Ratgeber

Auf dem Parkplatz Wer haftet bei Unfall mit offener Tür?

Steht die Autotür offen und es kommt zu einem Unfall, müssen unter Umständen beide Beteiligte dafür haften. Foto: Sebastian Kahnert

Steht die Autotür offen und es kommt zu einem Unfall, müssen unter Umständen beide Beteiligte dafür haften.

(Foto: dpa)

Einparken, ausparken, anfahren, bremsen - Autofahren verlangt höchste Aufmerksamkeit. Das gilt auch, wenn der Wagen steht. Denn auch auf Parkplätzen öffnen Autofahrer besser ihre Türen nur, wenn sie sicher sind, niemanden zu gefährden. Ansonsten wird es teuer.

Wer aus dem Auto ein- oder aussteigen will, darf andere Verkehrsteilnehmer nicht in Gefahr bringen. Kommt es etwa beim Parken zum Unfall mit einer geöffneten Tür, spricht der sogenannte Beweis des ersten Anscheins dafür, dass der Aussteigende seine Pflichten verletzt hat.

Bedeutet: Der Autohalter mit der geöffneten Tür haftet, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass der Unfallgegner gegen eine bereits offene Tür fuhr. Das zumindest zeigt ein Urteil des Amtsgerichts München (Az.: 343 C 106/21), auf den die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist.

Wie war der Fall?

Es ging es um das Auto einer Frau, das auf dem Parkplatz eines Supermarktes parkte. Der Ehemann saß am Steuer. Links daneben wollte ein Mann sein Auto einparken. Dabei kam zur Kollision mit der geöffneten Fahrertür des Autos der Frau. Der Einparkende sagte, die Fahrertür wäre noch geschlossen gewesen und erst beim Einparken plötzlich und unvermittelt aufgemacht und gegen sein Auto gestoßen worden. Die Frau dagegen sagte, die Tür hätte schon minutenlang erkennbar offen gestanden. Es kam zu einer vorgerichtlichen hälftigen Regulierung durch die Versicherung des Einparkenden. Doch die Frau wollte noch mehr vor Gericht geltend machen. Der Unfallgegner indes meinte, schon mehr gezahlt zu haben, als nötig - sah er doch die Alleinhaftung bei der Klägerin.

Das Urteil

Die Klage der Frau wurde abgewiesen. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Tür schon offen gestanden habe. Eine Zeugin gab an, die Tür hätte nur etwa 5 Zentimeter weit offen gestanden. Allerdings kam ein Gutachten zum Schluss, dass die Tür beim Zusammenprall 60 bis 70 Zentimeter offen gestanden haben musste. Auch konnten Aussagen der Zeugin zur Geschwindigkeit durch das Gutachten widerlegt werden.

Mehr zum Thema

Zudem widersprachen sich die Aussagen der Zeugin und die Angaben des Ehemanns. Das Gericht konnte aber weder der einen noch der anderen Aussage eine höhere Erkenntnis beimessen. Für eine schuldhafte Verletzung der Sorgfaltspflichten des Türöffners sprach laut Gericht der Beweis des ersten Anscheins. So muss demnach eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausschließen, wer in ein Fahrzeug ein- oder aussteigt.

An anderer Stelle hatte bereits das Amtsgericht Hamburg-Barmbek entschieden, dass grundsätzlich derjenige für den Schaden bei einem Unfall haftet, der seine Autotür unachtsam öffnet. Steht jedoch fest, dass die Wagentür schon länger geöffnet war, haftet der Unfallgegner aufgrund der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs zu 30 Prozent mit (Az. 814 C 86/15).

Quelle: ntv.de, awi/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen