Ratgeber
Mittwoch, 09. Dezember 2015

Tenhagens Tipps: Muss der Sparer sich jetzt fürchten?

Es gilt und galt, immer die besten Angebote anzunehmen.
Es gilt und galt, immer die besten Angebote anzunehmen.(Foto: imago/blickwinkel)

Strafzinsen für Banken, Nullzinsen für Verbraucher und milliardenschwere Anleihen-Kaufprogramme: Die EZB tut alles, um der Inflation Beine zu machen. Für Sparer hat dies Folgen. Ob diese sich jetzt sorgen müssen, und wie sie auf die Geldflut reagieren sollten, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: Kommen jetzt negative Zinsen auch für Sparer?

Das sehe ich nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Selbst wenn die kämen, müsste sich das ja kein Sparer gefallen lassen. Es gibt noch Tagesgeldangebote, wo man mehr als 1 Prozent Zinsen bekommt. Für gutes Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit gibt es 1,5 Prozent und bei drei Jahren 1,7 Prozent. Wer sich mit Zinsen von 0,01 oder 0,05 Prozent abspeisen lässt, ist selbst schuld. Bei mehr als 2000 Milliarden Euro auf Giro- und Sparkonten gehen den Sparern in Deutschland so gerechnet schnell 20 Milliarden Euro Zinsen im Jahr verloren.

Wer überlegt, in Festgeld zu investieren, sollte sich jetzt noch die vergleichsweise guten Angebote sichern. Denn es ist nicht auszuschließen, dass sich nach dem EZB-Entscheid die Konditionen verschlechtern.

Wie lange bleiben die Zinsen noch im Keller?

Vorläufig. Was dann wohl mindestens die nächsten zwei bis drei Jahre bedeutet.

Wo gibt es denn die besten Angebote?

Die gibt es für Festgeld derzeit bei der CA Consumer Finance - hier gibt es für zwei Jahre 1,5 Prozent und  für drei Jahre 1,7 Prozent Zinsen für das Festgeld. NIBC Direct und die Garantiebank zahlen beide für zwei Jahre 1,4 Prozent. Alle Banken sind in Hinblick auf die Einlagensicherung risikolos. Beim Tagesgeld punkten VW- und Audi Bank mit 1,25 Prozent Zinsen für die ersten vier Monate.

Wie sollte man sein Erspartes in der derzeitigen Niedrigzinsphase generell anlegen?

Das Wichtigste ist zunächst, das Geld von Konten runterzuholen, wo es nur 0,10 Prozent Zinsen bekommt. Für langfristige Investitionen sollte aber dann doch mal über Aktien in Form von international anlegenden Indexfonds oder eine Anlage in Immobilien nachgedacht werden. Bei Letzterem muss ob des drastischen Preisanstiegs der letzten Jahre natürlich schon etwas genauer hingeschaut werden.   

Wie weiß man, ob Aktien nicht zu teuer sind?

Bei einer Anlagedauer von 10, 15 oder 20 Jahren ist der Einstiegszeitpunkt nicht so wichtig - Verluste sind hier nahezu ausgeschlossen. Natürlich kann man aber auch seine Investition aufteilen und zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten kaufen. So hätte man in den vergangenen zwölf Monaten zum Dax-Stand von 10.000, 11.000 und 12.000 Punkten kaufen können.

Darüber hinaus bieten hier Kennzahlen eine Orientierung, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dieses gibt an, wie hoch der Aktienkurs im Vergleich zum Unternehmensgewinn pro Aktie ist. Der KGV kann dann mit dem jeweiligen langjährigen Durchschnitt der Anlage verglichen werden.

Ein anderer - und etwas differenzierter - Indikator ist der Shiller-KGV . Hier wird beim Gewinn pro Aktie nicht nur das laufende Jahr, sondern der Durchschnitt der Gewinne der zurückliegenden zehn Jahre zugrunde gelegt. Diese Methode macht den Indikator weniger anfällig für kurzzeitige Ausschläge und war in der Vergangenheit für langfristige Investoren von großem Nutzen.

Kommt am Ende doch noch die Inflation und damit verbunden die Negativ-Zinsen?

Negativ-Zinsen gab es ja schon häufig. Wenn man in den letzten zehn Jahren ein durchschnittlich verzinstes Tagesgeldkonto hatte, gab es mehr Phasen, wo es - in Relation zur Inflation - ein negatives Szenario für die Vermögensentwicklung gab als positive. Es gilt und galt deshalb, immer die besten Angebote anzunehmen. Ansonsten verschenkt man Jahr für Jahr Geld und schmälert sein Vermögen, egal wo der Leitzins steht.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de