar Dinge zu beachten. Alles das, was man von ferne bezahlen kann, wie Hotel und Mietwagen, das macht man besser mit Kreditkarte schon von zu Hause aus. Darüber hinaus sollten Reisende mehrere Geldkarten mitnehmen: Kreditkarte, EC-Karte, Postbank-Sparkarte. Inzwischen gibt es Angebote für Kreditkarten, die auch im Auslandseinsatz nichts kosten. Und auch Bargeld sollte mehr als sonst üblich mitgenommen werden. Vor Ort sollte alles was geht mit Karte bezahlt werden. Und wenn die Taverne keine Kartenzahlung akzeptiert, geht man eben dort hin, wo dies der Fall ist. Inzwischen gibt es eine gute Infrastruktur für Kartenzahlung.

Müssen Urlauber nun nicht Sorge vor Diebstählen haben?

Hellas 2.JPG

Wenn Urlauber mit viel Bargeld angekündigt sind, verhält sich das in Griechenland nicht anders als auf einen Berliner Flohmarkt: Es gibt mehr Menschen, die ein Interesse daran haben, dass das Geld den Besitzer wechselt. Im Zweifel gehört zum Bargeld dann eben auch der Brustbeutel und größere Summen in den Hotelsafe, so dass Urlauber nicht zu leicht Opfer von Dieben werden. Grundsätzlich gilt dies aber natürlich nicht speziell für Griechenland. Nicht zuletzt sollte immer auch der gesunde Menschenverstand mit auf die Reise genommen werden

Was halten Sie denn vor diesem Hintergrund von Traveller-Checks?

Nichts. Traveller-Checks sind eher antiquiert. Und sie helfen vor allem dann nicht weiter, wenn der Gegenüber auch kein Bargeld hat – ob in der Taverne oder am geschlossenen Bankschalter. Wer schon genau weiß, wohin er fährt, kann schon vorab erfragen, welche Zahlungsmittel akzeptiert werden. Das ist vor allem für Individualreisende interessant. Pauschalreisende haben das meiste ja ohnehin schon vorab bezahlt.

Wie sieht es denn mit der Streik-Gefahr aus?

Hier wird entscheidend sein, was bei der Abstimmung am kommenden Sonntag rauskommt. Sollte sich die Mehrheit der Griechen für die Fortsetzung der Sparprogramme aussprechen, wird es wohl Neuwahlen geben. Wenn die Griechen der Empfehlung der Tsipras-Regierung folgen und sich gegen weitere Sparmaßnahmen entscheiden, wird es richtig haarig. Dann müssen händeringend andere Lösungen gefunden werden. Hier würde wohl vor allem in Hinblick auf die Spanien-Wahl im Herbst agiert werden.

Im Augenblick wird gegen die Linke-Regierung vonseiten der Gewerkschaften nicht gestreikt werden. Das könnte eher passieren, wenn Griechenland für weitere Sparmaßnahmen stimmt. Aber auch dann ist Frage, ob sich Gewerkschaften gegen den Willen eines Volksentscheides stellen.

Für Mietwagennutzer: Wie sieht es mit der Benzin-Versorgung aus?

Das Problem ist auch hier: Wie wird das bezahlt? Vom Pankstellenpächter? Oder von der Raffinerie? Oder aber auch, ob Streiks eine Auslieferung verhindern. Mietwagennutzer sollten sich an der ersten Tankstelle für den Fall der Fälle einen Reservekanister besorgen.

Kann man beim jetzigen Stand der Dinge von der Reise zurücktreten?

Nein. Es gibt zu Recht keine Reisewarnung und demzufolge haben Urlauber kein Rücktrittsrecht.

Und Ihre persönliche Einschätzung - wie geht es mit Griechenland weiter?

Ich habe trotz meines Griechenlandbesuchs im Mai gerade wenig Gefühl dafür, wie es kommen wird. Für die Touristen können wir leichter die Tricks und Tipps für einen preiswerteren Urlaub bereitstellen. Es kann ein langer und heißer Ritt werden.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de, awi

Mehr zum Thema