Ratgeber

Es darf gelacht werden Tipps für Humor im Arbeitsalltag

imago0094463444h.jpg

Es lohnt sich, Humor in Ihrem Arbeitsalltag zu kultivieren.

(Foto: imago images/Westend61)

Wird gelacht, fühlen sich die meisten Menschen wohl. Humor wirkt erfrischend und erleichtert den Umgang mit kleinen und großen Krisen - im Privaten, wie im Job. Doch Lachen im Berufsleben hat nicht nur positive Effekte, sondern auch einige Fallstricke.

Lachen ist eine spontane Reaktion. Es wirkt entkrampfend und befreiend, fördert Kreativität, geistige Flexibilität und nicht zuletzt die Gesundheit. Ein herzhaftes Lachen baut Stresshormone ab, senkt den Blutdruck und stärkt das Immunsystem. Humor hält Sie also gesund und ist zudem ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor im Berufsleben.

Dem Arbeitsalltag mit Humor zu begegnen, kann Spannungen lösen, Krisen die Schärfe nehmen und in festgefahrenen Situationen neue Lösungswege eröffnen. Humor ermöglicht uns, einen Schritt zurückzutreten und durch diesen Perspektivwechsel Probleme gelassener zu sehen. Gemeinsames Lachen verbessert die Motivation und steigert die Produktivität im Arbeitsteam - denn Lachen verbindet. Und beim Herumalbern mit Kollegen ist schon so manche gute Idee geboren worden.

Portrait Norbert Rohleder.jpg

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Treffen Sie auf neue Kollegen oder Geschäftspartner, kann klug eingesetzter Humor das Eis brechen und im anschließenden Meeting womöglich sogar die seriöse Verständigung über schwierige Themen erleichtern.

Wenn Sie Kritik mit einem (echten) Lächeln begegnen, wirken Sie souverän. Und souveränen Mitarbeitern werden oftmals mehr Verantwortung und weitergehende Kompetenzen zugetraut. Ein positives Betriebsklima wird vor allem jenen Kollegen zugeschrieben, die mit passenden Scherzen aktiv zu einer entspannten Arbeitsatmosphäre beitragen. Solche Kollegen sind beliebt und (fast) jeder schätzt ihre Gesellschaft.

Es lohnt sich also, Humor in Ihrem Arbeitsalltag zu kultivieren: Er kostet nichts und kann allerhand Gutes bewirken.

Das heißt nicht, dass Sie nun täglich am Arbeitsplatz ein Gag-Feuerwerk zünden sollten. So spontan unterhaltsamer Humor auch erscheint, so sollten Sie ihn doch mit Bedacht einsetzen und eine gewisse Vorsicht walten lassen, um nicht Gefahr zu laufen, als "Betriebsclown" berufliche Chancen zu verspielen.

Die folgenden vier Säulen beleuchten Aspekte, um Humor in Ihrem Berufsalltag zu integrieren:

1. Der Inhalt

Intelligenter Humor passt zu Publikum und Kontext: Versteht Ihr Publikum Ihre Witze? Gerade "Insiderwitze" stoßen bei fachfremden Menschen im besten Fall auf höfliches Interesse. Empfinden die Anwesenden in der jeweiligen Situation Humor als angebracht? Nicht jeder freut sich über lustige Kommentare während einer Projektpräsentation. Wie viel Albernheit lassen die zu verhandelnde Sache oder die aktuelle Situation zu? Treten Sie mit Ihren Scherzen jemandem zu nahe? Spot über andere - ob anwesend oder nicht - ist provokativ und kann verletzen. Diese aggressive Spielart des Humors wollen Sie selbst auch nicht über sich ergehen lassen, also ersparen Sie sie auch Ihren Mitmenschen. Gleiches gilt für sexistische, rassistische oder sonstige diskriminierende Sprüche. Diese Art "Humor" auf Kosten anderer vergiftet die Atmosphäre. Werden solche vermeintlichen Gags von Kollegen, vielleicht sogar Ihrem Vorgesetzten geäußert, gilt: Lassen Sie sich lieber als humorlose Spaßbremse titulieren, als hier in pflichtbewusstes Mitlachen einzustimmen, nur weil der Status des Witze-Reißers dies scheinbar verlangt! Bedenken Sie stets: Gemeinsam lachen, verbindet, über andere lachen, grenzt aus!

