Ratgeber
Freitag, 06. November 2015

Mit allen Sinnen: So verführen Supermärkte

Von Axel Witte

Spätestens beim Bezahlen wird klar, dass wieder viel mehr im Einkaufswagen gelandet ist, als eigentlich vorgesehen war. Mit welchen Tricks es den Einkaufstempeln gelingt, die guten Vorsätze für mehr Sparsamkeit zu brechen, wird hier verraten.

Die angebotenen Waren im Supermarkt sehen meist mehr als appetitlich aus.
Die angebotenen Waren im Supermarkt sehen meist mehr als appetitlich aus.(Foto: imago/Westend61)

Das Leben ist voller Versuchungen. Bisweilen wird aber etwas nachgeholfen, um die Nachfrage künstlich zu erhöhen. Vor allem, wenn es darum geht, Geld gegen Waren einzutauschen, wird manipuliert, suggeriert und verführt, was das Zeug hält. Das funktioniert zum einen über gezielte Werbung für einzelne Produkte, zum anderen aber auch dadurch, dass die entsprechenden Läden die Ware ansprechend präsentieren. Besonders erfolgreich sind hier die Supermärkte. Dadurch, dass sie zumeist Grundnahrungsmittel verkaufen, ist ihnen eine breite Zielgruppe sicher. Nun gilt es, diese dazu zu bringen, mehr einzukaufen, als sie eigentlich wollten.

Und so werden die Kunden in Versuchung geführt:

Eingang

Hier geht es schon los: In die meisten Supermärkte führt eine Tür hinein und eine andere wieder hinaus. Zudem verhindert oft eine Sperre, dass Kunden, die es sich anders überlegt haben und das Geschäft gleich wieder verlassen möchten, dies auf denselbem, kurzen Weg tun können. Stattdessen müssen sie durch den Laden, vorbei an verlockenden Waren, um zum Ausgang zu gelangen.

Männer

Ruinieren den Umsatz des Supermarktes. Zumindest dann, wenn sie gemeinsam mit einer Frau einkaufen. Laut einer Studie bleiben Frauen in männlicher Begleitung nur halb so lange im Laden und kaufen demzufolge auch nur die Hälfte, als wenn sie ohne männliche Begleitung unterwegs sind. Da liegt es nahe, sich der Männer gleich im Eingangsbereich zu entledigen. Dies wird nicht durch rohe Gewalt erreicht, sondern durch Verkaufsstände. Hier können die lästigen Konsumverweigerer bei preiswerten Bockwürste oder Brezeln geparkt werden.

Einkaufswagen

Diese sind meist größer als notwendig. Was zur Folge hat, dass der Kunde das tatsächliche Ausmaß des Einkaufs nicht ohne Weiteres erfasst.

Fläche

Auch die Märkte selbst sind meist sehr großzügig bemessen. Denn ist der Laden zu klein, wirkt er vollgestopft und unübersichtlich. Dadurch animiert er weniger zum Kauf. Zudem muss der Kunde in einem großen Geschäft weitere Strecken zurücklegen und verbleibt dadurch länger – Zeit, in der potenziell mehr eingekauft werden kann.

Düfte

Im vorderen Bereich des Geschäftes finden sich oft Backwaren. Der Geruch von frischgebackenen Brötchen macht Appetit auf mehr und sorgt ebenfalls für vollere Einkaufswagen.

Wege

An den Außenwänden geht es meist links entlang. Denn als Rechtshänder schieben Kunden den Einkaufswagen lieber links um die Kurve. Auch können sie so mit der rechten Hand schneller nach den angebotenen Verlockungen greifen.

Angebote werden meist in die Marktmitte präsentiert, um die Kunden quer durch den Laden zu locken. Günstige Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Zucker werden hingegen geradezu versteckt. Der Kunde soll bei der Suche nach ihnen zu möglichst vielen Regalen mit Produkten mit höherer Gewinnmarge gelotst werden. Besonders Hunger und Müdigkeit lassen Kunden hier dann ungeplant zugreifen.

Bückzone

Wurde das gesuchte Mehl oder der Zucker trotz aller Widrigkeiten entdeckt, muss sich der Kunde meist bücken, um die Produkte zu erreichen. In der Sichtzone – und deutlich weniger umständlich zu ergattern - finden sich regelmäßig solche Waren, die einen deutlich höheren Gewinn für den Verkäufer einbringen.

Aufgestapelte Ware

Was in solchen Mengen angeboten wird, muss preiswert sein. Dem Kunden werden so Waren, die zum regulären Preis angeboten werden, als Schnäppchen suggeriert. Meist zu Unrecht. Noch dazu werden solche Barrikaden mitten im Weg platziert, um den Kunden bewusst auszubremsen und ihn so ungeachtet seines Einkaufszettels zu weiteren Käufen anzuregen.

Obst- und Gemüseabteilung

Sie kommt mittlerweile wie ein kleiner Wochenmarkt daher. Die Marktatmosphäre soll ein frisches und regionales Produktangebot suggerieren. Zudem bremst in manchen Geschäften ein leicht unebener Fußbodenbelag den Einkaufswagen und vermittelt so die Ursprünglichkeit eines Dorfplatzes.

Beleuchtung

Mit dem richtigen Licht, wirkt die feilgebotene Ware gleich viel appetitlicher und frischer. So wird Fleisch zumeist rot beleuchtet, Fisch blau und Käse gelb.

Temperatur

Die optimale Wohlfühltemperatur im Supermarkt beträgt 19 bis 20 Grad. Ist es kühler oder wärmer, verlässt der Kunde erwiesenermaßen schneller das Geschäft.

Musik

Sanft und entspannend muss sie sein, um den Kunden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen – dies lädt zum Verweilen ein. Was in aller Regel wieder dazu führt, dass mehr Geld ausgegeben wird, als ursprünglich beabsichtigt.

Zeitschriften

Kurz vor den Kassen befinden sich oftmals Regale mit Zeitungen und Zeitschriften. Hier kann der Kunde, nachdem der Einkauf nahezu erledigt ist, noch in dem einen oder anderen Printerzeugnis blättern und dieses bei Gefallen auch in den mittlerweile zumeist gut gefüllten Einkaufswagen flattern lassen.

An der Kasse

Kurz vorm Ziel wird es nochmal eng. Der Kunde sehnt das Ende des Einkaufs entgegen, muss aber an der Kasse meist warten. Für Kinder sind im Kassenbereich auf Sichthöhe Süßwaren präsentiert. Wegen des penetranten Nachfrageverhaltens der Kleinen werden die Süßigkeiten nicht ganz zu Unrecht als Quengelwaren bezeichnet. Aber auch gegen die Langeweile der Erwachsenen wird an dieser Stelle etwas getan: in Form von Batterien, Rasierern, Kaugummis und Speichersticks.

Zu guter Letzt wird der Kunde beim Bezahlen noch gefragt, ob er Treuepunkte sammelt. Genau wie bei Payback-Karten wird damit versucht, den Käufer zum Viel-Käufer zu machen und an den Supermarkt zu binden.

Quelle: n-tv.de

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