Regionalnachrichten

Hessen Krise stärkt Tourismus in Hessen: Viele Urlauber erwartet

dpa_Regio_Dummy_Hessen.png

Wohin in den Ferien? Wegen der Corona-Pandemie gibt es derzeit enorme Unsicherheit bei den Planungen - und den Trend zum Urlaub im eigenen Land. Davon profitiert auch Hessen. Doch das wird aller Voraussicht nach Folgen für die Verfügbarkeit und Preise haben.

Wiesbaden/Marburg (dpa/lhe) - Hessen erwartet aufgrund der Corona-Krise mehr Urlauber im Land. "Ich rechne damit, dass viele Hessen hier bleiben, in der Region Urlaub machen, seien es Tagesausflüge oder Kurztrips", sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur. "Auch viele Menschen aus anderen Bundesländern werden innerhalb Deutschlands nach neuen Zielen suchen." Denn momentan sei noch unsicher, in welcher Form Urlaub im Ausland möglich sei. Viele Menschen seien angesichts der anhaltenden Coronavirus-Pandemie vorsichtig und zurückhaltend.

Ein Schub für den Hessen-Tourismus könne der Gastronomie und Hotellerie wieder auf die Beine helfen, sagte Al-Wazir. Er betonte: Man wolle gemeinsam mit der Tourismuswirtschaft alles versuchen, um diesen Sommer in Hessen zu einem Erfolg zu machen. Der wochenlange Betriebsstopp habe ihm als Wirtschaftsminister Sorgen bereitet. Die Branche sei "hart getroffen" worden. In Hessen sind touristische Übernachtungen seit dem 15. Mai wieder möglich.

Auch nach Einschätzung der Hessen Agentur liegt in diesem Jahr Urlaub im eigenen Land im Trend. "Das Vertrauen in den Deutschland-Tourismus bietet eine Grundlage, auf der wir aufbauen können. Wir erwarten deshalb, dass auch Hessen von der gesteigerten innerdeutschen Reise-Nachfrage profitieren wird", sagte Herbert Lang, Leiter Hessen Tourismus in der Hessen Agentur. Mit weitläufigen ländlichen Gegenden, Mittelgebirgen und Erholungsgebieten im Wald biete Hessen eine optimale Anlaufstelle für Urlaub direkt vor der Haustür. Ländliche Räume hätten nun die Chance, am Wiedererstarken des Deutschland-Tourismus teilzuhaben und davon zu profitieren.

Doch für Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe wird es keine leichte Saison. Die Abstands- und Hygieneregelungen stellen "definitiv eine Hürde dar, die es zu meistern gilt", sagte Lang. Aufgrund der Mindestabstände, die eingehalten werden müssen, um Infektionen zu vermeiden, sei eine volle Auslastung vielerorts nicht möglich. "Gute Angebote können dementsprechend schnell ausgebucht sein. Gäste sollten deswegen frühzeitig reservieren", riet Lang. Der Hessen Agentur lagen aber keine Zahlen dazu vor, wie groß die Nachfrage ist, wie sich die Buchungszahlen gestalten und wie viel Kapazitäten es noch gibt.

Die Auswirkungen der erwartet hohen Nachfrage auf die Preisentwicklung sei aktuell noch nicht absehbar, fügte Lang hinzu. Zwei Szenarien seien denkbar: entweder werden die Preise stark anziehen, um die Verluste der vergangenen Monate auszugleichen und die geringere Auslastung zu kompensieren. Oder die Zimmerpreise werden deutlich sinken, wozu es wider Erwarten auch kommen könne.

Der Hessische Tourismusverband hofft auf eine Preisgestaltung mit Augenmaß. Geschäftsführer Hartmut Reiße sagte in Marburg: "Wir können der Branche nur empfehlen, Preise zu verlangen, die dem Preis-Leistungs-Verhältnis tatsächlich entsprechen. Hessen wird sich dann auf Dauer als noch größeres Reiseziel empfehlen, wenn es durch Qualität und Regionalität überzeugt. Beides ist in Hessen bereits gut vorhanden."

Nach Einschätzung des Verbands wird es nicht leicht, zur Hauptreisezeit noch eine Bleibe zu bekommen: "Es wird in allen Regionen Deutschlands, so auch in Hessen, schwierig werden, in den Haupturlaubszeiten entsprechende Unterkünfte zu finden." Denn die Unterkünfte können wegen der Corona-Regeln nur zu etwa 50 Prozent belegt werden.

Verschärft wird der Nachfragedruck auf die Reiseziele bereits an Pfingsten: "Da in Baden-Württemberg und in Bayern zwei Wochen Pfingstferien sind, wurden für diesen Zeitraum bereits zahlreiche Anfragen registriert." Reisen in die südlichen Nachbarländer seien wegen der Beschränkungen noch nicht möglich. So sei bereits in der Zeit vom 2. bis 14. Juni mit verstärktem Tourismusbetrieb zu rechnen.

Im Fokus für Urlauber in Hessen stehen dem Verband zufolge zum Beispiel die Naturparks mit ausgezeichneten Wanderwegen sowie die Flussläufe mit interessanten Radrouten. "Wandern und Radfahren erlebt im Sommer 2020 einen zusätzlichen Boom", sagte Reiße.

Für Minister Al-Wazir ist klar: "Hessen ist eine Urlaubsregion, die viele Gäste von überall her anzieht." Damit sei der Tourismus auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. "Es gibt hier so viele tolle Ausflugsziele, für jeden Geschmack und in allen Regionen." Umso wichtiger sei es, "dass wir die Gelegenheit nutzen, um Hessen neu zu entdecken".

Newsticker