Ratgeber

Was ändert sich 2021 … … bei der Rente?

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Die Renten steigen im kommenden Jahr wohl nur im Osten.

(Foto: imago/Westend61)

Die Zukunft bleibt ungewiss. So viel ist sicher. Abgesehen davon stehen aber auch im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Diese Änderungen bei der Rente werden dann wichtig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert.

Beitragsbemessungsgrenzen steigen

Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze West steigt ab Januar 2021 von 6900 auf 7100 Euro (85.200 Euro jährlich). Im Osten liegt sie dann bei 6700 Euro im Monat (2020 6450 Euro); jährlich sind das 80.400 Euro. Bis zu diesen Einkommensgrenzen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung bezahlen.

In der knappschaftlichen Rentenversicherung werden die Grenzen für die Beitragsbemessung im nächsten Jahr bei 8700 Euro im Monat (West), also 104.400 Euro jährlich, und für die östlichen Bundesländer bei 8250 Euro pro Monat (99.000 Euro im Jahr) liegen.

Befristete Hinzuverdienstgrenze erhöht

Die Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Altersrenten steigt 2021 von 44.590 Euro auf 46.060 Euro. Jahreseinkünfte bis zu dieser Höhe führen somit nicht zur Kürzung einer vorgezogenen Altersrente. Ab 2022 gilt voraussichtlich wieder die ursprüngliche Hinzuverdienstgrenze von 6300 Euro pro Kalenderjahr. Hierauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin hin.

Für 2020 war die ursprüngliche Hinzuverdienstgrenze von 6300 Euro bereits auf 44.590 Euro erhöht worden. Der Gesetzgeber reagierte damit auf den durch die Covid-19-Pandemie gestiegenen Bedarf an medizinischem Personal und die durch Erkrankungen oder Quarantäneanordnungen ausgelösten Personalengpässe in anderen Wirtschaftsbereichen. Mit der Regelung soll die Weiterarbeit oder Wiederaufnahme einer Beschäftigung nach Renteneintritt erleichtert werden.

Die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze gilt für Neu- und Bestandsrentner. Keine Änderungen gibt es hingegen bei den Hinzuverdienstregelungen für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und bei der Anrechnung von Einkommen auf Hinterbliebenenrenten.

Rentenerhöhung wohl nur im Osten

Die Renten im Westen 2021 werden nach Prognosen der Deutschen Rentenversicherung laut aktuellem Datenstand voraussichtlich nicht steigen. Rentenkürzungen sind jedoch gesetzlich ausgeschlossen. Hingegen wird sich der aktuelle Rentenwert im Osten, der sogenannten Angleichungstreppe folgend, zumindest um 0,7 Prozent erhöhen. Die Annahmen gehen von sinkenden Durchschnittslöhnen und einer niedrigeren Zahl an Beitragszahlern aufgrund der Corona-Krise aus.

Eine endgültige Entscheidung über die Rentenanpassung zum 1. Juli fällt allerdings erst im Frühjahr 2021. Die jährliche Anpassung wird von der Bundesregierung per Verordnung dann üblicherweise festgelegt, der Bundesrat muss zustimmen. Zuletzt ist die Rentenerhöhung im Jahr 2010, dem Jahr nach der Finanzkrise, ausgefallen.

Rentenanpassung von Ost und West

Ebenfalls ab dem 1. Juli wird der nächste Schritt gemacht, um den Rentenwert Ost an den im Westen geltenden anzugleichen. Von derzeit 97,2 Prozent steigt der Ost-Rentenwert dann auf 97,9 Prozent des Westwerts.

Jeweils zum 1. Juli der Folgejahre wird er dann weiter um jeweils 0,7 Prozentpunkte angepasst, bis im Jahr 2024 die Rente in allen Bundesländern einheitlich berechnet wird, wie es auch das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz vorsieht. Im Gegenzug wird die jetzige höhere Bewertung der Löhne für die Rentenberechnung im Osten - auch in sieben Schritten - abgesenkt. Mit der derzeit höheren Bewertung wird bei der Berechnung der Rentenbezüge ein Ausgleich dafür geschaffen, dass die Ostlöhne im Schnitt niedriger sind.

Der aktuelle Rentenwert bestimmt, wie viel monatliche Rente Versicherte erhalten, wenn sie für ein Kalenderjahr Beiträge aufgrund des Durchschnittseinkommens zahlen. Das heißt: Der aktuelle Rentenwert ist der in Euro ausgedrückte Wert eines Entgeltpunktes in der gesetzlichen Rentenversicherung, zurzeit sind das 34,19 Euro im Westen und 33,23 Euro im Osten. Um die Rentner regelmäßig an der Lohnentwicklung in Deutschland zu beteiligen, wird der aktuelle Rentenwert zum 1. Juli eines jeden Jahres entsprechend angepasst. Da die Durchschnittseinkommen im Osten bislang unter denen im Westen liegen, gibt es derzeit noch den aktuellen Rentenwert (Ost), der gemäß der Lohnentwicklung in Ostdeutschland angeglichen wird.

