Reise

Vom Mars bis in den Garten Eden Wandern und Wellness auf Teneriffa

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Der Vulkan Teide.

(Foto: Carola Ferstl)

Schon beim Anflug wird klar, Teneriffa ist keine Insel wie jede andere. Mächtig erhebt sich der Teide über dem Eiland. An seinen Flanken sammeln sich Wolken, die die 3700 Meter des Vulkangiganten nicht überwinden können.

Dicht an der afrikanischen Küste mit Stränden aus Wüstensand: So kennen viele Urlauber die Kanaren. Nebelwälder mit meterhohen Farnen und Berge aus türkisfarbenem Stein sind dagegen nur für diejenigen sichtbar, die von den Sonnenliegen aufstehen und den Weg auf sich nehmen. Am besten geht das auf spektakulären Wanderungen und Routen.

Gleich am ersten Tag geht es ins nordwestliche Teno-Gebirge mit seinen Schluchten und gigantischen Felsen, die an einigen Stellen bis zu 500 Meter senkrecht ins Meer stürzen. Die Masca-Schlucht ist die wohl berühmteste Wanderroute und bietet sowohl für das Auge als auch für die Kondition das volle Programm. Rund 600 Meter muss man absteigen vom romantischen Felsendorf Masca, in dem man vor dem Marsch noch eine kleine Stärkung zu sich nehmen kann. An der Kirche vorbei steigt man ein in die Schlucht - immer tiefer,  herum um riesige Steinköpfe. Die Erosion hat die fantasievollsten Formen in den Stein gehauen. Mehrere Hundert Meter türmen sich die Felsen neben dem Wanderer auf , bis endlich nach vielen Windungen und labyrinthartigen Wegen das Rauschen des Meeres zu hören ist und dann auch in tiefem Blau vor einem liegt.

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Das Dorf Masca.

(Foto: Carola Ferstl)

An ruhigen Seetagen kommen Wassertaxis vorbei und sammeln die Wanderer auf, bei Wellengang können die Boote nicht anlanden und der Aufstieg zurück nach Masca ist der einzige Weg hinaus aus der Schlucht. Wenn man dabei erst einmal den inneren Schweinehund überwunden hat, sieht man noch einmal ganz andere Formationen und bekommt einen völlig neuen Eindruck von der Wanderung. Nicht mehr die Tiefe ist dann der Kick, sondern die riesigen Steinmassen vor dem Wanderer, die es zu bezwingen gilt.

Ruhe in den Wintermonaten

Viel gemächlicher geht es in den Januar- und Februarwochen im wunderschönen Tal von Santiago del Teide zu, denn hier blühen nun die Mandelbäume. Eine Wanderung durch Haine voller Blüten zwischen stacheligen Kakteen ist entspannend und anregend zugleich. "Ruta del Almendro" wird der Weg genannt, die "Straße der Mandelbäume". Immer wieder kann man stehen bleiben und die Aussicht über das Meer bis nach Gomera und La Palma genießen. Blickt man in die andere Richtung, erhebt sich majestätisch der Teide, manchmal zu dieser Zeit noch schneebedeckt und scheinbar aus einer anderen Welt.

Auch an einem wanderfreien Tag muss man die schöne Natur nicht missen. Die Gartenanlage des Hotel "Botanico" in Puerto de la Cruz ist quasi eine Mini-Ausgabe der ganzen Insel. Ein ausgebildeter Führer erklärt den Gästen einmal pro Woche die Flora und Fauna des üppigen Paradieses. Der deutsche Wolfgang Kießling hat sich hier bereits vor rund 40 Jahren einen Traum erfüllt - einen parkartigen Garten rund um das 5-Sterne-Hotel mit blühenden, sprießenden Pflanzen, darin Volieren mit exotischen Papageien. Die sind die große Liebe des Kölner Wahlkanaren. Eine der größten Papageiensammmlungen der Welt hat er zusammengetragen, zu bewundern im nahegelegenen "Loro Parque" (Papageienpark).

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Im Norden der Insel ist die Kulisse malerisch.

