Reise

Städtetrip nach Catania Ein Elefant auf Sizilien

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Straßenszene an einem Sommerabend.

(Foto: Janna Guichet)

Das touristische Misstrauen gegenüber der Türkei und Nordafrika hat andere Sonnenziele am Mittelmeer (wieder) aufblühen lassen. Schon vorher ein Geheimtipp für eine Städtereise: Catania auf Sizilien.

Tourismus in Catania boomt auch, weil Sizilien seit einigen Jahren durch die gute Anbindung durch Billigfluggesellschaften für europäische Urlauber näher gerückt ist. Aber wenn man Zeit hat, ist auch die Anreise über den Landweg lohnenswert und der Weg dabei das Ziel. Per Zug oder Auto geht es an Neapel vorbei mit Meerblick mehrere Stunden den Fußrücken des italienischen Stiefels runter gen Süden. Dann wird man verladen auf die Fähre und genießt auf der kurzen Überfahrt das mediterrane Treiben auf der Straße von Messina.

Ein Elefant aus Lavastein ist das Symbol der Stadt. Foto Janna Guichet.jpg

Ein Elefant aus Lavastein ist das Symbol der Stadt.

(Foto: Janna Guichet)

Auf der größten Mittelmeerinsel geht es nochmal 100 Kilometer die Ostküste hinunter, rechts aus dem Fenster raucht der äußerst aktive Vulkan Ätna, unter ihm Weinberge, Orangenhaine und Baumschulen. Und schließlich erreicht man Catania, mit über 600.000 Einwohnern im Umland nach Palermo die zweitgrößte Stadt der Region. Vor der großen Schwester fast am anderen Ende der Insel muss sich Catania längst nicht mehr verstecken. Mal ist es der Tagesstopp einer Kreuzfahrt, bei dem man auf dem Domplatz den putzigen Stadtelefanten aus Lavastein kennenlernt. Oder die Universitätsstadt ist Ziel für ein Auslandsstudium in den beeindruckenden Gemäuern eines ehemaligen Benediktiner-Klosters. Oder man will im Frühling oder Herbst ein paar Tage Sonne tanken und Natur mit einer aufregenden Stadt kombinieren: Wie auch immer - Catania begeistert.

Prachtbauten und Pferde-Sandwiches

Zum Beispiel durch ein fußläufiges Stadtzentrum, in dem man sowohl das volkstümliche sympathische Chaos einer süditalienischen Großstadt erleben kann, aber auch vor glamourösen Barockkirchen und -kathedralen ins Staunen kommt. Barock, denn obwohl Catania schon 729 v.C. gegründet wurde, entstanden fast alle Prachtbauten um 1700. Ein Erdbeben und ein Ätna-Ausbruch hatten wenige Jahre zuvor die Stadt fast vollständig zerstört. Die Lava des omnipräsenten Vulkans ist seit jeher Fluch und Segen der Region. Auf den fruchtbaren Böden im Umland von Catania wachsen Pistazien, Mandeln und all die duftenden Obstsorten, die man auf dem pittoresken Fischmarkt am Rande der Altstadt bekommt. Und natürlich gibt es dort auch Sardinen und Schwertfisch, Seeigel und Venusmuscheln.

Fisch und Meeresfrüchte auf dem Markt in Catania. Foto Janna Guichet.jpg

Fisch und Meeresfrüchte auf dem Markt in Catania.

(Foto: Janna Guichet)

Solche Leckereien gibt es in der edlen Restaurantgasse Via Santa Filomena auf die Teller, oder man traut sich in die weniger touristische Via Plebiscito und gönnt sich an den rauchenden Straßenständen einen typischen Pferdefleisch-Sandwich. Junge Leute treffen sich auch am frühen Abend in der Bar "Uva" unterhalb der eleganten Jura-Fakultät, oder ab Mittwoch auf dem Platz vor dem pompösen Teatro Massimo. Montags hängt man ab am "Ostello" auf der Piazza Currà. Wer sein Bier nicht selbst mitbringt bekommt hier richtig gute Cocktails. Aber nicht nur gastronomisch, auch kulturell hat Catania einiges zu bieten.

Staufer, Araber und Normannen

Ein paar Gassen hinter dem Ostello findet man das Kastell Ursino, das im 13. Jahrhundert vom Stauferkaiser Friedrich dem Zweiten gebaut wurde und seit jeher auf mysteriöse Weise von allen Lavaströmen verschont blieb. Bis vor wenigen Jahren war diese Ecke noch verpönt als verdreckt und mitunter gefährlich, aber zuletzt blüht dieser Teil der Altstadt auf durch ein interessantes Museum im Kastell, nette Cafés und das alternative Kulturzentrum Gammazita, das zum Beispiel Mitte September ein Festival der Straßenkünste organisiert.

Die Staufer waren übrigens nicht die einzigen Herrscher aus der Ferne, die Catania als strategisch und äußerst lebenswert entdeckt hatten. Gegründet von Griechen, blühte die Stadt unter den Römern auf und wurde später erobert von Goten, Byzantinern, Arabern, Normannen und Spaniern. Allesamt haben sie Bauten und Bräuche, Rezepte und Gene hinterlassen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die gastfreundlichen und lauten Catanesen zuallererst Sizilianer und erst danach auch Italiener sind.

Quelle: n-tv.de

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