Ratgeber

Mit und ohne Zustimmung Wann Chefs den Urlaub streichen dürfen

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In manchen Fällen kann der Vorgesetzte den Urlaub des Angestellten sogar beenden.

(Foto: imago/Westend61)

Sommerzeit ist Reisezeit und viele Angestellte freuen sich seit Monaten auf die freien Tage. Doch die Vorfreude auf den Urlaub vergeht schnell, wenn der Vorgesetzte die Pläne durchkreuzt. In bestimmten Fällen hat er ein Recht dazu.

In den Sommermonaten leeren sich die Büros und es wird meist nur mit Minimalbesetzung gearbeitet. Die Urlaubszeit bricht an und im besten Fall haben Berufstätige ein Haus am Strand oder in den Bergen gebucht. Doch die Reisefreude kann schnell getrübt werden, wenn der Arbeitgeber verkündet, dass der Urlaub gestrichen wird. Darf er das? Ja, er darf - aber nur in bestimmten Fällen.

Zunächst die gute Nachricht: Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat laut Bundesurlaubsgesetz bei einer Fünf-Tage-Arbeitswoche einen Anspruch auf 20 bezahlte Urlaubstage im Jahr. Bei der Festlegung des Urlaubszeitraums sollte auf die Wünsche des Angestellten geachtet werden. Tritt der Mitarbeiter den Urlaub an, ohne dass der Arbeitgeber zugestimmt hat, droht die fristlose Kündigung. Wurde der Urlaub einmal vom Chef oder der Chefin genehmigt, kann er aber grundsätzlich nur in Notfällen und mit der Einwilligung des Mitarbeiters zurück genommen werden.

Nun die schlechte Nachricht: Kommt es im Betrieb zu einer Katastrophe oder zum Ausfall einer Vielzahl an Mitarbeitern, die den Produktionsbetrieb gefährden (zum Beispiel im Krankheitsfall), kann der Vorgesetzte den Urlaub ohne Einwilligung des Angestellten streichen oder diesen sogar aus dem Urlaub zurückbeordern. Allerdings muss die Geschäftsführung die Kosten für die Rückreise und eventuell anfallende Stornierungen tragen.

Im Regelfall ist aber ein entfallender Urlaub zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Entstehen aufgrund von Krankheit personelle Engpässe oder Ausfälle, kann der Chef oder die Chefin den Mitarbeiter bitten, den Urlaub zu verschieben. Auch die termingerechte Fertigstellung von Aufträgen oder eine Häufung von Arbeiten zum Jahresende sind als Gründe legitim. Kommt es zu einer unerwartet hohen Nachfrage an einem Produkt, können Geschäftsführung und Angestellter ebenfalls vereinbaren, den Urlaub abzusagen. Ein weiterer Grund ist auch der soziale Vorrang anderer Mitarbeiter, die beispielsweise an die Schulferien ihrer Kinder gebunden sind.

Ersatz für entfallene Erholung

Entfällt der Urlaub, muss er laut Gesetz nachgeholt werden. Dabei sollte der Arbeitnehmer darauf achten, die Erholungszeiten während möglicher Betriebsferien zu planen. Dennoch haben Mitarbeiter ein Recht darauf, zwei Fünftel ihrer Erholungszeit zeitlich selbst festzulegen. Außerdem sollte der Angestellte die Probezeit hinter sich gebracht haben. Zwar kann man innerhalb der Probezeit Urlaub beantragen, es besteht jedoch kein Anspruch auf Genehmigung.

Entfallene Urlaubsansprüche dürfen dem Urlaubsgesetz zufolge nur ins Folgejahr geschoben werden, wenn "dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe" vorliegen. Allerdings müssen die freien Tage innerhalb der ersten drei Monate des Jahres genommen werden.

Besteht nach einer Kündigung noch Urlaubsanspruch, ist dieser "abzugelten", heißt es im Gesetz. Das bedeutet, der ehemalige Angestellte erhält einen finanziellen Ausgleich für nicht genommene Urlaubstage. Die Abgeltungsansprüche sind nicht übertragbar, wenn der Arbeitnehmer beispielsweise verstirbt.

 

Quelle: ntv.de