Ratgeber

Tenhagens Tipps KV wird für Selbständige bezahlbar

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Hohe Versicherungsbeiträge können abschreckend auf Gründer wirken. Die Hürde liegt künftig sehr viel niedriger.

(Foto: imago/Westend61)

Selbständige müssen bisher mindestens 400 Euro im Monat für die Krankenversicherung kalkulieren. Viel Geld, wenn man wenig verdient. Zum nächsten Jahr wird der Mindestbeitrag deutlich sinken. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, wer davon profitiert.

n-tv.de: In Deutschland gibt es eine Krankenversicherungspflicht. Selbständige können sich gesetzlich oder auch privat versichern. Eine gute Idee?

Hermann-Josef Tenhagen: Die private Krankenversicherung ist auf die Dauer eine kostspielige Geschichte. Mehr Leistung gibt es nicht für weniger Geld. Und vor allem bleiben die Beiträge im Alter hoch, auch wenn die Rente niedrig ist. Das muss man sich leisten können. Wenn man als Selbständiger gerade angefangen hat und nicht so viel Geld verdient, lässt man besser die Finger davon. Und wenn man auf Dauer nicht so viel verdient, dann erst recht.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Dann also lieber freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung?

Bei der GKV richtet sich der Beitrag danach, wie viel Einkommen man hat. Eigentlich ist das für viele die bessere Lösung. Das Problem ist aber bislang, dass die Krankenkasse bei Selbständigen von einem fiktiven Mindesteinkommen von 2284 Euro im Monat ausgeht. Auf dieser Grundlage werden dann die Versicherungsbeiträge errechnet, auch wenn man in Wirklichkeit viel weniger verdient. Da man die als Selbständiger ja komplett selber bezahlt, also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, ist man bei über 400 Euro Monatsbeitrag allein für die Krankenkasse. Und das ist für viele Selbständige eine Menge Geld, gerade wenn sie erst anfangen oder sich mit einem Einpersonenbetrieb über Wasser halten.

Wieso so eine hohe Summe?

Man geht eben davon aus, dass Selbständige mindestens so viel verdienen beziehungsweise langfristig so viel verdienen müssen. Die müssen ja auch noch für die Rente zurücklegen. Und wer am Ende des Monats keine rund 2300 Euro zusammenbekommt, ist als Selbständiger später zur Altersarmut verurteilt. Das war jedenfalls immer die Argumentation. Aber das ist natürlich für viele Selbstständige nicht realistisch.

Das hat auch die Politik eingesehen?

Ja, die Große Koalition hatte schon in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben, dass man das ändern will. Die Argumentation von SPD und Union: Wenn man Leute zum Gründen ermutigen will, muss man die Berechnungsgrundlage senken. Die Koalition hatte zunächst vereinbart, dass die Mindestbemessungsgrenze auf 1142 Euro halbiert werden soll. Im Gesetzgebungsverfahren zum Versichertenentlastungsgesetz hat man dann festgestellt, dass es noch ein paar andere Bemessungsgrenzen für freiwillig Versicherte gibt, die da in der Nähe liegen, zum Beispiel für Rentner und Studenten. Und um nur mit einer Grenze auszukommen, hat man die Linie jetzt bei 1038,33 Euro gezogen. Das erspart den Krankenkassen administrativen Aufwand und bringt für die Versicherten natürlich deutliche Erleichterung. Ab dem ersten Januar 2019 liegt der Mindestbeitrag für Kranken- und Pflegeversicherung dann nur noch bei rund 190 Euro.

Wie gehen Selbständige jetzt vor?

Die bei den Krankenkassen versicherten Selbstständigen müssen eigentlich gar nicht vorgehen. Die Krankenkassen, mit denen wir gesprochen haben, haben uns jedenfalls gesagt, dass die Anpassung automatisch läuft. Wenn man sein Einkommen entsprechend niedriger angegeben hat, sollten die Kassenbeiträge also ab Januar sinken. Als Grundlage wird der Steuerbescheid des letzten Jahres herangezogen. Den muss man als Selbständiger ja ohnehin immer abgeben. Ich würde Selbständigen trotzdem raten, sich nicht darauf zu verlassen, dass die Krankenkasse den Beitrag von sich aus senkt, sondern gleich selber auf sie zugehen.

Und welches Einkommen gibt man an, wenn man sich in Zukunft selbständig macht?

Dann nimmt man erst einmal die Mindestbemessungsgrenze, also die 1038 Euro. Man muss sich aber darauf vorbereiten, dass man nachzahlen muss, wenn das Einkommen dann doch höher ausfällt. Dafür muss man dann rechtzeitig Geld zur Seite legen.

Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass man ein Krankengeld mitversichert. Das muss man als Selbständiger ja nicht. Wenn man auf Krankengeld verzichtet, zahlt man für die Krankenkasse runde 14 Prozent plus Zusatzbeitrag. Mit 14,6 Prozent hat man auch das Krankengeld dabei und bekommt Geld von der Krankenkasse, wenn man länger als sechs Wochen krank ist.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: ntv.de