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Stadt, Bundesland, egal? Welches Finanzamt zuständig ist

Steuern: Anleger können Verluste aus verfallenen Optionen beim Fiskus steuermindernd geltend machen. Foto: Jan Woitas

Die Steuererklärung an der richtigen Stelle abzuwerfen, kann besonders bei der Fristwahrung helfen.

(Foto: dpa)

Die Steuererklärung muss entweder sein - oder sollte es zumindest. Schließlich gibt es in der Regel Geld zurück. Deshalb gilt es, die Deklaration der erzielten Einkünfte auch fristgerecht zu erledigen. Stellt sich die Frage, welches Finanzamt für die Bearbeitung ran muss.

Vor wenigen Tagen erst berichtete der Bund der Steuerzahler darüber, bei welchem Finanzamt die Bearbeitung der Einkommenssteuer am schnellsten erledigt wird. Überraschender Sieger im bundesweiten Vergleich: Berlin. Gerade einmal 35 Tage brauchen die hiesigen Beamten im Schnitt für die Bearbeitung. Und dass, obwohl die Hauptstadtverwaltung ansonsten nicht eben in dem Ruf steht, besonders effizient zu arbeiten. Aber egal, vielleicht kommt ja der eine oder andere Bewohner Nordrhein-Westfalens (NRW) nun auf die Idee, seine Steuererklärung in Zukunft in Berlin abzugeben. Schließlich müssen Bewohner des Westens der Republik mitunter ein halbes Jahr auf ihren Bescheid warten.

Womit wir bei der eigentlichen Frage wären, nämlich: Welches Finanzamt ist eigentlich für den jeweiligen Steuerzahler zuständig? Um es vorwegzunehmen: Wer in NRW lebt, für den sind in der Regel auch die dortigen Finanzämter zuständig. Wer nun meint, eine Berliner Zuständigkeit dadurch zu erreichen, dass er in Berlin arbeitet und zu seinem Hauptwohnsitz in beispielsweise Dortmund pendelt, kann sich die Mühe sparen. Denn für die Bearbeitung der Steuererklärung ist das Finanzamt zuständig, in dessen Bezirk der Bürger wohnt. Wobei es nur auf den Wohnsitz zum Zeitpunkt der Abgabe der Erklärung ankommt. Egal ist hingegen, wo während des Zeitraumes gewohnt wurde, für welches das Bekenntnis gilt. Wer also umgezogen ist und sich noch nicht steuerehrlich gemacht hat, sollte sich auf der Seite des Bundeszentralamtes für Steuern schlau machen, welches Finanzamt nun der richtige Adressat ist.

Wenn der Bescheid bereits verschickt wurde

Sollte die Erklärung bereits entgegen der neuen Zuständigkeit bei der alten Behörde abgegeben worden sein, ist das in der Regel kein Beinbruch. Wichtig ist nur, eines der beiden Ämter von dem Umzug und der erfolgten Abgabe zu informieren. Unter Umständen wird der Vorgang dann sogar noch an bewährter Stelle bearbeitet. Nämlich dann, wenn das neue Finanzamt zustimmt und es das Verfahren vereinfacht und zweckmäßig ist.    

Aber vielleicht geht ja alles schneller als erwartet, sprich die Erklärung ist bereits vom eigentlich nun verkehrten Amt bearbeitet und der Bescheid verschickt. Wer jetzt gegen diesen Einspruch erheben möchte, tut dies dann besser gegenüber dem alten Finanzamt. Ansonsten könnte die Widerspruchsfrist nicht gewahrt sein. Denn das neue - eigentlich zuständige Finanzamt - muss in so einem Fall den Einspruch erst an die Kollegen in wo auch immer weiterleiten.     

Aber abgesehen davon, hat das Finanzgericht (FG) Köln entschieden, dass der Einwurf einer Steuererklärung am letzten Tag der Antragsfrist auch dann fristwahrend ist, wenn er bei einem unzuständigen Finanzamt erfolgt (Az.: 1 K 1637/14, 1 K 1638/14). Was analog auch für Widersprüche geltend sollte. Denn nach Auffassung des FG ist es gesetzlich nicht vorgeschrieben, dass ein Veranlagungsantrag beim zuständigen Finanzamt eingehen muss. Demnach kann die Finanzverwaltung einem steuerlich unberatenen Bürger nicht die Unzuständigkeit eines Finanzamtes vorhalten, wenn sie selbst nach außen als einheitliche Verwaltung auftritt. Schließlich gehe auch der Einwurf der Erklärungen außerhalb der üblichen Bürozeiten nicht zulasten des Steuerzahlers. Insoweit habe die Finanzverwaltung einen generellen Empfangs- beziehungsweise Zugangswillen.

Da das Urteil allerdings noch nicht rechtskräftig ist, tun Steuerzahler, die Ärger vermeiden möchten, gut daran, sich an das zuvor Geschriebene zu halten. 

Quelle: n-tv.de

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