Reise
Der Rainbow Mountain fasziniert viele Peru-Touristen.
Der Rainbow Mountain fasziniert viele Peru-Touristen.(Foto: Steffen Trumpf/dpa-tmn)
Freitag, 10. November 2017

Vinicuncas Zauber: Regenbogenberg fasziniert Peru-Urlauber

Der Vinicunca im Süden Perus ist etwas ganz Besonderes, er wird wegen seiner Farbenpracht auch Regenbogenberg genannt. Das lockt viele Touristen an. Eine besondere Überraschung wartet im Tal hinter dem Berg.

Guillermo drückt aufs Tempo. Der Guide aus der peruanischen Touristenhochburg Cusco hat einen strikten Zeitplan für den heutigen Tagesausflug. Auf den ersten Touren, die er auf den Vinicunca angeboten hat, ist er immer mal wieder in Verzug geraten. Die Planung ist nicht einfach: Manche schaffen den Aufstieg in knapp drei Stunden, andere brauchen deutlich länger - und wollen am liebsten gar nicht mehr herunter, nachdem sie einen ersten Blick auf die surreale Optik des Berges geworfen haben.

Der Tourismus am Vinicunca muss sich erst noch einspielen. Vor gut zwei Jahren haben Reiseagenturen ihn für sich entdeckt. Guillermo sagt, dass der mehr als 5000 Meter hohe Berg lange Zeit von zu viel Schnee bedeckt gewesen sei. Und die paar Peruaner, die in den kleinen Dörfern der Region lebten und von der Magie des Gebirgszuges wussten, hätten den Vinicunca einfach Vinicunca sein lassen. Nicht einmal im aktuellen "Lonely Planet" ist der Berg zu finden. Das dürfte sich bald ändern. Der Berg in der Nähe des mächtigen und schneebedeckten Ausangate entwickelt sich momentan zu einer echten Touristenattraktion, die es mit dem Machu Picchu und den anderen Höhepunkten des südamerikanischen Landes aufnehmen will. Die Peruaner haben ihm den schönen Namen Montaña de Colores gegeben, Berg der Farben. Unter Reisenden hat er einen ähnlich wohlklingenden, englischen Namen erhalten: Rainbow Mountain - Regenbogenberg.

Bis zu sieben Farben

Farbenpracht, soweit das Auge reicht.
Farbenpracht, soweit das Auge reicht.(Foto: Steffen Trumpf/dpa-tmn)

Das ist nicht übertrieben. Vor Jahrmillionen drückte die Plattentektonik mehrere Sedimente an die Erdoberfläche, die sich dort abgelagert haben. Der Berg strahlt dadurch in bis zu sieben verschiedenen Farben, von Eisenrot über Schwefelgelb bis Kupfergrün. Derzeit kommen in der Hauptsaison täglich rund 600 Touristen zu dem Berg, wie Haydee Pacheco Melendez von der Tourismusbehörde des zuständigen Bezirks Pitumarca sagt. Zum Vergleich: Am Machu Picchu, dem Touristenmekka Perus, sind es mehr als viermal so viele. Die Fahrt zum Rainbow Mountain ist aufreibend. Wer als einer der Ersten am Berg sein möchte, startet in Cusco schon um 3.00 Uhr in der Frühe. Auf das ruckelnde Kopfsteinpflaster der früheren Inka-Hauptstadt folgt eine wilde Fahrt gen Südosten, ehe es entlang eines Flusstals über eine Schotterpiste hinauf auf fast 4500 Meter über dem Meeresspiegel geht.

Gut drei Stunden dauert die Fahrt durch die Dunkelheit. Die meisten der rund 25 Anbieter setzen dabei auf weniger komfortable 16-Sitzer, die eher für die Körpergröße der Peruaner ausgelegt sind - die sind im Durchschnitt etwa 15 Zentimeter kleiner als Mitteleuropäer.

