Ratgeber

Gut aufgehoben im Alter Wie findet man ein gutes Pflegeheim?

imago64124458h.jpg

Ein Umzug kann auch positive Aspekte haben.

(Foto: imago/Westend61)

Egal ob aus gesundheitlichen Gründen oder weil kein eigener Haushalt mehr geführt werden soll: Die Entscheidung, in welchem Heim man selbst oder Angehörige untergebracht werden, ist alles andere als einfach. Was es bei der Suche zu beachten gibt, lesen Sie hier.

Die Entscheidung ist weder für Betroffene noch für ihre Angehörigen einfach: Wenn eine richtige Versorgung aufgrund von Altersbeschwerden, Krankheit oder einem Unfall nur noch in einem Pflegeheim möglich ist, ist das nicht nur emotional eine Herausforderung. Wo beginnt man mit der Suche? Was macht eine gute Einrichtung aus, und wie kann man sichergehen, dass Bewohnerinnen und Bewohner dort gut und kompetent behandelt werden? Wir erklären, wo Sie die nötigen Informationen herbekommen, und welche Dinge Sie beachten sollten.

Vorsorge

Es gibt angenehmere Themen - doch die Lebensumstände können sich von einem Tag auf den anderen für immer verändern, etwa durch einen Unfall. Und auch ab einem gewissen Lebensalter sollte man sich wichtigen Fragen stellen, wie es später weitergeht. Dazu gehört das offene Gespräch mit der Familie ebenso wie das Auseinandersetzen mit den finanziellen Möglichkeiten und Dokumenten, die Angehörigen im Ernstfall Entscheidungen erleichtern - zum Beispiel eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung. Viele entscheiden sich außerdem für eine Pflegezusatzversicherung, um sich und die Familie vor hohen Kosten im Alter zu schützen.

Sich frühzeitig Gedanken zu machen, welche späteren Pflegeformen denkbar sind (betreutes Wohnen, voll- oder teilstationäre Tages-/Nachtpflege, ambulante Pflege, Pflege zu Hause durch Angehörige) sorgt nicht nur für Klarheit unter Familienmitgliedern - oft sind die regionalen Kapazitäten begrenzt und die Wartelisten der Einrichtungen lang. Zeichnet sich also ab, dass früher oder später Hilfe nötig sein wird, ist es sinnvoll, vorzusorgen.

Beratung, Recherche und Vorauswahl

Offline

In Deutschland hat jeder Versicherte gesetzlich Anspruch auf eine kostenlose und neutrale Pflegeberatung - dies gilt sowohl für Pflegebedürftige selbst als auch deren Angehörige. Dabei erhalten Interessenten neben Informationen über mögliche Pflegeoptionen und Einrichtungen in der Nähe, nötigen Antragsformularen, auch Auskunft über den zu erwartenden Pflegegrad und damit darüber, mit welcher finanzieller Unterstützung durch die Pflegekassen zu rechnen ist.

Erste Anlaufstelle sollte immer Ihre Kranken- beziehungsweise Pflegekasse sein. Die Beratung kann zum Beispiel in regionalen Pflegestützpunkten erfolgen; sie werden von den Kranken- und Pflegekassen auf Initiative eines Bundeslandes eingerichtet. Stützpunkte in der Nähe sind in der Datenbank der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege zu finden. Telefonisch bietet das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums eine erste Anlaufstelle - unter der Nummer 030 20179131 beraten Experten anonym und vertraulich, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Das Pflegetelefon ist auch per E-Mail an info@wege-zur-pflege.de zu erreichen.

Auch die private Pflegeberatung compass bietet montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr unter der Nummer 0800 - 101 88 00 kostenlos und unabhängig Hilfe an. Ebenso gibt es Beratungsangebote von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas. In einigen Bundesländern erhält man bei der Verbraucherzentrale Pflegeberatung rund um rechtliche Themen, diese ist allerdings kostenpflichtig.

Neben der Beratung durch die genannten Hilfsangebote kann zudem das Gespräch mit Verwandten, Freunden und Bekannten besonders wertvoll sein. Insbesondere dann, wenn diese selbst pflegebedürftig sind, von Betroffenen wissen oder sogar selbst in einer Pflegeeinrichtung arbeiten. Auch in sozialen Netzwerken, etwa Facebook-Gruppen, kann man fündig werden. Beachten werden sollte aber immer, dass sowohl Pflegebedürfnisse als auch persönliche Ansprüche eine sehr individuelle Angelegenheit sind - was für den einen Menschen zum Beispiel eine große Einschränkung darstellt, kann für den anderen dringend notwendige Sicherheit und Struktur bieten.

