Ratgeber

Vorauszahlungen für Arbeitnehmer Wenn das Finanzamt Zuschlag fordert

Einkommensteuer wird direkt vom Gehalt abgezogen. Umso größer die Überraschung, wenn einen das Finanzamt plötzlich zu zusätzlichen Vorauszahlungen auffordert. Wie kann das sein? Und was kann man tun?

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Nach der nächsten Steuererklärung kann der Zuschlag auch wieder geändert werden.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Alle drei Monate Steuervorauszahlungen ans Finanzamt überweisen – normalerweise kennen nur Selbständige und Freiberufler dieses Procedere. Doch auch Arbeitnehmern kann es passieren, dass sie extra zur Kasse gebeten werden, obwohl der Arbeitgeber bereits Steuern von ihrem Einkommen einbehält. Betroffen sind insbesondere Paare, die über die Steuerklassenkombination 3 und 5 das Ehegattensplitting ausschöpfen.

Bei ihnen kann es passieren, dass beim monatlichen Lohnsteuerabzug höhere Pauschalen für Renten- und Krankenversicherung berücksichtigt werden, als sie tatsächlich bezahlen. Dann führt der Arbeitgeber zu wenig Steuern ans Finanzamt ab. Wenn man aber übers Jahr hinweg weniger Steuern bezahlt, als man müsste, kann das Finanzamt für das kommende Jahr Vorauszahlungen einfordern.

Die kritische Marke liegt bei 400 Euro. Hat das Finanzamt nach der letzten Steuererklärung mehr als diese 400 Euro zurückgefordert, kann es fürs nächste Steuerjahr Vorauszahlungen festsetzen. Dann kommt mit dem Steuerbescheid auch ein Vorauszahlungsbescheid. Neben Einkommensteuer muss man auch Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer im Voraus entrichten.

Die Termine für die Vorauszahlungen sind gesetzlich festgelegt. Das Geld muss jeweils zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember beim Finanzamt sein. Am besten richtet man einen Dauerauftrag ein, denn wer nicht rechtzeitig überweist, bekommt einen Verspätungszuschlag aufgebrummt.

Änderungen sind drin

Oft fallen die Betroffenen aus allen Wolken, wenn sie mit ihrem Steuerbescheid die Aufforderung zu Vorauszahlungen bekommen. Denn mitunter fallen die geforderten Summen deutlich höher aus als die Nachforderung fürs vergangene Jahr. Dabei muss man sich aber genauer ansehen, wie der Steuerbescheid zusammengesetzt ist. Vielleicht haben einmalige außergewöhnliche Belastungen die Steuer gesenkt, vielleicht hat man Kirchensteuer zurückbekommen? Solche Faktoren sind für die Berechnung der künftigen Einkommensteuer irrelevant.

Die Vorauszahlungsbescheide werden maschinell erstellt. Dabei geht das Programm davon aus, dass sich an den Einkommensdaten und den Familienverhältnissen der letzten Jahre nichts geändert hat. Wer die geforderten Summen für überzogen hält, kann versuchen, sie zu senken. Nachdem man den Bescheid bekommen hat, hat man einen Monat lang Zeit, um einen Antrag auf Minderung stellen. Dafür reicht ein formloses Schreiben. Hat man als Ehepaar die Steuerklassenkombination gewechselt, ist es normalerweise kein Problem, die Zahlungen zu mindern. Auch wenn man höhere Werbungskosten oder zusätzliche Vorsorgeaufwendungen erwartet, kommt man meist billiger davon.

Hält das Finanzamt an seinen Forderungen fest, ist das Geld aber nicht verloren. Dann muss man es sich eben über die nächste Steuererklärung zurückholen.  

Quelle: ntv.de, ino