Die Grundrente startet

Ab 1. Januar 2021 soll die Grundrente langjährig Versicherten zugutekommen, die jahrzehntelang gearbeitet, aber eher wenig verdient haben und deshalb mit einer geringen Rente auskommen müssen. Sie sollen mit der Grundrente im Alter besser dastehen als diejenigen, die gar nicht oder nur kurz in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Die Ansprüche auf Grundrente werden von der Deutschen Rentenversicherung automatisch geprüft. Rentner brauchen dafür selbst nicht tätig zu werden. Der individuell zu berechnende Betrag wird mit der gesetzlichen Rente ausgezahlt.

Die Deutsche Rentenversicherung beginnt voraussichtlich ab Mitte 2021 mit der Versendung der Grundrentenbescheide an diejenigen, die erstmals ab diesem Zeitpunkt eine Rente erhalten. Da rund 26 Millionen Rentenkonten geprüft werden müssen, bekommen alle anderen ihre Bescheide nach und nach bis Ende 2022. Die Grundrentenzuschläge, auf die ab Januar 2021 ein Anspruch besteht, werden in allen Fällen nachgezahlt. Um den Grundrentenzuschlag erhalten zu können, müssen mindestens 33 Jahre an Grundrentenzeiten vorhanden sein (Übergangsbereich). Mindestens 35 Jahre an Grundrentenzeiten sind erforderlich, um den Grundrentenzuschlag in voller Höhe zu bekommen.

Zu den Grundrentenzeiten zählen zum Beispiel Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus Berufstätigkeit, Kindererziehungs- und Pflegezeiten sowie Zeiten, in denen man Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation bekommen hat. Nicht mitgezählt werden Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld I und II, Zeiten der Schulausbildung, freiwillige Beiträge oder Zeiten einer geringfügigen Beschäftigung, eines sogenannten Minijobs, ohne eigene Beitragszahlung.

Durchschnittlich darf der Verdienst bezogen auf das gesamte Berufsleben höchstens 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen haben. 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes sind im Jahr 2020 zum Beispiel rund 2700 Euro brutto im Monat. Liegt das durchschnittliche Einkommen des gesamten Berufslebens darüber, kann die Grundrente nicht gezahlt werden.

Für die Grundrente gibt es auch eine Einkommensprüfung. Werden 1250 Euro Einkommen bei Alleinstehenden (1950 Euro bei Verheirateten) überschritten, rechnet die Rentenversicherung 60 Prozent des darüberliegenden Einkommens an. Bei Einkommen über 1600 Euro (Paare: 2300 Euro) wird der darüberliegende Betrag in voller Höhe angerechnet. Anders als beim Einkommen spielt die Höhe des Vermögens bei der Grundrente keine Rolle; eine Vermögensprüfung findet nicht statt.

Zwar richtet sich die Grundrente an Menschen mit niedrigen Löhnen - doch zu wenig darf auch nicht verdient worden sein. Mit einer Untergrenze will der Gesetzgeber verhindern, dass Personen vom Zuschlag profitieren, deren Arbeitsentgelte nur die Bedeutung eines ergänzenden Einkommens hatten. Berechnet wird die Grundrente deshalb aus allen Grundrentenzeiten, in denen der Verdienst mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen hat. Das sind 2020 monatlich rund 1013 Euro brutto. Liegt der Verdienst darunter, zählt die Zeit nicht mit. Der Durchschnittsverdienst ändert sich jedes Jahr. Das Bundesarbeitsministerium geht davon aus, dass etwa 1,3 Millionen Menschen von der Grundrente profitieren werden. Der Zuschlag wird sich im Schnitt auf rund 75 Euro im Monat belaufen.

Effektivkosten müssen bei Lebensversicherung angegeben werden

Versicherungsunternehmen müssen beim Neuabschluss von Lebensversicherungsverträgen ab dem 1. Januar des neuen Jahres die sogenannten Effektivkosten nach einheitlichen Kriterien angeben. Damit soll erreicht werden, dass Verbraucher die Kosten von Lebensversicherungen künftig besser miteinander vergleichen können. Bei der Berechnung müssen sich Versicherer nun an die EU-weit vorgeschriebenen Standards zur Verbraucherinformation über Anlageprodukte halten, die Vorgaben zur Ermittlung des Gesamtkostenindikators machen. Der Versicherungsnehmer ist über diese Kostenfaktoren vor Vertragsabschluss im Produktinformationsblatt zu informieren.

Mindestbeitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung

Der Mindestbeitrag zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung beträgt ab dem neuen Jahr nach wie vor 83,70 Euro monatlich. Wieso die Zahlung von freiwilligen Beiträgen sinnvoll sein kann, lesen Sie hier.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Hinzuverdienstgrenze für Rentner würde 2021 wieder abgesenkt. Das ist aber nicht der Fall. Sie steigt vielmehr von 44.590 auf 46.060 Euro

Quelle: ntv.de, awi