Ratgeber
Mittwoch, 19. August 2015

Tenhagens Tipps: Lohnt sich die Betriebsrente?

Um den Lebensstandard im Alter zu halten, müssen die meisten Beschäftigten privat vorsorgen. Eine Möglichkeit dazu bietet die betriebliche Altersvorsorge. Welche Modelle es gibt und wann sie sinnvoll ist, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. 

n-tv.de: Wer kann die betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen?

Hermann-Josef Tenhagen: Jeder, der in einem Betrieb beschäftigt ist. Angestellte – auch im öffentlichen Dienst - bekommen eine betriebliche Altersvorsorge, auch Lehrlinge, soweit das Unternehmen das zulässt. Freiberufler und Beschäftigte in Bereichen, wo es berufsständische Versorgungswerke gibt, sind hingegen nicht berechtigt. Dies ist zum Beispiel bei Architekten, Rechtsanwälten und Steuerberatern der Fall.

Kann man damit Steuern sparen?   

Ja, kann man.

Welche Modelle gibt es?

Einmal gibt es das Modell, wo der Chef einfach Geld dazugibt oder die betriebliche Altersvorsorge alleine trägt. Damit kann der Arbeitgeber dem Beschäftigten mehr Gutes tun als mit einer Gehaltserhöhung, weil hier ja Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgehen. Dies ist im Rahmen der genannten Grenzen bei der betrieblichen Altersvorsorge nicht der Fall.

Das Gleiche gilt auch bei der Entgeltumwandlung. Hier wird ein Teil des Bruttolohns in eine Betriebsrente investiert. Dieser Teil muss nicht versteuert werden und es müssen auch keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Das gilt bis zu 242 Euro monatlich, und zwar für die Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen. Es kann also sinnvoll sein, den Chef danach zu fragen, ob er nicht aufgrund dieser Ersparnis bereit ist, zum Beispiel wenigstens 20 Prozent zu dem Vertrag beizusteuern. Schließlich sparen bei einer Entgeltumwandlung in Höhe von 2000 Euro beide Seiten je circa 400 Euro Sozialabgaben.

Welches Modell ergibt Sinn?

Wenn sie der Arbeitgeber alleine trägt oder zumindest Geld dazugibt, lohnt sich die Betriebsrente fast immer. Letztendlich spielen wie bei allen Finanzprodukten die Kosten eine große Rolle. Der Arbeitnehmer kann ja nur den Vertrag annehmen, den ihm sein Arbeitgeber anbietet. Ist dieser sehr teuer, kann es aber unter Umständen mehr Sinn haben, einen Riester-Vertrag abzuschließen oder das Geld "ungefördert" selbst anzulegen, zum Beispiel in einen ETF-Sparplan. Wir werden in den kommenden Wochen einen Vergleich der drei Altersvorsorgevarianten präsentieren.

Im Alter muss ich die Betriebsrente aber versteuern, oder?

In der Tat. Deshalb ist auch die Frage der Grenzsteuersätze, also wann sich die Betriebsrente eher lohnt, zu klären.   Eine "freie" Altersvorsoge ist hier eher attraktiv, wenn sie versicherungsförmig daher kommt. Hier müssen  weniger Steuern gezahlt werden. Die betriebliche Altersvorsorge hingegen muss in Höhe des persönlichen Steuersatzes besteuert werden.

Wer nur wenig gesetzliche Rente bekommt, muss ohnehin nur wenig Steuern zahlen. Insofern fällt eine zusätzliche betriebliche Rente weniger ins Gewicht, als wenn die Renteneinkünfte hoch sind und die steuerliche Belastung durch eine Betriebsrente weiter steigt und die in der Ansparphase erzielten Steuervorteile negiert werden.

Schmälert die Betriebsrente den gesetzlichen Rentenanspruch?

Ja. Weil der Teil, der in die Betriebsrente reingeht, für die Sozialversicherung nicht zur Verfügung steht. Wer im Jahr beispielsweise 2500 Euro in die Betriebsrente einzahlt, erhält später für jedes dieser Jahre ungefähr monatlich drei Euro weniger gesetzliche Rente.

Ist die Betriebsrente Hartz-IV-sicher?

Ja.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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