Ratgeber

"Energy sucker" Umgang mit Nörglern am Arbeitsplatz

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Notorischen Pessimisten und Quengler belasten - oft das gesamte Team.

(Foto: imago/Ikon Images)

Wer kennt sie nicht, die ewigen Bedenkenträger, notorischen Besserwisser und Kleinkrämer, die über alles und jeden meckern und jede Idee als undurchführbar ablehnen. Wie es gelingt, diesen Energieräubern entgegenzutreten, zeigen die folgenden sechs Punkte.

Im Berufsleben mit einem notorischen Nörgler konfrontiert zu sein, ist anstrengend. Chronische Miesmacher haben täglich schlechte Laune, eine niedrige Frustrationstoleranz, und der Empörungsmodus gehört zu ihrer Grundhaltung. Sie beschweren sich über Kollegen, den Chef und sind überzeugt, die schlechtesten Arbeitsbedingungen und übelsten Aufgaben erwischt zu haben. Sie melden sich mit pessimistischen Einlassungen zu Wort, kommentieren zynisch oder meckern lautstark. Wenn diese schlechte Stimmung auf das Team überzugreifen droht oder Nörgelei in persönliche Angriffe übergeht und private Grenzen überschreitet, besteht dringender Handlungsbedarf. Aber wie können Sie in dieser Situation angemessen agieren, ohne die Arbeitsatmosphäre endgültig zu vergiften und am Ende womöglich als Spielverderber dazustehen?

Der folgende 6-Punkte-Plan kann Ihnen helfen, notorischen Pessimisten am Arbeitsplatz entgegenzutreten. Die Reihenfolge ist dabei eskalierend formuliert: In den ersten Schritten wird versucht, einen möglichen Schaden im Team und in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu vermeiden oder zu minimieren. Da aber bei manchen Nörglern Kommunikation nicht fruchtet, müssen gelegentlich schwerere Geschütze aufgefahren werden, die Sie am Ende des Beitrages finden.

1. Kritik respektieren und Verbesserungsvorschläge einfordern

Begegnen Sie dem Dauernörgler mit Wertschätzung und ziehen Sie in Betracht, dass es reale Ursachen für seine destruktive Haltung geben könnte. Der Kollege hat das Dauermeckern möglicherweise als Entlastungsstrategie angesichts von chronischem Stress und Überbelastung entwickelt. Vielleicht wird seine Arbeit nicht wertgeschätzt oder er fühlt sich unterfordert. Gehen Sie der Sache auf den Grund und fragen Sie, was geändert werden müsste, damit der nörgelnde Kollege die Dinge positiver sehen kann. Hat die fortwährende Frustration einen realen Grund, können Sie gegebenenfalls gemeinsam eine Lösung erarbeiten.

Ist die Kritik des chronischen Bedenkenträgers jedoch unverhältnismäßig, lässt sich das durch Ihr konstruktives Herangehen schnell entlarven: Der Nörgler hat meist keine Idee, was sich ändern ließe, und es wird deutlich, dass er nur Scheinargumente ins Feld führt. Einige notorische Miesmacher werden nach einem solchen Gespräch stiller und halten sich mit ihrer schlechten Laune zurück. Überzeugte Pessimisten, die sich mit Freuden an nicht greifbaren Problemen hochziehen, sind mit diesem sachorientierten Ansatz allerdings nicht zu fassen.

2. Positives gegen Negatives setzen

Nutzen Sie jede sich bietende Gelegenheit, um gute Stimmung unter den Kollegen zu verbreiten, das entzieht verfehlter Kritik den Nährboden. Etablieren Sie beispielsweise langfristig eine Kultur, in der Sie und Ihre Kollegen sich ausdrücklich auch Erfreuliches berichten, statt ausschließlich schwierige Bedingungen oder missliche Entwicklungen zu problematisieren. Auf diese Art lassen sich Nörgler nach und nach verdrängen. Besonders renitente Querulanten werden Sie aber auch mit dieser Maßnahme nicht bekehren können.

3. Deutlich zurechtweisen

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Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Wenn Sie den betreffenden Kollegen auf seine Nörgelei angesprochen, aber keine fruchtbare, begründete Antwort erhalten haben, fordern Sie ihn auf, sein Verhalten zu unterlassen. Machen Sie ihm deutlich, dass sein chronisches Meckern andere Menschen stören und die Atmosphäre im Team reizen kann. Dadurch ziehen Sie eine klare Grenze und verdeutlichen, wie weit man mit Ihnen gehen kann. Sprechen Sie Klartext, aber bleiben Sie fair und sachlich und vermeiden Sie Beschuldigungen und persönliche Angriffe.

