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Ski-Nationalteam ohne Chefcoach Ehemann verbietet Trainerin die Reise zur WM

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Zargari darf den Iran nur mit Zustimmung ihres Ehemannes verlassen.

(Foto: picture alliance / ATP)

Die iranische Mannschaft muss bei der alpinen Ski-WM ohne ihre Cheftrainerin auskommen. Allerdings fällt Samira Zargari nicht etwa krankheitsbedingt aus - ihr Ehemann hat die Ausreise schlicht untersagt. Im Iran ist das geltendes Recht, die Reaktionen in sozialen Medien sind allerdings eindeutig.

Die Cheftrainerin der iranischen Frauen-Nationalmannschaft im Alpin-Ski, Samira Zargari, hat ihre Mannschaft zu der Weltmeisterschaft im italienischen Cortina d'Ampezzo nicht begleiten dürfen. Der Grund: Ihr Ehemann hatte ihr die Ausreise verboten, das Team musste sich ohne sie auf den Weg machen. Dies bestätigten mehrere iranische Medien und indirekt auch Zargari selbst. Auf ihrer Instagram-Seite wünschte die 37-Jährige ihrem Team trotz ihrer Abwesenheit viel Erfolg.

Der Grund für das Verbot wurde weder in den Medien noch von Zargari selbst angegeben. Im Iran können verheiratete Frauen ohne die notarielle Erlaubnis ihrer Ehemänner keinen Reisepass beantragen. Auch mit Pass kann der Mann die Ausreise entweder verbieten oder den Pass konfiszieren. Die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtet, der Skiverband habe Zargaris Partner nicht davon überzeugen können, von seiner Verweigerung abzurücken. Auf der Verbandswebseite sei dann nur berichtet worden, dass stattdessen Marjan Kalhor die Mannschaft betreue. Die 32-Jährige war 2010 die erste iranische Teilnehmerin bei Olympischen Winterspielen.

In den vergangenen Jahren wurde mehreren iranischen Spitzensportlerinnen so die Ausreise verboten. Die prominenteste bislang war 2015 Nilufar Ardalan, die Mannschaftsführerin der Frauen-Hallenfußball-Nationalmannschaft. Kurz vor dem Abflug zu der Asienmeisterschaft wurde ihr am Flughafen in Teheran die Entscheidung ihres Mannes zum Ausreiseverbot mitgeteilt - und sie durfte das Team dann nicht begleiten.

In sozialen Medien sorgte Zargaris Ausreiseverbot für heftige Proteste, auch von Männern. Viele zeigten sich beschämt, dass ein Mann im 21. Jahrhundert seiner Frau die Ausreise ohne weiteres verbietet. Kritisiert wurde auch die Justiz, die sogar im Fall einer anerkannten Nationaltrainerin solch ein Verbot zulässt. Einige hauptsächlich weibliche User rieten Zargari sich "von ihrem Blödmann-Gatten" scheiden zu lassen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid