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Draisaitl kommt, Sorge um Greiss DEB-Team spielt erst bockig, dann flockig

Das deutsche Eishockey-Team braucht gegen die Slowakei lange, um auf Temperatur zu kommen. Der Sieg im Penaltyschießen soll nun zur WM-Initialzündung werden. Gute Laune hat der Bundestrainer aber auch aus anderem Grund.

Der deutsche Eishockey-Held musste erst mal gewaltig leiden. Gegen die Slowakei für den angeschlagenen Thomas Greiss aufs Eis gekommen, kassierte Goalie Danny aus den Birken nach wenigen Minuten ein ziemlich blödes Tor – 0:2 (22. Minute). Libor Hudacek scheffelte den Puck eher verlegen als in irgendeiner schwungvollen Absicht von halbrechts in die Mitte. Kein Druck, keine Gefahr – bis die Hartgummischeibe plötzlich hinter der Linie liegt, durch die Schienen von aus den Birken geflippert. "Es hat ihn kalt erwischt", sagte Bundestrainer Marco Sturm noch am Mittwochabend nach dem vierten Vorrunden-Spiel der Heim-WM in der Köln-Arena und schob qua Amt freundlich nach: "Den muss er vielleicht haben."

DEB-Gegner: Dänemark
  • Seit dem Aufstieg in die A-Gruppe 2003 sind die Dänen zweimal in die Runde der letzten Acht vorgestoßen: 2010 und 2016 wurden sie am Ende Achte.
  • Wichtigster Akteur bei der WM ist ohne Zweifel Flügelstürmer Nikolaj Ehlers von den Winnipeg Jets. In der abgelaufenen Saison verbuchte der 21-Jährige 64 Scorerpunkte (25 Tore, 39 Assists).
  • Aus der DEL stieß Mads Christensen von Red Bull München zur Mannschaft, auch Nicholas Jensen von den Fischtown Pinguins Bremerhaven steht im Kader.
  • Im bisherigen Turnierverlauf gelang den Dänen nur gegen die Slowakei ein 4:3-Erfolg nach Penaltyschießen, gegen Lettland (0:3) und die USA (2:7) setzte es deutliche Niederlagen.
  • Die deutsche WM-Bilanz gegen Dänemark: Zwei Siege, drei Niederlagen
  • Letzter WM-Sieg gegen Dänemark: 2:1 am 12. Mai 2012 in Stockholm

Doch so schlecht der Goalie von Red Bull München auch aussah, so sinnbildlich stand er in dieser Phase für den Rest der Mannschaft. Nervös, irgendwie nicht wach. Ein bisschen verzweifelt, weil es um so viel ging. Ein Knackpunkt-Spiel sollte es doch sein, wie vergangenes Jahr bei der WM in Russland. Als der 5:1-Sieg gegen die Slowaken nach zwei Niederlagen zum Auftakt die Wende zum Besseren brachte. Dieses Déjà-vu hatten sie sich gewünscht. Sie bekamen es – wenn auch erst spät. Im Penaltyschießen. Als Dominik Kahun, ebenfalls Münchener, den Puck als einziger Schütze beider Teams zum 3:2-(2:2)-Sieg elegant versenkte. Als aus den Birken zweimal ganz stark parierte. Und spätestens da seinen blöden Fehler endgültig tilgte.

So lobte Sturm später dann auch: "Danny war ein sehr solider, ruhiger Rückhalt, genauso, wie wir es brauchen." Nicht nur gegen die Osteuropäer, sondern womöglich auch in den nächsten Spielen. Denn die Nummer eins, Thomas Greiss, hatte sich gegen die Slowaken verletzt. Der 31-Jährige war nach wenigen Minuten beim Stand von 0:1, einem ebenfalls unglücklichen Gegentreffer (seinem 13. im Turnier), ausgewechselt worden - offiziell wegen einer Verletzung am Oberkörper, über die er laut Sturm schon vor dem Spiel geklagt hatte. Am Donnerstag verzichtete der Keeper der New York Islanders auf das Training, stattdessen ließ er sich behandeln. Eine Nachnominierung von Philipp Grubauer, der mit den Washington Capitals in der vergangenen Nacht aus den NHL-Playoffs ausgeschieden ist, ließ Sturm offen. "Es muss Sinn machen." Aktuell scheint die Verletzung von Greiss nicht allzu schlimm.

Der auslaufende Vertrag bereitet Probleme

Mehr Klarheit herrscht in der Personalie Leon Draisaitl. Deutschlands Super-Talent will auf jeden Fall zur Heim-WM nachreisen. In der Nacht war der 21-Jährige mit seinen Edmonton Oilers ebenfalls aus der K.o.-Runde geflogen. Bevor sich Draisaitl aber in seine Heimatstadt aufmachen kann, müssen noch einige versicherungstechnische Fragen geklärt werden. Der Vertrag des Jungstars bei den Oilers läuft aus, ein neues, gültiges Arbeitspapier gibt es noch nicht. Der Deutsche Eishockey-Bund muss einen Gehaltsausfall im Falle einer schweren Verletzung versichern.

In Kanada, Draisaitls sportlicher Heimat, wird spekuliert, dass der Youngster künftig mindestens sechs Millionen Dollar im Jahr verdienen wird, die Versicherungsprämie dürfte deshalb sechsstellig sein. "Wir sind darauf vorbereitet. Wir werden alles tun, dass es klappt", sagte DEB-Präsident Franz Reindl dem Sport-Informations-Dienst, "ich gehe nicht davon aus, dass es Probleme gibt." Die notwendige Summe werde mithilfe von Sponsoren aufgebracht. Spätestens im vermutlich entscheidenden Vorrundenspiel um den Viertelfinaleinzug am Dienstag gegen Lettland soll er aber auf dem Eis stehen.

Gegen die Osteuropäer, die nach Siegen gegen Dänemark (3:0), die Slowakei (3:1) und Italien (1:2) aktuell Tabellenführer der Gruppe A sind, werden sich die Deutschen eine derart lange Anlaufphase wie gegen die Slowaken vermutlich nicht erlauben dürfen. Denn knapp anderthalb Drittel wirkte das Spiel der DEB-Jungs verkrampft und unpräzise. Gegen die Box-Verteidigung gab's kaum gefährliche Situationen. Gegen das harte Körperspiel fehlte die Gegenwehr. "Offensichtlich waren sie zu angespannt", so Sturm über den wackeligen Start. "Das war nicht unser bestes Spiel. Aber die Jungs haben nach dem Rückstand Charakter gezeigt." Der Zittersieg soll nun zur Initialzündung werden. "So ein Spiel muss man erst mal gewinnen. Man hat direkt danach gesehen: Die Jungs waren sofort gelassener und lockerer." Verteidiger Dennis Seidenberg bestätigte das. "Die Erleichterung war sehr groß, weil wir sehr schlecht angefangen haben".

Dann aber kam der spektakuläre 26-Sekunden-Doppelschlag durch die beiden Nürnberger Patrick Reimer und Yasin Ehliz (37.). Dann kämpften und spielten die Deutschen mutig und stark. Dann war auch Danny aus den Birken hellwach. Und wurde zum Helden.

Quelle: ntv.de