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Bewertungssystem für Heime Neuer Pflege-Tüv soll besser werden

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Wird der Angehörige zu Hause gepflegt, gibt es einen Anspruch auf vollständige Freistellung bis zu sechs Monaten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Pflege-Tüv soll helfen, einen Platz in den mehr als 13.000 Pflegeheimen in Deutschland zu finden. Bisher hat er jedoch vor allem Einser-Noten zu bieten. Nun soll alles besser werden - doch es gibt bereits Zweifel.

Aktuell leben in Deutschland von 3,4 Millionen Pflegebedürftigen etwa 820.000 in stationären Pflegeeinrichtungen - Tendenz steigend, allein durch die demoskopische Entwicklung.

Der Wunsch nach verlässlichen Informationen zur Auswahl des richtigen Heims ist sowohl bei Betroffenen als auch Angehörigen sehr groß. Dies belegt eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) in Zusammenarbeit mit der AOK und der Charité Berlin. Bei der Suche nach einem Platz im Pflegeheim sollen künftig aussagekräftige Informationen über die Qualität der einzelnen Einrichtungen helfen. Nach jahrelangen Vorbereitungen soll dies der neue Pflege-Tüv ermöglichen, den der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Es gibt aber auch Kritik an den Plänen.

Abgelöst werden soll der bisherige Pflege-Tüv mit seinen Noten. Diese werden seit Jahren als viel zu positiv kritisiert. So erzielten die Heime in zentralen Bereichen regelmäßig Spitzenbewertungen. Die bisherigen Heim-Bewertungen stützten sich zudem schwerpunktmäßig auf die Dokumentation der Heime - also das Festhalten der Pflege-Arbeit in Unterlagen.

Übersichtlich und eindeutig?

Künftig soll gezeigt werden, wie gut die Pflege wirklich ist, etwa beim Erhalt von Mobilität und Selbständigkeit im Alltag. So werden beispielsweise Ergebnisse zum Vermeiden schwerer Stürze und zur Unterstützung im Notfall dargestellt. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, begrüßte, dass der Pflege-Tüv übersichtlich und eindeutig werden solle. "Für die Nutzer werden Ergebnisse aber nicht vor Mitte 2020 vorliegen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem sei fraglich, ob die neue Darstellung wirklich eine schnelle Einschätzung bei der Pflegeheimsuche bringen werde. "Denn im zukünftigen Pflege-Tüv wird es weder eine aussagefähige Gesamtnote noch K.O.-Kriterien geben."

Für eine rasche Vergleichbarkeit sei dies aber dringend notwendig. Die bisherigen Pflegenoten galten als unbrauchbar, weil sie die tatsächliche Situation in den Heimen beschönigten und sich Missstände kaum erkennen ließen. Künftig muss nun jedes Heim zweimal im Jahr Indikatoren veröffentlichen, die über die Versorgung Aufschluss geben. Darüber hinaus werden einmal jährlich durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse Qualitätskontrollen vor Ort durchgeführt.

Brysch forderte: "Wenn Heime bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfallen, muss dies für den Nutzer sofort erkennbar sein." Die Menschen bräuchten einen Pflege-Tüv, der leicht verständlich sei, die Praxis abbilde und eine schnelle Vergleichbarkeit ermögliche.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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