Wenn weder Gespräch noch ein positiver Umgang im Team oder eine deutlich gesetzte Grenze fruchten, müssen Sie unter Umständen zu weniger konstruktiven Mitteln greifen.

4. Miesmacherei entlarven

Sie können dem chronischen Miesmacher - ganz im Sinne von Till Eulenspiegel - sein Verhalten spiegeln: Nehmen Sie die geäußerte Kritik auf und wiederholen diese übertrieben. Der "Wink mit dem Zaunpfahl" erreicht (fast) jeden Meckerer. Er wird zumindest kurzfristig irritiert sein, sodass weitere Nörgeleien zunächst ausbleiben sollten.

Wenn möglich, nutzen Sie die Verschnaufpause, um in einen ehrlichen Austausch zu treten. Dann können Sie mitteilen, wie sehr Sie das nörgelnde Verhalten belastet und Ihre Arbeit einschränkt. Wenn Sie in die Eulenspiegel-Rolle schlüpfen, bedenken Sie, dass hier Fingerspitzengefühl gefordert ist, damit die Situation nicht eskaliert. Vermeiden Sie eine plumpe Bloßstellung des Nörglers vor anderen Kollegen, denn damit setzen Sie kollegiale Beziehungen aufs Spiel.

5. Kollegen hinzuziehen

Meist werden Sie nicht der Einzige sein, der vom permanenten Pessimismus eines einzelnen Kollegen genervt ist. Wenn Sie mit Ihren Bemühungen, den Dauernörgler zu einem anderen Verhalten zu bewegen, erfolglos sind, kann es hilfreich sein, Mitstreiter für Ihr Anliegen zu finden.

Besprechen Sie die Situation im Team. Bleiben Sie aber auch hier sachlich, denn es soll ja eine Lösung gefunden werden. Wenn die Stimmung für ein konstruktives Gespräch bereits zu sehr gelitten hat, binden Sie spätestens dann Ihren Vorgesetzten ein - der dann selbst als Vermittler aktiv werden und/oder einen Mediator hinzuziehen kann.

6. Ignorieren und den Kontakt meiden

Am Ende dieser Liste möglicher Handlungsoptionen stehen solche Maßnahmen, die lediglich Ihrer unmittelbaren Entlastung dienen, aber an der Gesamtsituation nichts ändern: ignorieren und Kontakt meiden. Dem Problem aus dem Weg zu gehen, ist die letzte Möglichkeit, wenn keiner der anderen Tipps fruchtet. Lassen Sie den Frustrierten nörgeln, schalten Sie auf Durchzug und gehen Sie ihm notfalls ganz aus dem Weg. Wenn Sie gar nicht reagieren, nehmen die unsäglichen Beschwerden zumindest in Ihrer Gegenwart über kurz oder lang ab.

Welcher der Tipps für Ihre Situation am besten geeignet ist, hängt auch davon ab, welchem Typus Nörgler Sie gegenüberstehen: Derjenige, der angesichts subjektiv empfundener Ungerechtigkeiten nur zeitweise ernüchtert ist, reagiert auf ein wertschätzendes Gespräch und Lösungsangebote möglicherweise schon positiv. Der von allem und jedem Enttäuschte reagiert vielleicht erst auf das Setzen klarer Grenzen. Aber vielleicht hilft bei dem, der schon lange Zeit grundständig frustriert ist und mit sich und der Welt hadert, nur noch konsequentes Meiden.

Arbeiten Sie sich schrittweise durch die Tipps - von einem offenen, interessierten Gesprächsangebot bis hin zu einem vollständigen Ignorieren des Störenfrieds. Beginnen Sie immer mit einer lösungsorientierten Kommunikation. Hilfreich ist es, wenn Sie sich in die Lage des Mäkelnden versetzen. Vielleicht macht er lediglich auf Probleme und Schwierigkeiten aufmerksam, die andere stillschweigend dulden oder einfach übersehen. Häufig sind sich chronische Nörgler der Negativität, die sie ausstrahlen, auch nicht bewusst und verstehen sich selbst als Opfer unfairer Umstände. Ihre Nörgelei soll bei den Adressierten Verständnis für die "ungerechte Belastung" hervorrufen. An dieser Stelle unreflektiert zu sympathisieren, ist allerdings keine gute Idee, denn damit nehmen Sie den Bedenken nicht den Wind aus den Segeln, sondern bestärken den notorischen Meckerer in seinem Verhalten. Wahren Sie eine angemessene Distanz, versäumen Sie es aber nicht, tatsächlich bestehende Probleme nörgelnder Kollegen anzuerkennen und Ihre Hilfe bei deren Lösung anzubieten.

Quelle: n-tv.de

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