Online

Auch das Internet bietet eine Vielzahl von Informationen zur Pflege im Allgemeinen. In Bezug auf einzelne Einrichtungen gibt es aber je nach Bundesland teilweise große Lücken, wie die Bertelsmann Stiftung nach einer Erhebung kritisierte: Obwohl alle von ihnen durch die jeweiligen Aufsichtsbehörden über relevante Qualitätsdaten verfügen, stellen sie nur sechs Bundesländer online für Pflegeheimsuchende zur Verfügung. Über verschiedene Hilfsangebote und Datenbanken können Einrichtungen und ihre Kosten in ganz Deutschland miteinander verglichen werden, etwa hier:

Beachtet werden sollte, dass nicht alle Internetportale zum Thema Pflege unabhängig sind.

Besichtigung vor Ort

Ist eine Vorauswahl an möglichen Unterkünften getroffen, ist es unabdingbar, sich vor Ort einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Dabei sind nicht nur grundlegende Informationen wichtig, etwa die Anzahl von Pflegekräften im Verhältnis zu den Bewohnern und ihre Qualifikation sowie die genaue Aufschlüsselung von (Zusatz-)Kosten. Auch alle Sinneseindrücke zählen: Wie sieht das Heim aus? Was ist zu hören und zu riechen? Dabei sollte auch auf das Bauchgefühl gehört werden. Viele der oben genannten Info-Portale wie die Weisse Liste bieten Checklisten zum Ausdrucken, damit bei der Besichtigung nichts Wichtiges vergessen wird.

Manche Pflegeheime bieten ein befristetes Probewohnen an - eine gute Möglichkeit für einen Eindruck, wie der Alltag dort abläuft. Auch eine Kurzzeitpflege, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, kann ein Einstieg sein. In jeder Einrichtung besteht zudem das Recht, den Vertrag in den ersten vierzehn Tagen nach Abschluss ohne Einhaltung einer Frist zu kündigen.

Checkliste für die Pflegeheim-Suche

  • Sind alle Kosten transparent und nachvollziehbar? Sind alltägliche Serviceleistungen wie Wäscheservice, Getränke oder Fahrdienste inklusive?
  • Werden verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten besprochen?
  • Wie ist die Umgebung und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel? Gibt es ausreichend Parkplätze? Sind Geschäfte, Restaurants, Ärzte et cetera leicht zu erreichen?
  • Wirkt die Einrichtung wohnlich und sauber, riecht es angenehm? Wie sehen die Zimmer aus, wie sind sie ausgestattet? Sind sie groß genug, auf welchem Stand ist die Technik (beispielsweise Telefon, Aufzüge, Sanitärbereich)?
  • Dürfen persönliche Möbel und Gegenstände mitgebracht werden?
  • Wie viele Pflegekräfte sind insgesamt im Einsatz? Gibt es feste Ansprechpartner - auch für Beschwerden?
  • Wird die Pflege auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt (insbesondere bei Demenz)? Wie verhält sich das Personal gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern?
  • Wirken Bewohnerinnen und Bewohner zufrieden und gepflegt?
  • Wie abwechslungsreich ist das Essensangebot, welche Qualität hat es? Sind Speisen und Getränke auch außerhalb fester Zeiten verfügbar? Wird auf Unverträglichkeiten geachtet?
  • Wie ist der Tag strukturiert? Können Aufstehen, Zubettgehen und Aktivitäten selbst bestimmt werden?
  • Welche Freizeitaktivitäten werden angeboten? Zum Beispiel Bibliothek, Singen, Spiele, Ausflüge …
  • Werden dort regelmäßig Sprechstunden und Visiten von Haus- und Fachärzten angeboten?
  • Kann die Behandlung durch vertraute bisherige Ärzte fortgeführt werden?
  • Gibt es weitere Gesundheitsangebote wie Gymnastik, Massage oder Fußpflege?
Mehr zum Thema

Kosten

Je nach Angebot, Ausstattung und angebotener Leistungen variieren die Kosten stark. Ungeachtet dessen sind für Pflegebedürftige die Zuzahlungen für einen Aufenthalt im Heim weiter gestiegen. So wurden zum 1. Januar im bundesweiten Schnitt 2179 Euro im Monat aus eigener Tasche fällig, wie aus den aktuellen Daten des Verbands der Ersatzkassen hervorgeht. Zudem gibt es große regionale Unterschiede. Im Bundesländer-Vergleich am teuersten sind Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 2542 Euro und in Baden-Württemberg mit 2541 Euro. Am geringsten ist die Belastung demnach in Sachsen-Anhalt mit 1588 Euro im Monat.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen