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Was tun nach Wildunfall? Wenn das Reh unter die Räder kommt

Autofahrer, die nach der Zeitumstellung in der Abenddämmerung von der Arbeit kommen, müssen mit Wildwechsel rechnen. Foto: Julian Stratenschulte

Autofahrer, die nach der Zeitumstellung in der Abenddämmerung von der Arbeit kommen, müssen mit Wildwechsel rechnen.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr wurden den Autoversicherern rund 295.000 Wildunfälle gemeldet. Die größte Gefahr droht jetzt im Herbst, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung. Was es unbedingt zu beachten gilt, lesen Sie hier.

Wenn ein Auto auf ein Reh trifft, geht das für beide Seiten meist übel aus. Im Herbst ist das Risiko für Wildunfälle mit am größten, die Zeitumstellung vom Wochenende verschärft die Lage noch. Jährlich werden nicht nur zahlreiche Menschen verletzt oder gar getötet, auch zehntausende Tiere verenden bei Wildunfällen. Fragen und Antworten:

Wie viele Wildunfälle passieren?

Im vergangenen Jahr wurden den Autoversicherern rund 295.000 Wildunfälle gemeldet. Das waren 27.000 mehr als im Vorjahr und ein Rekord innerhalb von zehn Jahren. Rein rechnerisch kollidierten damit jeden Tag 800 Autos mit einem Wildtier. Rehe kommen am häufigsten unter die Räder. Ein 20 Kilogramm schweres Reh hat beim Zusammenstoß bei Tempo 100 ein Aufschlagsgewicht von fast einer halben Tonne.

Wann ist die Gefahr am größten?

Im Frühjahr zwischen April und Mai sorgen insbesondere Wildschweinrotten mit ihren Frischlingen für eine um rund 20 Prozent höherer Unfallgefahr. Zwischen Oktober und Dezember passieren dann besonders viele Unfälle mit Hirschen, weil diese in ihrer Brunftzeit sehr aktiv sind.

Die größte Gefahr droht grundsätzlich in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und Nebel sowie auf Straßen an Wiesen, Feldern und Wäldern. Die Umstellung auf die Winterzeit vom Sonntag verschärft die Situation noch: Tiere ändern ihre Gewohnheiten natürlich nicht, was dazu führt, dass Autofahrer sich bereits am späten Nachmittag auf verstärkte Wildwechsel einstellen müssen.

Wie sollten Autofahrer reagieren?

Grundsätzlich gilt: Im Wald und an Feldrändern Fuß vom Gas. Bei Tempo 70 ist der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung etwa 25 Meter lang - bei Tempo 100 bereits 50 Meter. Steht Wild an der Straße, sollten riskante Ausweichmanöver vermieden werden. Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder Baum geht in der Regel weniger glimpflich aus als die Kollision mit einem Tier. Als Regel gilt: Beim Auftauchen von Wild Fernlicht abblenden, bremsen, hupen und das Auto auf Spur halten. Zudem sollte immer mit Nachzüglern gerechnet werden.

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

Die Unfallstelle sollte gesichert und die Polizei gerufen werden. Gibt es Verletzte, wird auch der Rettungsdienst gerufen. Ein verletztes oder totes Tier sollte möglichst nicht angefasst werden. Die Bergung ist Sache des Försters oder Jagdpächters. Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

Was ist wegen der Versicherung zu beachten?

Autofahrer sollten nach dem Unfall die Schäden fotografieren und sich eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen. Im vergangenen Jahr zahlten die Versicherer im Schnitt knapp 3000 Euro für jeden Wildunfall.

Einige Anbieter decken über die Teilkaskoversicherung Schäden durch sogenanntes Haarwild, also Rehe, Hirsche und Wildschweine, ab. Andere Versicherer weiten ihren Schutz zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch sämtlichen Tieren aus. Wenn nicht nachzuweisen ist, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenstoß mit Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstand, kann er über die Vollkaskoversicherung reguliert werden.

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Welche Schutzmaßnahmen helfen gegen Wildunfälle?

Eine frühere Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer ergab, dass keine der empfohlenen Maßnahmen wie Duftbarrieren, optische und akustische Reflektoren, Wildwechselschilder oder Sträucher am Straßenrand wirksam Wildunfälle reduziert. Selbst die seit einigen Jahren eingesetzten blauen Wildwarnreflektoren am Fahrbahnrand, die Tiere irritieren sollen, haben demnach kaum Auswirkungen, wenngleich es auch gegenteilige Untersuchungen gibt. Am effektivsten sind offenbar Wildschutzzäune wie an Autobahnen. Ansonsten heißt es: Fuß vom Gas.

Quelle: ntv.de, Abdreas Hentschel, AFP