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Dopingopfer wird nur 63 Jahre DDR-Gewichtheber Gerd Bonk ist tot

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Gerd Bonk 1976: Der Athlet aus Thüringen stellte in dem Jahr mit 252,5 Kilo einen Weltrekord im Stoßen auf.

Schwer erkrankt durch staatlich verordnete Dopingmittel ist der frühere Weltklasse-Gewichtheber Gerd Bonk im Alter von nur 63 Jahren verstorben. Über sein Leben sagte Bonk einst: "Von der DDR verheizt, vom vereinten Deutschland vergessen."

Der ehemals stärkste Mann der Welt ist tot: Der frühere Gewichtheber Gerd Bonk starb am Montag nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren in seinem Heimatort Greiz. Das teilte die Doping-Opfer-Hilfe (DOH) unter Berufung auf seine Witwe mit.

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Gerd Bonk (r.), hier 2002 mit Boxer Henry Maske, ist eines von rund 200 staatlich anerkannten DDR-Dopingopfern.

Bonk war eines von rund 200 staatlich anerkannten Doping-Opfern der ehemaligen DDR. Zuletzt hatte der ehemalige Weltrekordler unter schweren Organschäden gelitten. Nach Angaben des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), der von Bonks Familie über den Tod informiert wurde, war Bonk bereits Ende September "nach einem Totalzusammenbruch und zweifacher Reanimation ins Koma gefallen". Bonk hinterlässt seine Frau und einen Sohn.

Der Superschwergewichtler schaffte 1975 im Stoßen mit 246,5 Kilogramm einen neuen Weltrekord und überbot ein Jahr später diese Bestmarke noch einmal um sechs Kilogramm. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München gewann Bonk die Bronzemedaille, vier Jahre später in Montreal Silber. Insgesamt erkämpfte er in seiner Karriere 31 internationale Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften.

11,5 Gramm Oral-Turinabol pro Jahr

Das alles gelang dem gebürtigen Limbacher aber nicht nur durch seine enorme Muskelkraft, sondern vor allem durch Doping. Bonk wurde jahrelang massiv gedopt. Laut DOH waren Bonk innerhalb des Staatsplans der DDR jährliche Anabolika-Mengen von bis zu 11,5 Gramm Oral-Turinabol verabreicht worden. "Da kam der Arzt mit einem Tablett rein und sagte, wenn du das nicht nimmst, bist du morgen raus", erzählte Bonk einmal der "Süddeutschen Zeitung". Man habe ihn über die möglichen Langzeitfolgen nicht aufgeklärt, sondern lediglich gesagt: "Da wächst ein bisschen der Bart, mehr passiert nicht."

Das war eine Lüge. Nachdem der 150-Kilo-Mann 1984 die Leistungen nicht mehr brachte, wurde er aussortiert und erhielt in seinem damaligen Sportclub Karl-Marx-Stadt laut DOH keine medizinische Betreuung mehr. Kurz nach seinem Karriereende 1989 wurde Bonk zum Invaliden - mit nur 37 Jahren. "Der DDR-Sport", sagte Bonk einmal, "hat meinen Körper ruiniert."

Wegen kaputter Nieren sowie schwerer Organschäden saß er im Rollstuhl und musste dreimal in der Woche zur Dialyse. Seinen Humor verlor Bonk nicht: "Ich hatte mal einen Weltrekord im Gewichtheben. Vielleicht mache ich jetzt noch einen Dialyse-Weltrekord."

Als anerkanntes Dopingopfer erhoffte er sich nach der Wende mehr Unterstützung vom Staat, als ihm letztlich gewährt wurde. Sein eigenes Leben umschrieb Bonk daher so: "Verheizt von der DDR, vergessen vom vereinten Deutschland."

Quelle: ntv.de, bwe/cwo/sid/dpa