Aussicht auf spektakuläre Gebirgslandschaft

Belohnt wird die komfortfreie Fahrt mit Blicken auf die spektakuläre Gebirgslandschaft, erste Alpaka-Herden, die auf der ohnehin schon wahnsinnig schmalen Straße herumspazieren, sowie der Aussicht auf Frühstück und einen sechs Kilometer langen Weg durch ein beeindruckendes Tal. Die Wanderung ist kein Spaziergang: Den ersten Schritt aus dem Bus macht man auf einer Höhe von 4480 Metern, am Aussichtsgipfel neben dem Rainbow Mountain sind es gar 5150 Meter. Das ist fast 2200 Meter höher als die Zugspitze.

Selbst für Trainierte ist die Wanderung anspruchsvoll. Manche greifen deshalb auf Sauerstoffgeräte zurück, andere gönnen sich den Luxus, per Pferd nach oben gebracht zu werden. Die aufgereihten Vierbeiner warten im Tal wie an einem Taxistand, um Touristen ihrem Ziel näherzubringen. Kostenpunkt: gut 30 Dollar. Je höher man kommt, desto günstiger (und verlockender) werden die Angebote, sich doch von einem Pferd statt von seinen eigenen Beinen zum Gipfel tragen zu lassen.

Auf dem Weg durchs Red Valley

Alpakas kreuzen den Weg.
Alpakas kreuzen den Weg.(Foto: Steffen Trumpf/dpa-tmn)

Die Aussicht auf den Rainbow Mountain entschädigt für jeden Schmerz, den der Anstieg in Beinen und Lunge verursacht haben mag. Mit der streifenförmigen Anordnung der Sedimente sieht der Berg aus der Nähe tatsächlich ein wenig wie ein Regenbogen aus. Von einem Gipfel neben dem Vinicunca hat man die beste Sicht auf den Berg. Zwei junge Däninnen aus der Gruppe entdecken einen schmalen Pfad, der auf der rechten Seite um den Rainbow Mountain herumführt. "Der Weg bringt euch ins Red Valley", sagt Guillermo und schaut unruhig auf seine Uhr. Wenn wir uns beeilten, schafften wir den zwölf Kilometer langen Weg, ehe die Gruppe wieder zurück nach Cusco fahren müsse.

Das lässt sich keiner zweimal sagen. Auf den sechs Kilometer langen Anstieg folgen also zwölf abschüssige Kilometer quer durch das Rote Tal. Startpunkt ist eine Art Kasse direkt hinter dem Rainbow Mountain. Zwei Wächter verlangen fünf Soles Eintritt pro Person, dann senken sie eine über den Weg gespannte Schnur, damit die Reisegruppe hinübersteigen kann. Das Geld, das sie einnehmen, kommt Guillermo zufolge den drei Familien zugute, die im Red Valley leben.

Massentourismus ist noch weit weg

Erst seit einigen Monaten könnten Touristen das Tal überhaupt passieren, sagt der Guide. Viele der Pfade haben Alpaka-Herden in den Boden gestampft, der Massentourismus ist hier noch ganz weit weg Die Wanderung führt zunächst steil und ohne klaren Weg bergab durch eine Unmenge an rotem Sand, der der Asche eines Tennisplatzes ähnelt. Auf einem Berghang grasen Vicunjas, eine Art wilde Bambi-Version des Alpakas. Ein angeleintes Pferd steht mitten im Tal herum. Auch Guillermo blickt für einen Moment in die Ferne. "Schön, oder?", sagt er in seinem nicht perfekten Englisch. Dann grinst er.

Nach den ersten Kilometern begegnen einem Herden von Alpakas. In das Rot der Landschaft mischt sich mit der Zeit immer mehr Grün, das den Vierbeinern als Nahrung dient. Peru wirkt hier fast ein bisschen wie Irland, nur dass statt Schafen lauter Alpakas in der Landschaft herumstehen - und sich eben ein Berg um die Ecke befindet, der wie ein Regenbogen aussieht.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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