(Foto: Carola Ferstl)

Hier führt Sohn Christoph die staunenden Gäste durch den Zoo, unterscheidet die großen und kleinen Vögel an der Farbe oder ihrem Nestbau-Stil. In einem riesigen Freigehege turteln grün-rote Papageien nur eine Armlänge entfernt und lassen sich in ihrem Liebesspiel von den menschlichen Besuchern nicht stören. So müssen sich Adam und Eva gefühlt haben, bevor die Sache mit dem Apfel passierte. Nach dem visuellen Genuss ist es nur einen Katzensprung bis ins neueste Restaurant der Insel, dem "Brunelli's". Hier gibt einen Ausblick, der atemlos macht. Die gesamte Rückseite des Gebäudes lässt sich dank einer versenkbaren Scheibe öffnen, so dass der Gast beinahe über dem Meer speist. Frisch gestärkt geht es auf die nächsten Berge.

Teneriffa bestand vor Millionen Jahren aus drei Teilen, die durch vulkanische Aktivität quasi zu einer Insel verschmolzen. Durch die unterschiedlichen Gegebenheiten der Landschaft gibt es eine Vielfalt wie auf keiner anderen kanarischen Insel. Das wird deutlich, wenn man in den Nebelwald auf der nord-östlichen Seite der Insel wandert.

Das Anaga-Gebirge ist der älteste Teil der Insel, hier entfalten die Wolken, die am Teide hängen bleiben , ihre wunderbare Wirkung und erschaffen eine unvergleichliche Landschaft. Zwischen scharfen Graten und Schluchten ergießt sich eine explodierende Pflanzenvielfalt über die Felsen. Meterhohe Farne und exotische Blumen, die es nur hier gibt, ein undurchdringlicher Dschungel verdunkelt immer wieder die Sicht, um dann, ganz plötzlich, nach einer weiteren Biegung den Blick freizugeben auf das gewaltige Massiv und das Meer, das seine hohen Wellen mit donnernder Gewalt gegen die Felsen krachen lässt.

Von der Blütenpracht bis zum Mars

Als wäre dieses Naturschauspiel nicht genug, wartet der Höhepunkt einer Wanderreise nach Teneriffa, fremd wie eine Marslandschaft. Die abweisende und gleichzeitig faszinierende Caldera rund um den Vulkan Teide mit ihren Felsen in unterschiedlichsten Farben von rot über schwarz bis türkis ist vor etwa 300.000 Jahren entstanden, als ein noch viel größerer Vulkan in sich zusammenbrach.

Später erhoben sich neue Vulkankegel in dieser Ebene, von denen der Teide mit 3718 Metern der höchste ist. Mit dem Auto gelangt man bis an die Seilbahn zum Gipfel oder nutzt den Parkplatz als Ausgangspunkt für spektakuläre Wanderungen. Ein kurzer Rundweg, der sich sogar mit kleinen Kindern machen lässt, geht einmal um die Roques de Garcia, die wohl bekannteste Felsformation der Insel. Finger Gottes wird ein besonders markanter freistehender Fels genannt, der massiv und gerade in den Himmel zeigt.

An der Flanke entlangwandern

Wer höher hinaus will, der kann das mit besagtem Lift tun oder den anstrengenderen Aufstieg an der Flanke des Teide wählen. Allerdings muss man beachten, dass aus Naturschutzgründen nur eine gewisse Anzahl von Wanderern auf den Gipfel gelassen wird. Die entsprechende Genehmigung sollte man sich vor der Reise kostenlos im Internet bestellen oder vor Ort bei einem der zahlreichen Wanderführer mit kürzerer Wartezeit kaufen.

Wem das alles zu kompliziert klingt, der kann eine Übernachtung auf der Hütte am Fuß des Gipfels einplanen und am nächsten Morgen bis neun Uhr zum Sonnenaufgang den Gipfel des Teide erklimmen. Im Hüttentarif ist die Genehmigung schon inklusive.

Mit Muskelkater und schmerzenden Füßen, aber mit den farbigen Erinnerungen an wunderbare Wanderungen endet der Aufenthalt in einem der laut Tripadvisor besten Spas Europas. Im "Oriental Spa Garden" in Puerto de la  Cruz kann man auch in den ersten Monaten des Jahres in den Außenbecken entspannen und in den sternenklaren Himmel blicken, wenn in Deutschland die Menschen noch in der Kälte bibbern. Kein Wunder, dass die Gegend im grünen Norden der Insel schon seit mehr als 100 Jahren die Reisenden anzieht. Passend zur Insel bietet das Spa das kanarische Ritual. Es verbindet ein Meersalzpeeling mit einer Massage mit warmen runden Lava-Steinen. Nach der Anstrengung der vorherigen Tage ein passender Abschluss und eine Entschädigung für so manchen spitzen Stolperstein, den der Teide für den Wanderer bereitält.

Weiter Informationen zur Autorin finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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