Ratgeber

Dem Zinstief trotzen So profitiert das Ersparte vom Auslandsjahr

Andere Länder, andere Sitten: Das gilt auch für die Geldanlage. Wer seine Ersparnisse für eine Weile ins Ausland schickt, kann davon durchaus profitieren – und dennoch flexibel bleiben.

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen. Foto: Daniel Reinhardt

Festgelder werden generell etwas höher verzinst als die meisten Tagesgeldangebote.

(Foto: dpa)

Mögen Experten sie noch so sehr schelten: Die Deutschen sind in Sachen Geldanlage vergleichsweise konservativ. Statt auf Fonds und Aktien setzten viele lieber auf renditeschwächere, aber sichere Produkte.

Besonders beliebt sind nach wie vor Tagesgeldkonten. Sie werfen zum Teil zwar nur noch 0,05 Prozent Zinsen ab, haben aber einen unbestreitbaren Vorteil: Kunden kommen jederzeit an ihre Ersparnisse, können auf unvorhersehbare Belastungen schnell reagieren –  oder ihr Geld anderswo anlegen, wenn die Zinsen doch wieder steigen sollten.

Das ist bei Festgeldkonten oder Sparbriefen nicht möglich. Hier haben Kunden für die festgelegte Laufzeit keinen Zugriff auf ihr Erspartes. Dafür ist der Zinssatz etwas höher. Auch bei der Absicherung und Handhabung besteht zwischen den beiden Produkten kein Unterschied. Beide sind in Deutschland über den Einlagensicherungsfonds abgesichert und enthalten keine nachrangige Beteiligung an einer Sparkasse. Wegen dieser Übereinstimmungen firmieren sowohl Sparbriefe als Festgeldkonten bei der FMH unter dem Oberbegriff der langfristigen Festgeldanlagen.

Jede Kommastelle zählt

Festgelder werden generell etwas höher verzinst als die meisten Tagesgeldangebote. Um spürbare Effekte zu erzielen, sollten Interessenten allerdings einen Anlagezeitraum von etwa drei Jahren in Betracht ziehen, denn es ist recht unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden beiden Jahren die Leitzinsen erhöhen wird.  

Deutsche Standards in Sachen Einlagensicherung gibt es aber nicht überall. Überwiegend müssen sich Kunden selbst bei guten Anbietern mit der gesetzlichen EU-weiten Einlagensicherung bescheiden. Sie garantiert 100.000 Euro pro Bank und Anleger. Bei fast allen deutschen Geldinstituten gibt es noch eine zusätzliche Absicherung in Millionenhöhe. Ein Festgeld für drei Jahre gibt es zu diesen Konditionen derzeit zu einem Zinssatz von 1,35 Prozent. Wer auch den europäischen Nachbarländern vertraut, kann mehr herausholen – etwa, indem er sein Geld über einen Vermittler nach  Portugal oder Malta schafft.  Bei einem Anlagebetrag von 50.000 Euro macht das (gerechnet auf die besagten drei Jahre) immerhin einen Zinsunterschied von 1150 Euro. Bei den FMH-Vergleichen kann man die Vermittlerangebote per Klick auch ausblenden.

Die neue Lust am Kombinieren

Um die Vorteile beider Produkte zu verbinden (und das eigene Geschäft zu stärken), entwickeln etliche Anbieter inzwischen eine beeindruckende Kreativität – und verknüpfen Fest- und Tagesgeld. Auch die NIBC Direkt und die IKB haben ein solches Kombigeldangebot im Programm. Bei der IKB gibt es (inklusive deutscher Einlagensicherung) 0,85 Prozent für 3 Jahre und bei der Holländischen NIBC sogar 1,25 Prozent. In beiden Fällen bekommt der Kunde weniger Zinsen als sonst beim Festgeld – aber dafür mehr Flexibilität: Kunden können sowohl bei der IKB als auch bei der NIBC Direkt jeweils die Hälfte des Anlagebetrages vorzeitig vom Konto abheben – an der Verzinsung fürs Festgeld ändert sich nichts

Noch flexibler sind die Angebote der pbbdirekt (deutsche Einlagensicherung) und der VTB Direktbank (österreichische Einlagensicherung). Dort kann man 20 Prozent des Anlagebetrages wie bei einem Tagesgeldkonto nutzen, also abheben und einzahlen. Der Zinssatz für 3 Jahre liegt bei 1,20 beziehungsweise 1,15 Prozent. Wer also dort 50.000 Euro anlegt, bekommt einen guten Festgeldzins und einen sehr guten Tagesgeldzins für 10.000 Euro mit garantiert hohen Zinsen für die nächsten Jahre. Wir finden: ein sehr kundenfreundliches und attraktives Angebot.

Flexible Lösungen – überschaubares Risiko

Auch europäische Banken, die nur über Vermittler kontaktiert werden können, lassen sich etwas einfallen –  und locken deutsche Anleger neben hohen Zinsen auch noch mit besonderen Leistungen

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Bei einige Bank-Partner von weltsparen.de (Fibank, Banca Sistema, Novo Banca) können Kunden zum Beispiel jederzeit ihr Festgeldkonto auflösen. Allerdings müssen sie dafür auf die ursprünglich vereinbarten Zinsen verzichten. Das klingt erst einmal hart. Wenn man aber bedenkt, dass die meisten deutschen Banken beim Festgeld für drei Jahre auch nur Zinsen von 0,2 bis 0,01 Prozent zahlen, ist der Strafzins von null Prozent zu verschmerzen. Wer 50.000 Euro für drei Jahre anlegt und dann vorzeitig aussteigt, verliert bei der Fibank zwar stolze 2850 Euro. Wenn man aber die Gegenrechnung mit einem Sparkassenangebot zu 0,01 Prozent macht, liegt das Minus bei gerade einmal 15 Euro. Einen Versuch ist die Auslandstranskation also allemal wert.

Die polnische Alior Bank und die kroatischen Podravska Bank (beides Anbieter von weltsparen.de) zahlen bei der vorzeitigen Vertragsauflösung nach einem Jahr sogar noch ein Prozent Zinsen aus –  statt der ursprünglichen 1,5 beziehungsweise 1,70 Prozent bei der Alior Bank. Selbst der Strafzins für eine vorzeitige Kontoauflösung ist also noch besser als das, was man bei deutschen Banken gemeinhin erhält.  Der Mittelwert laut FMH-Festgelddatenbank liegt bei 0,82 Prozent, da ist ein Prozent eine gute Verzinsung.

Fazit: Flexible Festgeldangebote erleichtern zinsbewussten Sparern die Geldanlage im europäischen Ausland. Wer die besseren Zinssätze außerhalb Deutschland nutzt, profitiert von der gesetzlichen Einlagensicherung, die 100.000 Euro Sparsumme pro Bank abdeckt. Die Absicherung erfolgt aber nicht über ein deutsches System und ohne den deutschen Staat im Rücken, sondern "nur" nach EU-Standards. Alle Anlagen werden in Euro angelegt. Im Insolvenzfall besteht bei nicht Euro-Staaten ein kurzfristiges Währungsrisiko, weil die Beträge in diesem Fall in der Landeswährung zurückgezahlt werden. Diese vorzeitige Verfügbarkeit der Geldanlagen soll auch die Geldanlagen in den europäischen Nachbarländern über Vermittler erleichtern.

Quelle: ntv.de