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Der gläserne Angestellte Wenn der Chef Daten missbraucht

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Mit jeder E-Mail, mit jedem Chat, mit jedem Tweet und jedem Like kann der Chef Beziehungen zwischen Kollegen erfassen.

(Foto: imago stock&people)

E-Mails, Chats, Beiträge in sozialen Netzwerken: Für viele Angestellte ist eine gute Vernetzung im Betrieb selbstverständlich. Doch Arbeitgeber können leicht erfassen, wer wie im Betrieb aufgestellt ist und diese Daten etwa für Personalentscheidungen nutzen.

Experten haben vor einem Missbrauch von Kommunikationsdaten in Unternehmen durch den Arbeitgeber gewarnt. Entsprechende Analysesoftware gebe es bereits zu kaufen, schreiben die Autoren einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach können die Anwendungen analysieren, welcher Kollege mit wem und wie kommuniziert, und so das soziale Gefüge innerhalb der Firma für den Arbeitgeber transparent machen. Das könnte dieser zum Beispiel für Personalentscheidungen missbrauchen.

Vielfach liege eine Fülle an Daten über die sozialen Beziehungen unter Kollegen vor: E-Mails, Chats, Beiträge in sozialen Netzwerken. Daraus könnten sogenannte soziale Graphen erstellt werden, aus denen leicht ersichtlich wird, bei welchen Mitarbeitern die Fäden zusammenlaufen und wer eher außen vor bleibt.

Eine Auswertung dieser Daten könnte den Mitarbeitern auf der einen Seite helfen, beispielsweise ihre Kommunikation wirkungsvoller zu gestalten. Solche Methoden könnten vom Management aber künftig verstärkt genutzt werden, "um in die Belegschaft hineinzuhorchen". In einem fiktiven, aber unter rein technischen Gesichtspunkten realistischen Szenario, stellen sie die Möglichkeit in den Raum, dass Arbeitgeber, die Entlassungen planen, sich an den Ergebnissen solcher Analysen orientieren: Wer nicht hinreichend vernetzt ist, riskiert berufliche Nachteile oder sogar eine Kündigung.

Datenschutzrechtlich seien einer solchen Analyse der Daten zwar enge Grenzen gesetzt - das geltende Recht müsse aber auch durchgesetzt werden, schreiben der Informatik-Professor Heinz-Peter Höller und der Jurist Peter Wedde in der Studie. Nach Ansicht der Autoren dürfen Unternehmen keine Kommunikationsdaten auf Vorrat speichern und auswerten. Die Autoren empfehlen Betriebsräten und Beschäftigten aber, den Arbeitgeber aufzufordern, sich an diese restriktive Sichtweise zu halten und Missbrauch gegebenenfalls den Behörden zu melden. Mit dem neuen europäischen Datenschutzrecht, das ab Mai gilt, können Gesetzesverstöße mit hohen Geldbußen bestraft werden.

Quelle: ntv.de, awi/AFP

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