Ratgeber

Ratenkredite im Test Mehr Schein als Sein beim Geldleihen

imago60983472h.jpg

Die absoluten Top-Konditionen erhalten nur die wenigsten.

(Foto: imago/avanti)

Die Botschaft der Werbung ist klar. Wer einen Kredit zu günstigen Zinsen aufnimmt, wird allein durchs Schuldenmachen glücklich. Mit der Realität hat dies leider wenig zu tun. Denn die beworbenen Spitzenzinsen gibt es erstens nicht für jedermann – und zweitens nicht für jede Summe, wie ein Test zeigt.

Seriöse Vergleiche bei Ratenkrediten sind in den vergangenen Jahren komplizierter geworden, denn Banken gehen zunehmend dazu über, ihre Angebote auf die Kunden beziehungsweise deren Bonität zuzuschneiden. Grob vereinfacht bedeutet das: Die absoluten Top-Konditionen erhalten oft nur jene, die gar keinen Ratenkredit brauchen, um sich ein Auto, eine neue Küche oder einen Urlaub zu finanzieren.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die meisten Verbraucher, die sich um einen Ratenkredit bewerben, müssen mit den Zinsen für eine gute Bonität oder mit durchschnittlichen Zinsangeboten auskommen. Wer einen realistischen Zinsvergleich anstellen will, muss daher auch die Angebote in dieser Gruppe unter die Lupe nehmen. Das hat FMH-Finanzberatung im Auftrag von ntv getan und gegenübergestellt, was die Banken Premiumkunden mit bester Bonität an Zinsen abnehmen - und welche Konditionen zwei Drittel der Kunden, also der Otto-Normalverbraucher erwarten kann.

Extreme Unterschiede

Die Auswertung der Frankfurter Experten zeigt zunächst eine große Spanne zwischen den Zinsen bei bester Bonität und jenen Konditionen, die zwei Drittel der Kunden (nach Angaben der Banken) tatsächlich bekommen.

Beim Spitzenreiter, der Deutschen Skatbank, zahlen die Premiumkunden im Mittel 0,97 Prozent, der Durchschnittskunde hingegen 2,43 Prozent. Beide Werte sind im Vergleich zum restlichen Feld mit "sehr gut" zu bewerten. Die Bank of Scotland bietet für die beste Bonität ebenfalls sehr gute Konditionen an (1,48 Prozent). Die Zinsen für die Mehrheit der Kunden allerdings verdienen nur noch das Prädikat gut: Sie liegen bei 3,47 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied bei der Ikano Bank: Sie belegt im Premium-Segment den dritten Platz (1,49 Prozent). Otto Normalverbraucher hingegen zahlt hier für einen Ratenkredit stolze 4,49 Prozent - der schlechteste Wert im Vergleich.

Ein Sonderfall ist die BBBank. Sie bietet offiziell zwar bonitätsabhängige Zinsen an, im Ergebnis bekommen aber doch alle Kunden dieselben Konditionen. Das bewirkt, dass die BBBank im Segment Zwei-Drittel- Zins den zweiten Platz belegt, dieselben 2,99 Prozent bei "bester Bonität" aber nur für Platz 22 reicht.

Wenig Transparenz

Ärgerlich an der Praxis der Banken ist: Obwohl alle Institute einen Bonitätscheck bei ihren Kunden durchführen, bleibt vielfach offen, was einen Kunden von der "guten" in die "beste" Gruppe befördert. Ein hohes Einkommen allein ist jedenfalls nicht entscheidend, auch andere Kriterien spielen eine Rolle. Welche das sind, halten die Banken aber geheim, damit Kunden die Einordnung nicht steuern können, erläutern die Experten von FMH.

Für alle, die sich für einen bonitätsabhängigen Kredit interessieren, bleibt daher nur der Trost: Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung ist relativ gering. Allerdings kann der Kredit dann ausgesprochen teuer werden: Die Zinsen können bei schlechter Bonität auf bis zu 12,59 Prozent steigen.

Wer den besten Zins für die eigene Bonität finden will und auf realistische Werte aus ist, kann den Vergleichsrechner bei ntv.de nutzen. Hier schätzen Kunden ihre Bonität selbst ein und erhalten dann die Zinsen, die die Banken auch wirklich gewähren würden.

Quelle: ntv.de, awi

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.