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Kasse will nicht zahlen Krankengeld auch ohne Attest?

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Erkrankt ein Arbeitnehmer längerfristig, zahlt zunächst der Arbeitgeber den Lohn weiter. Nach sechs Wochen springt dann die Krankenkasse ein. Klar ist, die Arbeitsunfähigkeit muss ärztlich bescheinigt sein. Aber in welcher Form?

Wenn Arbeitnehmer, die gesetzlich versichert sind, längerfristig erkranken, haben sie ab der siebenten Woche Anspruch auf Krankengeld. Zuvor muss der Arbeitgeber den normalen Lohn weiter zahlen. Dabei hängt die Höhe des Krankengeldes vom Einkommen vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ab. Es beläuft sich auf 70 Prozent des Bruttogehaltes, maximal werden aber nur 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens gezahlt.

Dabei beginnt der Anspruch auf Krankengeld von dem Tag an, an dem ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat. Um den Anspruch auf Krankengeld zu erhalten, muss ein Arzt den Arbeitnehmer ohne Unterbrechung erneut krankschreiben. Dies muss spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende der Arbeitsunfähigkeit erfolgen.

Darüber, in welcher Form dies geschehen muss, wurde vor dem Sozialgericht Leipzig gestritten (Az.: S 22 KR 75/16). Hier war eine Frau an einem Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wegen ungünstiger Sprechzeiten des Hausarztes erhielt sie bei diesem erst am folgenden Dienstag einen Termin zur Untersuchung. Der Hausarzt bescheinigte ihr dann rückwirkend ab dem Entlassungstag die Arbeitsunfähigkeit. Die Krankenkasse verweigerte aber eine Krankengeldzahlung der restlichen 74 Wochen mit dem Argument, dass wegen der um einen Tag verspäteten ärztlichen Feststellung die Frau nicht mehr krankengeldberechtigt gewesen sei. 

Das sah das Sozialgericht anders. Demnach besteht auch dann Anspruch auf Krankengeld, wenn dieser nicht förmlich bescheinigt wird. Denn im konkreten Fall hatte bereits während der stationären Behandlung ein Klinikarzt der Krankenkasse formlos mitgeteilt, dass die Patientin für die nächsten fünf Monate arbeitsunfähig sein wird. Laut SG sei es nicht erforderlich, eine förmliche Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit auf einem "Krankenschein" zu attestieren. Vielmehr decke die getroffene formlose Feststellung des Krankenhausarztes die vermeintliche zeitliche Lücke ab.   

Quelle: n-tv.de, awi

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