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Zwei Promille gegen den Schock Trinken nach dem Unfall? Keine gute Idee

Die Ausrede ist beliebt: Nach einem Unfall oder wegen auffälliger Fahrweise wird wegen einer Alkoholfahrt ermittelt. Nicht selten wird dann behauptet, erst nach dem Fahren zur Beruhigung zur Flasche gegriffen zu haben. Meistens mit wenig Erfolg.

Wenn etwa nach einem Unfall polizeiliche Ermittlungen zu erwarten sind, muss der Fahrer auch nach der Autofahrt die Finger von der Alkoholflasche lassen. Foto: Uli Deck

Wenn etwa nach einem Unfall polizeiliche Ermittlungen zu erwarten sind, muss der Fahrer auch nach der Autofahrt die Finger von der Alkoholflasche lassen.

(Foto: dpa)

Alkoholisiert sollte sich niemand ans Steuer setzen. Wer es dennoch tut, kann froh sein, wenn er unfallfrei an den Bestimmungsort gelangt. Trinker mit weniger Glück, die in einen Unfall verwickelt wurden, sich aber nicht an Ort und Stelle verantworten müssen, behaupten später nicht selten, sie hätten erst nach dem Unfall zur Beruhigung zur Flasche gegriffen. Eine Ausrede, die allerdings selten trägt. Zumindest dann, wenn zeitnah wegen einer Alkoholfahrt ermittelt wird.

Mit solchen Fällen befasste Gerichte gehen zumeist von einer Schutzbehauptung aus, mit dem Ziel, dass der Verdächtige die Ermittlung seiner Blutalkoholkonzentration zum Unfallzeitpunkt erschweren will. 

So beispielsweise in einem Fall, als ein Mann nachts gegen einen abgestellten Anhänger gefahren war. Er verließ den Unfallort, ohne seine Personalien zu hinterlassen und verständigte erst von zu Hause aus die Polizei. Die daraufhin in der selben Nacht veranlasste Blutentnahme ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,84 Promille. Die Rückrechnung in Bezug auf die zum Fahrzeitpunkt bestehende Fahruntüchtigkeit ergab einen Wert von über 2 Promille zum Tatzeitpunkt.

Der Unfallfahrer behauptete allerdings einen sogenannten Nachtrunk. So berichtete er, dass er wegen Mundtrockenheit und aus Verwirrung zwei Flaschen Bier und zwei Schnäpse nach dem Unfall getrunken haben will. Die Versicherung wollte dennoch nicht zahlen - darauf klagte er.

Allerdings ohne Erfolg. Für das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az.: 3 U 66/13) hatte der Mann den Unfall unter erheblichem Alkoholeinfluss verursacht. Vor diesem Hintergrund müsse die Versicherung nicht zahlen. Zudem lägen zwei Obliegenheitsverletzungen vor. Zum einen habe sich der Mann unerlaubt vom Unfallort entfernt und somit Fahrerflucht begangen. Zum anderen sei auch der behauptete Nachtrunk eine Pflichtverletzung, da polizeiliche Ermittlungen zu erwarten gewesen seien, nachdem er die Polizei selbst verständigt hatte, so das Gericht. 

Quelle: n-tv.de, awi

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