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Duplantis knackt Bubkas Rekord Das Wunderkind ist längst der Überflieger

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Duplantis spürt es: Der Weltrekord ist seiner.

(Foto: REUTERS)

Armand Duplantis - dieser Name geht für immer in die Leichtathletik-Geschichtsbücher ein. Der Schwede ist gerade einmal 20 Jahre alt, doch schon jetzt gehören ihm die Weltrekorde im Stabhochsprung. Vor drei Jahren angetreten als Wunderkind, hat er sich längst zum Überflieger entwickelt.

Es gibt Stabhochspringer, die mogeln sich so eben über die Latte, die sind versucht, mit den Fingern die Latte auf die kurzen Auflieger zurückzuschieben - was natürlich verboten ist. Es gibt die, die mit den Beinen schon drüber sind über die Höhe und dann mit dem Bauch oder der Brust doch noch reißen. Es gibt die, bei denen der Flug angestrengt nach Schwerstarbeit aussieht - was es auch ist. Und es gibt Armand Duplantis.

Armand Duplantis am 8. Februar in der Halle im polnischen Torun, wo er den Hallen-Weltrekord auf 6,17 Meter verbessert. Armand Duplantis sieben Tage später in Glasgow, wo er noch einen Zentimeter draufpackt. Und Armand Duplantis ein halbes Jahr später, am 17. September in Rom, wo er sich zudem die Freiluft-Bestmarke schnappt. 6,15 Meter liegen beim Diamond-League-Meeting für ihn auf, den ersten Versuch hat er gerissen. Er pustet im Anlauf die Wangen auf, atmet noch mal durch, hebt seinen mehr als fünf Meter langen Stab in Position nach schräg oben vor sich gestreckt, blickt hoch an die Spitze seines Sportgerätes, läuft an, 5, 10, 15, 17 Schritte, platziert den Stab im Einstichkasten und katapultiert sich nach oben.

Von da an sieht es aus wie nur bei jemandem, der ein absoluter Könner ist: artistisch, leicht, fast spielerisch. Alle Muskeln des Körpers arbeiten perfekt zusammen, aufrollen, strecken, im richtigen Moment über der Latte drehen, um wieder zu landen. Und dann weiß er es selbst: 6,15 Meter - er hat den Weltrekord. Sein Oberkörper fliegt noch auf Höhe der Latte, da ballt er bereits die Fäuste, nutzt die Flugzeit zum Jubel, schreit seine Freude heraus.

"Das ist so cool"

Der Schwede, der einen amerikanischen Vater hat und dort lebt, ist erst 20 Jahre alt. Doch der WM-Zweite und Europameister ist längst der Dominator seiner so komplexen Disziplin. An diesem Abend in Rom toppt er die Freiluft-Bestmarke von Sergej Bubka aus dem Jahr 1994. In der Halle war der Franzose Renauld Lavillenie bereits höher gesprungen als der legendäre Ukrainer. Nun ist Duplantis der alleinige Beste: "Ich wollte die Höchstmarke im Freien, um alle Konfusionen zu beenden. Jetzt habe ich die besten Sprünge drinnen und draußen."

So richtig kann er seine Leistung selbst nicht fassen. "Weltrekord - endlich! Das ist so cool. Ich wollte unbedingt über diese 6,15 Meter", sagt der Schwede. "Das ist so verrückt!" Dabei hatte sich abgezeichnet, dass es nur eine Frage der Zeit und der richtigen "Flugluft" ist, bis Duplantis sich auch diesen Rekord sichert. Bereits zweimal versuchte er sich in diesem September an den 6,15 Meter, sowohl in Lausanne als auch in Berlin war es jedoch noch nicht so weit. Jetzt in Rom herrscht im Stadion Windstille - perfekt.

Es scheint als habe ihm das "merkwürdige, aber verrückte Jahr", wie er 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie betitelt, nichts anhaben können. Es ist der 15. Wettkampf in Folge, den er gewinnen kann. Und ein letzter, 16. steht noch an: am 25. September in Doha. In dem Stadion, in dem er sich bei der WM im vergangenen Jahr noch dem US-Amerikaner Sam Kendricks geschlagen geben musste, findet der Abschluss der Diamond League statt. "Danach kann ich richtig Party machen - und mal ausspannen", sagt Duplantis. Dabei sieht das Fliegen bei ihm doch so einfach aus.

Quelle: ntv.de