Ratgeber

Halswirbelbruch nach Kopfstoß Wenn der Streit unter Kollegen eskaliert

imago62484904h.jpg

Schwierig wird es, wenn der Streit auf die persönliche Ebene abgleitet.

(Foto: imago/Westend61)

Streiten mit Kollegen ist nicht verboten. Allerdings sollten die Kontrahenten sehr darauf achten, wie der Konflikt ausgetragen wird. Wer handgreiflich wird, muss mit der Kündigung rechnen. Und sollte sich auch nicht selbst verletzen.

Wer einen Kollegen tätlich angreift, kann fristlos gekündigt werden. Zudem besteht auch beim Gewaltausübenden immer das Risiko, sich selbst bei einem Angriff zu verletzen. Sind die erlittenden Blessuren schwerwiegender, zahlt eventuell ja die Unfallversicherung für den eigenen Schaden. Schließlich muss ein Arbeitsunfall mit der versicherten Tätigkeit bei der Arbeit im Zusammenhang stehen. Und dies ist ja bei einem Streit am Arbeitsplatz manchmal der Fall.

Meinte zumindest ein Arbeitnehmer, der einen Kollegen im Rahmen einer hitzigen Diskussion über die Arbeitsabläufe attackierte, sich dabei selbst schwer verletzte und deshalb Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung beziehen wollte. Als diese nicht zahlen wollte, landete der Fall vor dem Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg (Az.: L 1 U 1504/17).

Beschimpfungen und provozierende Gesten

Bei dem Kollegen-Streit kam es nach einem zunächst rein beruflichen Disput zu wechselseitigen Beschimpfungen und provozierenden Gesten. Bis einer der Männer die Nerven verlor und seinen Arbeitsplatz verließ, mit gesenktem Kopf auf den Kollegen zulief und diesem absichtlich sein Haupt mit großer Wucht in den Rumpf stieß, worauf beide zu Boden gingen. Zu allem Übel zog sich der Angreifer dabei einen Halswirbelbruch zu. Der Kollege kam mit einer Rippenprellung davon. Doch ungeachtet dessen pochte der Aggressor darauf, dass es sich bei dem Vorfall um einen Arbeitsunfall handeln würde.

Dieser Ansicht wollte das zuständige LSG allerdings nicht folgen. Denn indem der Versehrte seinen Arbeitsplatz verlassen habe, um den Angriff auf den Kollegen auszuführen, habe er den Schutzbereich der gesetzlichen Unfallversicherung verlassen. Zwar könne die Klärung eines Disputes beziehungsweise das Austragen eines über betriebliche Pflichten und betriebliches Verhalten bestehenden Konfliktes durchaus auch im betrieblichen Interesse liegen. Hier sei es dem Mann aber gar nicht mehr wesentlich um die Klärung des Konfliktes um die Arbeitsabläufe gegangen, sondern nur noch darum, dem Kollegen den Kopf in den Bauch zu rammen. 

Ein solches Verhalten könne laut Gericht nicht mehr als betriebsdienlich angesehen werden. Denn eine körperliche Attacke vermag das kollegiale Verhältnis so zu stören, dass eine künftige Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Außerdem ist die mögliche Folge eines solchen Handelns eine Arbeitsunfähigkeit des Opfers, die ebenfalls in keinster Weise im betrieblichen Interesse liegt. 

Quelle: ntv.de, awi