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Reiseroutine kann man lernen Acht Survivaltipps für Langstreckenflüge

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Es gibt viele Tricks, die Welt entspannt zu bereisen.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Nach mehr als zehn Stunden entspannt aus einem Flugzeug steigen? Eher unrealistisch. Doch mit ein paar einfachen Tricks kann man die nicht enden wollende Zeit zumindest erträglicher gestalten.

Ein Teil meiner Familie lebt in der Nähe von San Francisco. Natürlich möchte ich sie so oft wie möglich besuchen - es gibt ja auch definitiv unattraktivere Reiseziele als die kalifornische Bay Area. Der knapp zwölfstündige Flug aus Deutschland ist aber ein Problem, nicht nur wegen Trombosegefahr und Langeweile: Eingepfercht zwischen Mitreisenden, wenig Fußraum, trockene und kalte Luft aus der Klimaanlage, Stunden des unbequemen Sitzens - ich könnte schlichtergreifend darauf verzichten.

Doch ist man erst im Flugzeug, ist es meistens schon zu spät: Das Wichtigste ist die Vorbereitung. Wenn man so wie ich oft lange Strecken fliegt, entwickelt man automatisch eine kleine Wissenschaft, um die Zeit angenehmer zu gestalten - die kleinen Tricks kann aber jeder Reisende anwenden.

1. Ein bisschen besser als der Rest: das Sondermenü

Kaum ist der Flieger in der Luft, beginnt das große Warten - und zwar auf den Bordservice. Das Essen an Bord ist eine der wenigen Abwechslungen während eines Langstreckenfluges. Und wenn man unglücklicherweise in Reihe 57 sitzt, dauert es ziemlich lange, bis sie einen erreicht. Der Trick: Bestellen Sie gleich bei der Flugbuchung ein Sondermenü. In diese Rubrik fallen vegetarische, vegane, glutenfreie, laktosefreie und Halal-Gerichte, um nur einige zu nennen.

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Sondermenüs sind meistens frischer, enthalten mehr Gemüse und weniger Kohlenhydrate.

(Foto: fitness-id.de)

Das Gute: Um dem Kabinenpersonal die Arbeit zu erleichtern, werden diese Gerichte zuerst serviert. Außerdem hat sich meiner Erfahrung nach gezeigt, dass die Sonderkost vielfältiger und gesünder zubereitet ist als das Standardessen. In den "normalen" Gerichten verarbeiten die Fluggesellschaften meistens kostengünstige Kohlenhydrate in rauen Mengen, ohne ausreichend auf den Anteil an Ballaststoffen zu achten - und der ist, gerade wenn man lange sitzt, wichtig für die Verdauung. Die meisten Fluggesellschaften bieten Sondermenüs umsonst an, man muss nur schon bei der Buchung daran denken.

2. Nicht im Schlabberlook, aber trotzdem bequem

Skinny Jeans, Blazer und High Heels sehen super aus, sind aber auf Langstreckenflügen absolut unbrauchbar. Warum sollte man sich in eine enge Hose quälen, wenn man für die nächsten Stunden sowieso nur sitzt? Und mal ehrlich: Die Anzahl der sympathischen, gutaussehenden Sitznachbarn, für die sich dieser Aufwand lohnen würde, war bei mir bis jetzt auch mehr als überschaubar. Flugzeugkabinen sind keine Catwalks, aber ganz gehen lassen sollte man sich auch nicht. Frauen haben es bei der Wahl des perfekten Cozy-Outfits für Langstreckenflüge etwas leichter als Männer: Eine lange Bluse, Kleid oder kuscheliger Pulli obenrum - so sieht keiner das Gummibund der Leggins. Ein dickes Paar Extra-Socken ist ebenfalls zu empfehlen, so kann man auch mal aus den Schuhen raus.

Männer machen sich das Leben ebenfalls bedeutend leichter, wenn sie auf den Maßanzug einige Stunden verzichten und stattdessen eine weiche Jeans oder Chino-Hose mit einem knitterfreien Button-Down-Shirt tragen. Nachts wird die Kabine auf etwa 18 Grad C abgekühlt, tagsüber hingegen auf über 21 Grad C aufgeheizt. Wer sich im Zwiebellook angezogen hat, ist klar im Vorteil. Ein Schal oder ein Tuch helfen, einem steifen Nacken durch die Kälte der Klimaanlage vorzubeugen.

3. Das "Survival Kit" - sechs Dinge, die man immer braucht

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Jedes "Survival-Kit" ist individuell - Feuchtigkeitscreme sollte aber immer dabei sein.

(Foto: journelles.de)

Um sich nach einem langen Flug nicht ganz so schlapp, müde und ungepflegt zu fühlen, sollte man sich einen kleinen Überlebensbeutel mit ins Handgepäck nehmen. Bei mir befinden sich neben einer Schlafmaske und Ohrenstöpseln (siehe Punkt 4) vor allem Hygieneprodukte im Beutel: Desinfektionstücher, Zahnbürste und Zahnpasta (es gibt nichts Schöneres, als sich vor der Landung die Zähne zu putzen) sowie eine Feuchtigkeitscreme.

