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"Der langweiligste Super Bowl" Ein Football-Festival der Negativ-Rekorde

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Tom Brady feiert in bester Gesellschaft - mit seiner Tochter Vivian.

(Foto: dpa)

Es soll das Sport-Spektakel der Superlative werden, doch der Super Bowl LIII gerät zu einem mauen Football-Duell. Die New England Patriots um Quarterback Tom Brady müssen für ihren Rekord-Titel nicht ihr bestes Spiel zeigen - weil der Gegner einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Die US-Amerikaner lieben die Show, es kann eigentlich nie zu laut, zu grell, zu bunt und zu groß sein. Wer die Straßenbahn verlässt, die in Atlanta Marta heißt, wird sofort von einem Ordner in Empfang genommen, der den Fans in ihren Trikots in einem nie versiegenden Wortschwall deutlich macht, dass sie an diesem Tag nicht am Spielgeschehen teilnehmen werden: "Leute, vergesst nicht, auf euren Sitzen zu bleiben. Rennt nicht aufs Spielfeld, da ist nicht euer Platz." Die Menschen lachen, sie haben ihren Spaß. Tausende freiwillige Helfer weisen den glücklichen Kartenbesitzern den Weg, auf dem Weg zum gigantischen Stadion, das im August 2017 seiner Bestimmung übergeben wurde und als modernste Sportarena der USA gilt. Dutzende Laienprediger teilen den vorbeihastenden Menschen mit, dass nur der Glaube den Weg weist und Jesus nie lügt.

Auf dem Boden liegen T-Shirts, auf denen vor allem der Superstar der vielfach verhassten New England Patriots verunglimpft wird. "Tom Brady sucks" und "Tom Fuckin' Brady". Wäre das also auch geklärt. An einer Rolltreppe springt eine junge Dame wie aufgezogen auf und ab, wobei sie ihre Botschaft herausschreit: "Have fun, guys, have fun." Weiter unten spielt eine Blaskapelle um ihr Leben, überhaupt ist die Geräuschkulisse ohrenbetäubend. Dabei sind es doch noch vier Stunden, bevor der Super Bowl losgeht, das gesellschaftliche Ereignis der US-Amerikaner und ein global vermarktetes Megaereignis.

Rabenschwarzer Tag für die Rams

Seit Tagen befand sich Atlanta im Ausnahmezustand, 1,5 Millionen Menschen - so die Schätzung - machten sich auf in die Gastgeberstadt des Super Bowl. Dabei kamen lediglich 70.000 Zuschauer in den Genuss, das Spiel im Stadion verfolgen zu dürfen. Die Mehrheit der Fans bekannte sich zu den Patrioten aus Neu England, Trikots der Los Angeles Rams waren wenig zu sehen, die Anhänger des Teams aus Kalifornien waren kaum zu hören.

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Rams-Trainer Sean McVay (r.) muss geschlagen vom Platz gehen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Es gab ja auch keinen Grund für sie, vor Begeisterung zu schreien. Eher, vor Entsetzen zu stöhnen angesichts einer Leistung, die eines Finalisten nicht würdig war. Die Mannschaft von Trainer Sean McVay und Quarterback Jared Goff erwischte einen rabenschwarzen Abend, wie es ihn in der 53-jährigen Geschichte des Super Bowl noch nicht gegeben hat. Am Ende stand eine 3:13-Niederlage, mit denen die Rams neue Negativrekorde aufstellten: Kein Punkt in der ersten Hälfte, lediglich ein Fieldgoal in der zweiten, kein Touchdown im ganzen Spiel - blamabler hätte die Vorstellung kaum ausfallen können.

Überhaupt war der Super Bowl keine Veranstaltung, die das riesige Bohei auch nur ansatzweise rechtfertigte: 21 Punkte beim Super Bowl Nummer VII und 22 beim Super Bowl Nummer IX, das waren die Tiefstwerte, die nun mit 16 Punkten locker unterboten wurden. Es gab noch sechs weitere Negativrekorde zu vermelden bei einem Event, das kaum Adrenalin freisetzte. Terence Moore aus Atlanta, der in den Vereinigten Staaten zu den profiliertesten Sportjournalisten gehört, fand drastische Worte. Dies sei "der mit Abstand langweiligste Super Bowl überhaupt" gewesen, sagte Moore und verzog sein Gesicht: "Das war echt brutal, wenn es solche Spiele öfter gibt, hat die NFL ein echtes Problem."

Kraft würdigt Belichick und Brady

Immerhin produzierte das größte Sportspektakel, das die Welt zu bieten hat, am Ende noch einige Helden. Allen voran natürlich Tom Brady und Bill Belichick. Der ewige Quarterback und der ewige Trainer der New England Patriots gewannen ihren sechsten Super Bowl während ihrer unglaublichen Liaison. Diese beiden Männer seien "die zwei Konstanten durch die letzten 18 Jahre", sagte Klubeigner Robert Kraft bei der Siegerehrung: "Sie sind das Beste, was Football zu bieten hat."

Was die Anzahl der Titel angeht, sind Belichick bei den Trainern und Brady bei den Spielern alleinige Rekordhalter. Der 41-jährige Brady machte gegen die Rams nun wirklich nicht das beste Spiel seiner einzigartigen Laufbahn. Das war auch nicht nötig, weil dem Gegner gar nichts gelang und weil sich Brady auf seine wichtigsten Mitarbeiter verlassen konnte. Neun Minuten vor Spielschluss, als das Geschehen beim Stande von 3:3 vor sich hin plätscherte, forderte das Volk den Spielgestalter mit Sprechchören auf, das Zepter in die Hand zu nehmen. Und siehe da, Brady lieferte. Sein Pass, den Tight End Rob Gronkowski zwei Yards vor der Endzone fing, war die Szene, die das Spiel entschied. Kurz danach legte Sony Michel den Ball hinter der Linie ab und sorgte für den einzigen Touchdown der Begegnung.

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Julian Edelman findet das alles "ziemlich surreal".

(Foto: dpa)

Wichtig war auch das jahrelang erprobte Zusammenspiel zwischen Brady und Wide Receiver Julian Edelman, der immer wieder vom Quarterback gesucht und gefunden wurde. Am Ende hatte Edelman 141 Yards zurückgelegt, der Mann mit dem mächtigen Bart wurde folgerichtig zum wertvollsten Spieler gewählt. Edelman, den Brady gerne als seinen "kleinen Bruder" bezeichnet, brachte eine Saison zum krönenden Abschluss, die für ihn gar nicht schön begonnen hatte: Wegen Dopings musste der 32-Jährige eine Sperre von vier Spielen absitzen und startete verspätet in die Spielzeit. Der Held des Abends empfand die Eindrücke, die auf ihn einprasselten, als "ziemlich surreal" und hatte zu seinem Comeback die folgenden Worte parat: "Harte Zeiten gehen vorbei, harte Typen bleiben."

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Quelle: n-tv.de

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