2. Der Stil

Die Arbeitsatmosphäre im Team mit Humor zu würzen, bedeutet nicht, regelmäßig beliebig gesammelte Witze zum Besten zu geben. Finden Sie heraus, welche Art Humor Ihnen selbst am meisten zusagt. Beobachten Sie Menschen, die Sie zum Lachen bringen. Lesen Sie humoristische Texte und erkunden Sie, wie dort Witz erzeugt wird. Über welche Gags lachen Sie bei Ihrem Lieblings-Comedian? Welche Witze provozieren bei Ihnen allenfalls ein Gähnen? Auch Schlagfertigkeit lässt sich üben - je mehr Sie lesen, hören und sehen, desto leichter wird es Ihnen fallen, selbst witzige Kommentare und Erwiderungen zum Besten zu geben. Und Sie dürfen auch hin und wieder eine Pointe mopsen und zu geeigneter Zeit selbst anbringen.

Entwickeln Sie einen authentischen, ehrlichen und individuellen Stil! Versetzen Sie sich in die Adressaten Ihres Humors und beobachten Sie, was gut ankommt. Gehen Sie subtil vor und probieren Sie zu gegebener Zeit einfach etwas anderes, wenn eine bestimmte Spaßofferte ins Leere läuft.

3. Das Timing

Nicht zu jeder Zeit ist Humor angebracht. Zunächst sind informelle Situationen am besten geeignet, um unverfänglichen Spaß zu verbreiten - Ihr Gegenüber kann ebenfalls mit einem Scherz reagieren, ohne gleich über etwaige Konsequenzen nachdenken zu müssen. Bei formelleren Anlässen mit ernsthaften Themen, wie zum Beispiel Meetings oder Gehaltsverhandlungen, sollten Sie nur dann Witze machen, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Humor von den Anwesenden geschätzt wird und Sie das Setting zutreffend bewerten. Es lässt sich niemals gänzlich ausschließen, dass Sie mit einer gut gemeinten Witzelei in einen Fettnapf treten. Entwickeln Sie also Empathie für die Situation und Ihre Zuhörer, um dieses Risiko zu minimieren!

4. Die Dosis

Ein inflationärer Gebrauch lustiger Stellungnahmen lässt die positiven Effekte von Humor rasch verpuffen. Hier zählt der Kontrast: Eine einzige überlegt platzierte spaßige Bemerkung ist in angespannten Situationen wirkungsvoller als der zigste flotte Spruch eines notorischen Scherzkekses, der auf Dauer allen auf die Nerven geht und nicht mehr ernst genommen wird. Gleiches gilt für den Arbeitsalltag: Auch hier kann zu viel des Guten ins Gegenteil umschlagen. Beobachten Sie deshalb Ihre Kollegen und achten Sie auf Anzeichen von Überdruss und Ablehnung.

Fazit

Begreifen Sie Humor als eine individuelle, persönliche Ressource, mit deren Hilfe sich Rückschläge leichter verarbeiten und Schwierigkeiten schneller überwinden lassen. Zudem macht Lachen Sie stressresistenter, belastbarer und letztlich produktiver. Doch hüten Sie sich vor Witzen auf Kosten anderer. Pflegen Sie stattdessen eine gute Portion Selbstironie - ziehen Sie auch hin und wieder eigene Fehler oder Unzulänglichkeiten durch den Kakao. Vermeiden Sie zynische oder sarkastische Kommentare - zwar mögen sie Ihnen kurzfristig Erleichterung verschaffen, Ihre Kollegen und Vorgesetzten werden Sie aber eher als krittelnde Nörgelei in Erinnerung behalten.

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Quelle: ntv.de