Ratgeber

Ratenkauf zu null Prozent Zins Wenn kostenlose Kredite zur Falle werden

Kein Geld und trotzdem einkaufen? In Deutschland kein Problem: Per Null-Prozent-Finanzierung wird Luxus für jedermann erschwinglich. Das zumindest suggeriert der Handel. Die Risiken des Modells werden dabei geflissentlich verschwiegen.

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen. Foto: Daniel Reinhardt

(Foto: dpa)

„Heute kaufen – morgen zahlen.“ „Null Prozent auf alles“. Um selbst klamme Verbraucher zu teuren Lustkäufen zu animieren, legen sich vor allem Möbel- und Elektrohändler massiv ins Zeug. Besonders beliebt: Der kostenlose Ratenkauf, bei dem die Kunden den Preis peu à peu abstottern – ganz ohne Zinsen. Die vermeintlich reizvollen Angebote haben jedoch eine Menge Tücken.

Problem Nummer eins

Verbraucher sind bei solchen Finanzierungen deutlich schlechter geschützt, als bei gewöhnlichen Darlehen. Weil es sich bei den Gratis-Finanzierungen nicht um klassische Verbraucherkredite handelt, entfällt zum Beispiel das sonst geltende Widerrufsrecht. Kunden können sich folglich nicht – wie bei kostenpflichtigen Verträgen – in den ersten zwei Wochen ohne Angabe wieder vom Geschäft lösen. Auch wenn die Kaufsache Mängel aufweist, sind Probleme programmiert. Zwar können Kunden den Kaufvertrag rückabwickeln, wenn der frisch erworbene Fernseher implodiert oder in der neuen Schrankwand bereits der Holzwurm haust. Der Kreditvertrag wird damit aber (anders als bei echten Verbraucherdarlehen) nicht ohne weiteres hinfällig. Und das bedeutet: Die Raten an die Bank werden trotzdem fällig. Heil aus der Sache heraus kommt man nur, wenn der Händler das Geld für die bezahlte Ware erstattet  oder Ersatz liefert.

Problem Nummer zwei

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Die Schufa. Wer zahlreiche Null-Prozentfinanzierungen laufen hat, sich aber zeitgleich um ein entgeltliches Darlehen bemüht – etwa, um ein Haus zu kaufen – muss damit rechnen, dass die Banken skeptisch werden. Die nämlich machen keinen Unterschied zwischen der Art der Finanzierung. In ihrer Logik ist ein Kredit ein Kredit. Und wer selbst kleine Beträge von um die tausend Euro regelmäßig finanziert, um dessen Bonität kann es – aus Bankersicht – nicht zum Besten stehen.

Problem Nummer drei

Die Risiken stehen in keinem Verhältnis zum Vorteil der vermeintlichen Schnäppchen. Wer bei einer Laufzeit von 36 Monaten einen Kredit über 10.000 Euro mit einem klassischen Verbraucherdarlehen finanziert, muss bei bonitätsunabhängigen Zinsangeboten mit Kosten von 650 bis 900 Euro rechnen. Das sind zwischen 18 bis 25 Euro pro Monat. Statt 277,83 im Fall des kostenlosen Ratenkaufs fallen 295,73 Euro pro Monat an. Für die meisten Kunden dürfte das zu stemmen sein. Verbraucher, die über etwas Verhandlungsgeschick verfügen und den Preis für die neue Anschaffung 650 Euro drücken, hätten bei einem Zinssatz von 4,19 Prozent sogar nur noch 276,51 Euro pro zu bezahlen. Jeder weitere Rabatt senkt die Rate zusätzlich.

Tipp

Beim Autokauf mit Null-Prozent Zinsen können die Dinge anders liegen. Hier  braucht man sehr viel Verhandlungsgeschick, um auch ohne Gratis-Darlehen auf der Gewinnerseite zu stehen. Wie hoch der Händler-Rabatt gegenüber einer Null-Prozent-Finanzierung sein muss, damit der Kauf sich lohnt, zeigt ein Vergleichsrechner der FMH-Finanzberatung.

Fazit

Null-Prozent-Finanzierungen bergen ein hohes Risiko und wenig Vorteile. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase ist es daher deutlich sinnvoller, per gezielt ausgewähltem Kredit zu finanzieren als den bequemen Weg über das Warenhaus zu wählen. Oft spart sogar ein Preisvergleich oder eine gute Verhandlungstaktik am meisten – denn wer günstig einkauft, zahlt von Haus aus weniger.

Quelle: n-tv.de

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