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Besonders in Berlin wird die Wohnfläche oftmals falsch berechnet.
Besonders in Berlin wird die Wohnfläche oftmals falsch berechnet.(Foto: imago/STPP)
Freitag, 16. Februar 2018

Wohnfläche falsch berechnet: Mieter zahlen zu viel für den Balkon

So ein Balkon ist eine schöne Sache. Doof nur, wenn Vermieter für den Ausguck zu viel verlangen. Denn viele Privatvermieter insbesondere in Berlin wenden die entsprechende Verordnung falsch an. Zu Ungunsten der Mieter.

Darüber, welche Räume und Flächen bei Mietwohnungen zur Wohnfläche zählen, wird oft und gerne gestritten.

Grundsätzlich gilt: Alle Räume, die ausschließlich zur Wohnung gehören, finden Berücksichtigung. Dazu zählen sämtliche Zimmern sowie Küche und Bad. Nicht in die Berechnung einfließen dürfen Zubehörräume. Das sind beispielsweise Abstellkammern, Bodenräume, Dachböden oder Kellerräume.

Inwieweit Balkone, Terassen und Wintergärten bei der Wohnflächenberechnung Berücksichtigung finden, hängt maßgeblich davon ab, wann der Mietvertrag abgeschlossen wurde. Die "II. Berechnungsverordnung" gilt, wenn der Mietvertrag vor dem 1. Januar 2004 abgeschlossen wurde. Die Wohnflächenverordnung wird bei Vertragsabschlüssen ab dem 1. Januar 2004 zu Grunde gelegt.

Falsche Berechnung in Berlin verbreitet

Bei letzterer werden Balkone, Terassen und Wintergärten in der Regel mit einem Viertel ihrer Fläche berücksichtigt. Zu 50 Prozent ist dies nur der Fall, wenn die entsprechenden Flächen einen hohen Wohnwert haben. Vor 2004 konnten Balkone und Terassen hingegen mit der Hälfte ihrer Fläche berücksichtigt werden.

Ein Urteil des Landgerichts Berlin (Az.: 18 S 308/13) zeigt, dass vor allem viele Privatvermieter die Wohnflächenverordnung falsch anwenden. In dem verhandelten Fall begehrte der Vermieter einer Mieterhöhung um 64,60 Euro auf 507,60 Euro zuzustimmen, dem wollte der Mieter aber nicht nachkommen. 

Im Mietvertrag war eine Wohnfläche von 94,48 m² angegeben. Diese wurde vom Bewohner aber angezweifelt. Tatsächlich stellte sich durch mehrere Sachverständigengutachten heraus, dass die tatsächliche Wohnfläche nur 84,01 m² betrug. Entgegen einer weit verbreiteten Praxis von Privatvermietern in Berlin sei die Fläche der für diese Wohnung nutzbaren zwei Balkone lediglich mit einem Viertel hinzuzurechnen, da keine Anhaltspunkte für eine abweichende Berechnung vorlägen. Das Landgericht Berlin verurteilte den Mieter deshalb lediglich dazu einer Mieterhöhung auf 451,36 Euro zuzustimmen. 

Grundsätzlich sind Mieter zu einer Mietminderung berechtigt, wenn die Wohnung um über zehn Prozent kleiner als im Mietvertrag angegeben ist, wie der Bundesgerichtshof in früheren Urteilen entschieden hat (Az.: VIII ZR 295/03 sowie VIII ZR 133/03).

Quelle: n-tv.de