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Fitnessstudio nach Schließung Wenn der Vertrag einfach verlängert wird

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Die Laufzeit des Vertrages kann nur in Absprache mit den Kunden geändert werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sport ist vielerorts auch wieder in Fitnessstudios möglich, was allen Beteiligten guttut. Weniger schön ist aber, dass einige Studios die Laufzeit der Verträge ihrer Kunden um die Dauer der behördlich angeordneten Schließung verlängern. Kann das sein?

Nach mehr als zwei Monaten Zwangsschließung wegen des Coronavirus durften Fitnessstudios nun in den meisten Bundesländern wieder öffnen. Zwar ist aufgrund der behördlichen Auflagen häufig nur ein abgespecktes Angebot nutzbar, aber immerhin. Hauptsache, überhaupt mal wieder in Gesellschaft und an Geräten trainieren.

Weniger schön ist allerdings, dass einzelne Studios die Laufzeit der Verträge ihrer Kunden um die Dauer der behördlich angeordneten Schließung klammheimlich verlängern. Dies ist der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) durch Beschwerden von Verbrauchern zu Ohren gekommen. Und die vzhh stellt klar: Die einseitige Änderung der Vertragslaufzeit durch einen Fitnessstudiobetreiber ist unzulässig. Für eine Kündigung gelten trotz der Corona-Schließzeit die im ursprünglichen Vertrag festgelegten Fristen.

"Wird ein Vertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten am 1. April geschlossen, kann er zum 31. März des Folgejahres gekündigt werden. Der festgelegte Zeitraum ist ein wesentlicher Bestandteil des Vertrags", erläutert Julia Rehberg von der vzhh.

Änderungen nur nach Absprache mit Kunden

Doch trotz eindeutiger Rechtslage würden Fitnessstudios die Verträge ihrer Kunden neuerdings länger laufen lassen. So teilte ein Anbieter einem Kunden mit: "Da Ihr Vertrag die Zahlung von insgesamt zwölf Beiträgen vorsieht, verlängert sich Ihre Mitgliedschaft folglich um die Dauer der Schließung." Ein anderes Mitglied, welches seinen Vertrag zum 30. September kündigen wollte, erhielt eine Bestätigung für den 30. November 2020 mit dem folgenden Hinweis: "Bitte beachten Sie, dass sich durch das Pausieren das derzeitige Enddatum Ihres Vertrages ändert." Laufzeiten können laut der Verbraucherschützerin jedoch nur in Absprache mit den Kunden geändert werden.

Einige Unternehmen argumentieren, dass sie während der Schließzeit keine Mitgliedsbeiträge eingezogen hätten. "Das klingt großzügig, ist aber eine Selbstverständlichkeit", meint Rehberg. Fitnessstudiomitglieder müssen keine Beiträge leisten, wenn sie die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht nutzen können. "Die finanziellen Verluste der Corona-Zeit wollen einige Anbieter nun anscheinend zulasten der Verbraucher ausgleichen", ärgert sich Rehberg.

Verbraucher, die Probleme mit ihrem Fitnessstudiovertrag haben, können sich an die Verbraucherzentrale Hamburg wenden und rechtlich beraten lassen.

Quelle: ntv.de, awi