Die Luft in der Kabine wird während dem Flug immer trockener, die Hände rau und das Gesicht fahl. Gerade wenn man zuvor einen Strandurlaub gemacht hat, schuppt sich die Haut ganz schnell. Meiner Erfahrung nach hilft es, sich alle zwei Stunden Gesicht, Arme und Hände einzucremen - eine All-in-one-Creme ist dafür völlig ausreichend, man braucht nicht extra eine Gesichts-, Hand- und Körperlotion.

4. Die richtige Uhrzeit wählen

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Die Weltuhr-Funktion hilft, zu sehen, wo gerade Tag und Nacht ist.

(Foto: imago)

Am Ankunftsort ist jetzt Schlafenszeit, doch meine innere Uhr sagt etwas anderes? An dieser Stelle ist Selbstdisziplin gefragt, da mag das Unterhaltungsprogramm an Bord noch so spannend sein. Stellen Sie gleich zu Beginn der Reise Ihre Uhr auf die Uhrzeit am Zielort ein oder wählen Sie die Weltuhr-Funktion auf Ihrem Smartphone. In puncto Jetlag wirkt dieser kleine Trick Wunder. Auf Knopfdruck zu schlafen ist zwar Übungssache, man kann es aber lernen, glauben Sie mir! Auch wenn ich immer dachte, eine Schlafmaske und Ohrenstöpsel wären nur etwas für trutschige Großmütter - sie helfen jedoch tatsächlich weit mehr als gedacht.

5. Flüssigkeit ist nicht gleich Flüssigkeit

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In der Luft trocknet der Körper schneller aus - viel Trinken ist daher ein absolutes Muss.

(Foto: air berlin)

Aufgrund der Höhe trocknet der menschliche Körper in Flugzeugen schneller aus, viel trinken ist also ein Muss. Doch den Durst mit literweise Kaffee oder dem einen oder anderen alkoholischen Drink (ich weiß, es gibt sie umsonst) zu löschen, ist leider der falsche Weg. Sowohl Koffein als auch Alkohol halten uns vom Schlafen ab - und wer so viele Gin Tonics intus hat, dass er komatös ins Nirvana gleitet, kommt sicherlich auch nicht erholt am Zielort an.

Auch von Getränken mit viel Kohlensäure sollte man lieber die Finger lassen: Gerade in Kombination mit dem vielen Sitzen kann man schnell Bauchweh bekommen.

6. Auf Wanderschaft gehen

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Der Gang ist zwar eng, aber zwischendurch aufstehen und Beine vertreten ist gut für die Gesundheit.

(Foto: imago/Gerhard Leber)

Langstreckenflüge sind beinahe ein Garant für verspannte Nacken, schmerzende Rücken oder eingeschlafene Beine. Solange die Anschnallzeichen aus sind, sollte man regelmäßig in Richtung des Servicebereichs oder zu den Toiletten zu laufen. Das bringt den Kreislauf in Schwung und schützt vor Thrombose. Um nicht ständig über seine Sitznachbarn klettern zu müssen - auch wenn das natürlich auch eine sportliche und damit sinnvolle Übung ist - lohnt sich ein Platz am Gang.

7. Alles für die Unterhaltung

Ist an meinem Zielort Tag, versuche ich diese Zeit in wachem Zustand rumzukriegen. Mein eigenes Unterhaltungsprogramm beinhaltet ein iPad mit gespeicherten Filmen und Serien, ein Buch und zwei bis drei Zeitschriften. Den Konsum teile ich mir in "Etappen" ein, das bringt mehr Abwechslung und die Zeit geht schneller rum: Die ersten zwei Stunden wird gelesen, dann eine Serie geschaut, dann wieder gelesen, dann wieder eine Serie oder ein Film geschaut. Für mich ist das, wie Häkchen auf einer To-Do-Liste abzuhaken - und das kann ungemein befriedigend sein. Für den Fall, dass der Sitz keinen USB-Anschluss hat, sollten Ladekabel und tragbare Batterie im Handgepäck mit dabei sein.

8. Der Geheimtipp

Lassen Sie sich beim Boarding ruhig Zeit! Wenn schon so gut wie alle anderen Passagiere im Flugzeug sind, die Durchsage zum Einsteigen schon mehrfach wiederholt wurde und der Flughafenmitarbeiter Sie genervt anschaut - genau dann ist der richtige Zeitpunkt für die Sitzplatzssuche. Ist das Flugzeug nicht komplett ausgebucht, können Sie jetzt die Chance auf eine ganze freie Reihe nur für sich selbst nutzen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und guten Flug!

Quelle: n-tv.de

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